Ella Eickstädt aus Böblingen Eine Fantasy-Saga made in Böblingen

Ella Eickstädt mit ihrem Erstlingswerk. Es ist der Auftakt zu einer High-Fantasy-Saga. Foto: privat

Ella Eickstädt lebt in Böblingen und webt seit Jahren an einer High-Fantasy-Saga. Nun hat sie den ersten Band veröffentlicht.

Ella Eickstädt überlegt kurz: „Man kann schon sagen, ich bin so etwas wie eine Träumerin“, sagt die 59-Jährige, „also jemand, der nicht nur in seinen Nachtträumen Erlebnisse verarbeitet. Ich habe auch Tagträume. Morgens beim Aufwachen gehen mir Dinge durch den Kopf, tagsüber beim Wäscheaufhängen, und immer dann, wenn der Kopf gerade nichts zu tun hat.“

 

Andere Menschen hängen in solchen Augenblicken vielleicht müßig unproduktiven Gedanken nach – Ella Eickstädt hat in ihnen eine ganze Welt erschaffen. Seit mehr als zehn Jahren schon träumt sie von ihr, in wachen Momenten. Und schließlich begann sie, ihre Träume aufzuschreiben.

Anderer Name, anderer Beruf

Ende Juni veröffentlichte sie, in einem Book-on-Demand-Verlag, ihr erstes Buch, den ersten Band einer High-Fantasy-Saga: „Andergänger“ heißt er. Der zweite Band ist fast schon fertig. Weitere werden folgen.

Ella Eickstädt lebt auf der Diezenhalde, ist von Berufs wegen Seminarleiterin im Bereich der Elektroentwicklung, trägt einen anderen Namen, veröffentlicht unter einem Pseudonym. Ihre berufliche Arbeit empfindet sie als Gegensatz zu ihrer Traumtätigkeit, vielleicht aber verdankt sie ihr doch etwas von der Gründlichkeit, mit der sie als Träumerin vorgeht.

„Anfangs“, sagt sie, „habe ich nicht sehr intensiv geschrieben. Ich habe mir Notizen gemacht, Ideen notiert und kleinere Passagen ausgearbeitet. Ich war beruflich noch stark eingebunden und meine Kinder waren noch kleiner.“ Die Kinder sind mittlerweile erwachsen, verheiratet. Die Tochter studiert technische Biologie und unterstützte die Mutter, indem sie für sie Korrektur las. Die Autorin selbst verfügt nun über größere Freiräume – und nutzt sie: Immer nach Feierabend schreibt sie, sofern es nicht Wichtiges gibt, das sie abhält. Jeden Tag.

Alles ist erfunden, aber auch inspiriert durch die Wirklichkeit

„Andergänger“ ist der erste Band der „Zwischenwelt-Saga“ und erzählt von Alexsarah, Priesterin in Zenia, einem Land, das an das irdische Mittelalter erinnert, in dem es keine Magie gibt, keine Monster, keine Elben. Aber Alexsarah lebt auch in einer Traumwelt, in der es solche Wesen gibt. In der Realität ihres Heimatlandes kommt es derweil zu Konflikten, ein Krieg droht. Langsam erkennt Alexsarah, dass das Land, das sie im Traume bereist, durchaus real ist und eine böse Macht von dort aus überzugreifen droht.

All das, sagt Ella Eickstädt, habe sie frei erfunden. „Ein Teil der Inspirationen für die Handlungen und die Geschichte kommen aber aus der täglichen Erfahrungswelt, persönlich und aus den Medien.“ Machtmissbrauch, Manipulation, Krieg, Propaganda, Religion und Institutionen, ein gerechter Umgang der Geschlechter miteinander – solche Themen beschäftigen die Autorin und haben mittelbar Eingang in ihre Bücher gefunden.

Und Ella Eickstädt schreibt und schreibt. Sie nennt sich selbst einen „Schreibjunkie“. Zwar hat sie den Handlungsverlauf ihres Romanwerkes längst ausführlich skizziert – aber die Ausarbeitung dieser Skizzen benötigt nicht nur Zeit, sondern auch Seiten. „Wenn ich an den Romanen schreibe habe ich immer zwei zusätzliche Dokumente geöffnet“, sagt sie. „In einem notiere ich Hintergrundinformationen zu Personen, Orten, Dingen, im anderen habe ich den ganzen Ablauf als Zeitstrahl aufgeschrieben.“ Sie weiß, wie ihre Saga enden wird – aber der Weg dorthin ist weit. „Ich habe einmal hochgerechnet und bin darauf gekommen, dass ich sieben Bände benötigen werde um alles zu erzählen“, sagt Ella Eickstädt. „Vielleicht werden es auch sechs.“

Die Elbensprache aus dem „Hobbit“ durfte sie nicht verwenden

Einen Rückschlag musste sie hinnehmen. Ella Eickstädt ist selbst eine begeisterte Leserin von Fantasy. Die US-Autorin Lois McMaster Bujold und J.R.R. Tolkien, Schöpfer der Hobbits, gehören zu ihren Vorbildern. Als Tolkien-Verehrerin wünschte sie sich, Teile der Elbensprache, die der linguistisch versierte Fantasy-Autor in seinen Büchern verwendet, in ihre eigenen aufzunehmen. Das blieb ihr verwehrt – Tolkiens Erben haben es ganz allgemein streng untersagt. Ella Eickstädt musste deshalb ihr erstes Buch umarbeiten.

Die Autorin will nun an die Öffentlichkeit treten

Aber sie arbeitet weiter, unermüdlich. Der Reiz des Schreibens, sagt sie, liege für sie darin, die eigenen Gedanken und Ideen schriftlich zu entwickeln: „Dann sehe ich, dass es so rauskommt, wie ich es mir vorgestellt habe.“

An die Öffentlichkeit getreten ist Ella Eickstädt mit ihren Büchern bislang kaum. Sie sucht nach Möglichkeiten, sie vorzustellen und aus ihnen zu lesen. „Andergänger“, der erste Band der „Zwischenwelt-Saga“ ist vorrätig bei der Böblinger Buchhandlung Osiander und bei Fantasy Strongpoint am Postplatz, kann aber auch über den Buchhandel bestellt werden.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Böblingen Hobbit J. R. R. Tolkien Buch