Elmar Hörig Hörig redet sich um Kopf und Kragen

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Als ihn auch noch das Fernsehen als Sprücheklopfer engagiert, hebt er vollends ab. Zeitweise moderiert er bei Sat 1 vier Sendungen: „Pack die Zahnbürste ein“, „Elmis witzige Oldie-Show“, „Geh aufs Ganze“ und „Bube, Dame, Hörig“. Als Assistentin wählt er Barbara Schöneberger aus, seine Kollegen heißen Jörg Pilawa und Johannes B. Kerner. Hörig kommt sich wichtig vor, er zele­briert die Arroganz. Spricht nur, mit wem er will, sagt stets, was er denkt. Die Fusion von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk nennt er „Blödsinn“, die Verantwortlichen bezeichnet er als „Sesselfurzer“. Nichtsdestotrotz geht er im Herbst 1998 beim neu geschaffenen Südwestrundfunk wieder auf Sendung. Doch Elmar Hörig hat nun mächtige Gegner. Er tut ihnen den Gefallen und redet sich um Kopf und Kragen.

Bei der Aufzeichnung seiner aberhundertsten Sat-1-Quizshow erklärt der Zotenreißer Hörig, dass Männer zwischen 40 und 50 die besten seien, weil sie genug Kohle und „noch Leben in der Hose“ hätten. Aus dem Publikum ruft eine Mädchen: „Zeigen, zeigen!“ und der Moderator kontert: „Komm runter, du kleine Ische, ich zeig’s dir.“ Der Vorfall landet bei der Boulevardpresse, wo die 17-jährige Schülerin von „massiver sexueller Belästigung“ spricht. Kurz darauf meldet die „Bild“-Zeitung, dass Sat 1 die Zusammenarbeit mit dem „Schmuddel-Hörig“ beende.

Weder für den Betroffenen, der es längst zum Millionär gebracht hat, noch für sein Publikum ist das besonders tragisch. Im Fernsehen wirkte Hörig ohnehin wie ein Spaßmacher in Zwangsjacke. Sein Medium ist das Radio, wo er unbeobachtet ein kreatives Chaos inszenieren kann. Zum 123. Geburtstag von Konrad Adenauer am 5. Januar 1999 spielt er für fünf Sekunden eine Hitlerrede und sagt: „Ups, das war ja gar nicht Adenauer.“ Seit 20 Jahren bewegt sich Elmis Humor abseits der politischen Korrektheit. Doch mit der Rundfunkfusion haben sich die Spielregeln geändert. Der SWR-3-Wellenchef Gerold Hug streicht den Anarchisten vom Dienstplan, weil er nicht die „öffentlich-rechtlichen Standards“ erfülle.

Ein Sprung ins nächste Fettnäpfchen

Die Hörer sind empört und fordern in Tausenden von Protestbriefen ihren Elmi zurück. Hug knickt ein und lässt den beliebten Scherzbold wieder ans Mikro, allerdings auf Bewährung und nur unter der Bedingung, dass er keine Witze mehr über Hitler, Frauen, die Kirche oder Minderheiten reißt. Und wie reagiert Elmar Hörig, mittlerweile fast 50 Jahre alt und noch immer ein infantiler Trotzkopf? Springt mit Karacho ins nächste Fettnäpfchen. Macht sich über eine Ankündigung der Bahn lustig, wonach homosexuelle Paare verbilligte Fahrkarten erhalten sollen. „Warme Woche bei der Bundesbahn“, kalauert Elmi, „dann braucht man die Züge künftig nicht mehr zu heizen.“ Unterste Schublade der Schwulenwitze, urteilt Hug. Der Senderchef hat die Faxen dicke und entlässt seinen Starmoderator fristlos.

Vierzehn Jahre später nippt Elmar Hörig in der Baden-Badener Wellnessbar Juice Me an einem Mango-Shake und sagt dann: „Ich war damals ein Arschloch.“ Er habe geglaubt, dass ihn seine Popularität unangreifbar mache. Der Hochmut ist mittlerweile der Demut gewichen. Gab Hörig nach seinem Rauswurf nur anderen die Schuld, sucht er die Fehler inzwischen vor allem bei sich selbst. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich mich anders verhalten.“

Manchmal liegt Elmar Hörig nachts wach und grübelt darüber nach, „dass ich mein Potenzial nicht ausschöpfen konnte“. Findet er dann Schlaf, träumt er wie in einer Endlosschleife von seiner Radioshow: „Ich will eine Platte auflegen, aber ich finde keine. Also muss ich reden, reden, reden.“