Emissionen bereits reduziert Böblingen plant Klimaneutralität bis 2035
Böblingen hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2035 soll die Stadt klimaneutral werden. Doch wie lässt sich das erreichen? Ein neues Konzept soll Antworten liefern.
Böblingen hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2035 soll die Stadt klimaneutral werden. Doch wie lässt sich das erreichen? Ein neues Konzept soll Antworten liefern.
Böblingen hat ein selbst gestecktes Klimaziel erreicht: Die CO2-Emissionen der Stadt seien um 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 gesunken – genau wie damals von Oberbürgermeister Stefan Belz angekündigt. „Ich habe bei meinem Amtsantritt zugesagt, dass wir dieses Ziel bis 2025 schaffen – und wir haben es geschafft“, sagte er bei der Vorstellung des neuen Klimaneutralitätskonzepts, das als Fortschreibung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes von 2012 gedacht ist.
Mit diesem Erfolg im Rücken geht der Blick der Stadtverwaltung nun weiter in die Zukunft. Schon im Mai vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat beschlossen, dass Böblingen bis 2035 klimaneutral werden soll. Ein ambitioniertes Ziel, das nach einem flexiblen „Baukastenprinzip“ funktionieren soll.
Es umfasst alle relevanten Bereiche der Stadtgesellschaft. Dies betrifft nicht nur die Industrie und den Verkehr, sondern auch die privaten Haushalte und die kommunalen Liegenschaften. Auch werden im Konzept verschiedene Bereiche der Stadtverwaltung berücksichtigt wie Dienstreisen, Fuhrpark und Arbeitswege. Im Juli soll es Info-Veranstaltungen geben, ab Herbst die Umsetzung konkret geplant werden.
Schon jetzt stehen die größten Emittenten der Stadt fest: „Der Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, der Verkehr und die privaten Haushalte sind für den Großteil der CO2-Emissionen verantwortlich“, sagte Marie-Luise Zaiß, Leiterin der Stabstelle Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei der Stadt.
Für die Entwicklung des Konzepts hat die Stadtverwaltung unter anderem den Klima-, Umwelt- und Wärmebeirat, den Jugendgemeinderat sowie die Bürger eingebunden. „Das Interesse und Engagement der Bevölkerung in diesem Bereich ist bereits jetzt sehr groß“, freut sich Belz. Auch Zaiß bestätigt: Über die bereits bestehende Online-Beteiligungsplattform der Stadt seien im Rahmen der Entwicklung des Klimaneutralitätskonzepts viele Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen, die man nach Möglichkeit auch in das Konzept eingebaut habe.
Die Bürgerinnen und Bürger sollen während des gesamten Prozesses über ein sogenanntes Klima-Dashboard über den Stand der Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werden. Auf der Website der Stadt kann man dann zum Beispiel sehen, wie viel Fläche bereits für Solaranlagen genutzt wird oder wie gut das Radwegenetz ausgebaut ist.
Die städtischen Pläne fügen sich in einen größeren politischen Kontext ein: Die Europäische Union strebt Klimaneutralität bis 2050 an, der Bund bis 2045 und das Land Baden-Württemberg bis 2040. Klimaneutralität bedeutet dabei, dass menschliche Aktivitäten unter dem Strich keine Auswirkungen mehr auf das Klimasystem haben – entweder, weil Emissionen vollständig vermieden oder durch natürliche oder technische Maßnahmen ausgeglichen werden. An dieser Definition orientiert sich auch das Böblinger Konzept.
„Böblingen soll ein zukunftsfähiger und krisensicherer Standort werden“, so Belz. Er stellte jedoch auch unmissverständlich klar: „Ohne Unterstützung können wir das als Kommune nicht stemmen.“ Es sei offensichtlich, dass der städtische Haushalt allein nicht ausreiche, um Böblingen klimaneutral aufzustellen. Daher sei man auf Fördermittel von Land und Bund angewiesen.