Immer nur neben der Krabbeldecke zu sitzen, macht Autorin Julia Bosch nur begrenzte Zeit Spaß. Foto: Bosch
Sofa, Supermarkt, Spaziergänge: Die Aktivitäten mit einem Baby sind begrenzt. Wie sie es schafft, der Eintönigkeit des Mutterseins zu entkommen, erzählt unsere Autorin.
Die ersten Wochen, nachdem mein Baby auf die Welt kam, lag es tatsächlich stundenlang auf mir und schlief. Doch ich fand diese Sofa-Zeit ziemlich schön. Denn nach kurzer Zeit schlief unser Sohn nur noch ein, wenn er getragen wurde. Ab dann verbrachte er bestimmt die Hälfte des Tages in der Trage, eng vor meinen Oberkörper geschnallt. Ich lernte, mit Trage Wäschekörbe zu tragen, mit Trage zu kochen, mit Trage Zeitungsartikel zu lesen. Vor allem aber ging ich unendlich viel spazieren. Inzwischen akzeptiert er glücklicherweise oft auch den Kinderwagen, mein Rücken dankt es ihm.
Muskelkater von den vielen Spaziergängen
Ich gehe wirklich gern spazieren. Aber in den vergangenen vier Monaten bin ich so oft dieselben Straßen, Feld- und Waldwege abgelaufen, oft drei- oder viermal täglich, dass Spaziergänge für mich nicht mehr viel mit Erholung zu tun haben. Stattdessen bekomme ich Muskelkater davon, bezahle Rechnungen währenddessen, beantworte WhatsApp-Nachrichten und Mails.
Klar, es gibt viele schöne Momente in der Elternzeit. Wenn mein Baby gute Laune hat, mich anstrahlt, kichert und vor sich hinbrabbelt. Wenn mein Partner frei hat und wir den Tag zusammen verbringen. Wenn wir mit anderen Menschen gemeinsam Ausflüge unternehmen. Und wenn ich ein paar Minuten zwischendurch für mich habe.
Es gibt aber auch Tage, an den ich schon um 10 Uhr morgens komplett erschöpft bin und nicht weiß, wie ich den Tag rumbringen soll, bis mein Freund Feierabend hat. Wenn mein Baby zu wenig geschlafen hat und viel quengelt. Wenn es draußen regnet. Und wenn ich mich mit niemandem verabredet habe.
Spazierengehen ist schön, aber auch nicht tagesfüllend. Foto: Bosch
Denn nein, es stellt mich nicht zufrieden, den ganzen Tag lang fröhlich mit meinem Baby zu plaudern, aber nie eine Antwort zu bekommen. Und es macht mir auch nur für begrenzte Zeit Spaß, neben seiner Krabbeldecke zu sitzen und ihm Spielzeug zu reichen, das er nach wenigen Sekunden wieder fallen lässt. Ich fühle mich dann einsam.
Deshalb bin ich dazu übergegangen, meine Elternzeitwochen genauso zu planen wie ich es früher mit meinen Arbeitswochen getan habe. Ich vereinbare Treffen mit anderen Eltern, melde mich zu Kursen mit Baby an und bin Stammgast im EKiZ im Westen und MüZe im Süden geworden. Das sind Abkürzungen für Eltern-Kind-Zentrum und Mütter-Zentrum, von denen es glücklicherweise mehrere in Stuttgart gibt. Dort können Kinder mit anderen Kindern spielen, Erwachsene andere Erwachsene kennenlernen – und wenn das eigene Baby schreit, lächelt einem immer jemand aufmunternd zu.
Viele meiner Bekannten mit Kindern sind nach und nach in ländlichere Gegenden gezogen. Ich dagegen war selten so froh, in einer Großstadt mit so vielen Angeboten, einer guten ÖPNV-Anbindung und etlichen Spaziermöglichkeiten zu leben. Das alles schenkt mir Trost, Ablenkung und immer wieder neue Kraft.
Und das Beste ist: Wenn ich ein paar Stunden mit meinem Baby unterwegs war, freue ich mich wieder richtig auf zu Hause. Auf einmal plaudere und singe ich ihm wieder voller Energie vor, mache Quatsch mit ihm auf dem Wickeltisch und genieße es, wenn er entspannt neben mir auf der Couch liegt. Dass ich genau davor früher Angst hatte? Finde ich heute ganz schön verrückt.
Die Autorin
Julia Bosch (33) ist Redakteurin unserer Zeitung und wurde Anfang 2025 Mutter. Während ihrer Elternzeit wird sie in mehreren Artikeln erzählen, wie ihre Vorstellungen übers Muttersein mit der Realität zusammenprallen. Sie lebt mit Freund und Sohn in Stuttgart. Ihren Text übers Stillen gibt es hier.