Ende einer Hip-Hop-Ära Stuttgarts Schräglage schließt: Warum der Kult-Club nach 20 Jahren aufgibt

Genau 20 Jahre gab es den Schräglage-Club, der einst in einem ehemaligen Volcom-Store seinen Anfang genommen hatte. Doch das Feiern war früher ein anderes, weiß Club-Besitzer und -Mitgründer Heiko Grelle. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski/Max Kovalenko

Wo einst Marteria und Deichkind feierten, ist bald Schluss: Die Schräglage schließt. Warum die Betreiber nach 20 Jahren die Reißleine ziehen und was in der Hirschstraße 14 geplant ist.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Stuttgarts ältester und geschichtsträchtigster Hip-Hop-Club schließt. Nach 20 Jahren haben sich die beiden Schräglage-Geschäftsführer Heiko Grelle und Heiko Fuhrer entschlossen, ihren Club, der 2006 in einem Volcom-Showroom seinen Anfang genommen und nach einem üblen Wasserschaden in die Hirschstraße 14 am Marktplatz gezogen ist, zu schließen.

 

Es ist das Ende eine Ära, auch für Stuttgart, das seinen letzten versierten Hip-Hop-Club mit kuratiertem Live-Programm verliert, in dem schon Trettmann, Marteria, Haftbefehl und Deichkind gespielt, geschwitzt und gebechert haben.

Wirtschaftlichkeit vs. DNA: Warum das Aus unumgänglich war

„Wir haben die letzten zwei, drei Jahre gemerkt, dass wir es mit unserem reinen Hip-Hop-Programm nicht mehr schaffen, den Laden konstant so zu füllen, dass er auf lange Sicht wirtschaftlich funktionieren kann“, sagt Christopher Warstat, der für Marketing und Programm der Schräglage verantwortlich ist. „Darauf haben wir reagiert, indem wir den musikalischen Fokus aufgebrochen haben, haben andere Musikrichtungen und Partys mit ins Programm genommen, was auch gut funktioniert hat. Unserer Marktanalyse nach müssten wir uns zukünftig aber noch weiter öffnen und das kam für uns nicht infrage.“

Sich weiter vom Hip-Hop abzuwenden und vom ursprünglichen Club-Konzept vollends zu verabschieden, war für die Macher ein No-Go. „Wir wollen unser Profil nicht verwässern, sondern bei unserer Schräglage-DNA bleiben.“

Geändertes Ausgehverhalten: Die junge Generation feiert anders

Statt noch länger rumzumachen, wurde nun die Reißleine gezogen. „Aus finanzieller Sicht hätten wir nicht jetzt schon schließen müssen. Aber was ich noch schlimmer finde, als zu schließen, ist ein langsames Ausbluten“, sagt Heiko Grelle, der den Club mitgegründet hat und ihn sozusagen seit seinen Kinderschuhen begleitet. „Emotional fühlt es sich an, als würde das Kind nun erwachsen werden und ausziehen, das hat mich monatelang extrem beschäftigt.“ Doch der Tatsache, dass die junge Generation ein gänzlich anderes Feierverhalten an den Tag legt, als seine eigene und auch die danach, trägt der Stuttgarter Rechnung. „Das klassische Clubleben, wie wir es kennen, ist vorbei. Die Jungen sind gar nicht mehr so festgelegt auf ein Genre, und auch das Thema nachts ausgehen und morgens zerfeiert heimkommen findet immer weniger statt in der jungen Zielgruppe.“

Vom Club zur Eventlocation: So geht es im „h14“ weiter

Aber wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich meistens eine andere. Der Schräglage-Chef sieht nach vorn. „Das Leben geht weiter. Man darf nicht auf der Stelle stehen bleiben.“ Auch in der Hirschstraße 14: Statt des Clubs eröffnet in den Räumlichkeiten die Eventlocation h14, die auch weiterhin von der Schräglage betrieben und von Warstat inhaltlich betreut wird: „Ob Hip-Hop, elektronische Musik, Rock, Pop oder Business und private Veranstaltungen: h14 ist offen für neue Formate.“

Die Schräglage ist bis heute Austragungsort zahlreicher Konzerte und legendärer Momente, vom Comedy-Abend über die Indie-Party bis hin zum Wine Tasting. Foto: Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

Bis zum letzten Abend am 27. Juni wird noch ein fettes Abschiedsprogramm für den Juni geschürt, das zeitnah veröffentlicht wird. „Wir werden ein Programm mit vielen Wegbereitern auf die Beine stellen, das unseres Abschieds würdig ist“, verspricht Warstat. Und lässt durchblicken: Die Suche nach einer neuen Location, die das emotionale „Headquarter“ des Schräglage-Gastro-Unternehmens sein könnte, das längst viel mehr als nur Hip-Hop-Club ist, läuft. Das neue Konzept soll aber im Gegensatz zum Club weder Live-Spielstätte, noch Nightlife-Betrieb sein, sondern ein ganztägiges Spektrum umfassen: vom Café-Betrieb am Morgen über das Feierabendbier bis hin zu DJ-Sets am Wochenende. Wir werden berichten.

Schräglage Club, Hirschstr. 14, Stuttgart-Mitte, Fr+Sa ab 23 Uhr und je nach Veranst.

Dieser Artikel ging erstmalig am 8. Mai 2026 um 15:51 Uhr online.

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