Globale Krisen verunsichern die Verbraucher. Die Anfragen im Energieberatungszentrum Stuttgart steigen. Ein Experte sagt, die Leute merken: „Fossile Energie funktioniert nicht.“

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Joshua Nothdurft ist seit rund einem Jahr in seinem Job, in den vergangenen Wochen hat der Leiter des EnergieberatungszentrumsStuttgart Medienerfahrung gesammelt. Seine Stimme war gefragt für einen Podcast des Deutschlandfunks sowie für die Sendung „Brisant“ im Ersten.

 

Während er sich vor laufender Kamera zu den neuen Etagen-Wärmepumpen äußerte, sprach er im Radio über eine gestiegene Anzahl an Anfragen beim Energieberatungszentrum (EBZ) in Folge des Angriffs auf den Iran.

An den Tankstellen ist es teurer geworden – das gilt aber auch für den Heizkeller, wenn man auf fossile Energien setzt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Für Februar und März verzeichne das EBZ deutlich mehr Hilfesuchende, so Nothdurft gegenüber unserer Redaktion. „Die Hauptthemen sind der Heizungstausch und die Stuttgarter Förderung“, sagt er. „Der Krieg und das Gebäudemodernisierungsgesetz spielen eher in den Abendveranstaltungen eine Rolle.“ Damit meint Nothdurft die Ankündigung der Bundesregierung, das Heizungsgesetz zu ändern.

Das sagt ein Energieberater aus Stuttgart

Sven Hartmann kann derweil keinen sprunghaften Aufschwung erkennen. Er ist Energieberater in Stuttgart und stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbands GIH, dem rund 5500 Energieberater angehören. Seine Perspektive: Es sei in den vergangenen drei Jahren dauerhaft viel los gewesen. „Was wir aber sehen, ist noch mehr Verunsicherung“, sagt Hartmann. Ausgelöst durch das politische Zickzack und den Krieg im Nahen Osten.

Seiner Einschätzung nach sind die erneuerbaren Energien auch fürs Heizen „schon lange im Markt angekommen“. Die Leute, die er berate, hätten schon vor dem Krieg und den angekündigten gesetzlichen Veränderungen gemerkt, „dass die fossile Energie irgendwie nicht funktioniert“, sagt Hartmann. „Bei jungen Familien, die ein Haus sanieren, ist das gar keine Diskussion.“

Einen leichten Anstieg seit Beginn des Iran-Krieges nimmt Axel Wolff wahr; er ist der Geschäftsführer der Solarsparte der Scharr-Gruppe in Stuttgart. Januar und Februar seien ruhige Monate gewesen, sagt er. Im März zog es dann an. „Die Anfragen nehmen zu. Die spannende Frage ist, ob im Juni und Juli genügend Material zur Verfügung steht“, sagt Wolff.

Was auch zu beobachten ist: Aufgrund chinesischer Politik werden Solarzellen aktuell weltweit teurer. Zu Anfang April hat Peking die bisher geltenden Exporterstattungen auf die Mehrwertsteuer auf PV-Produkte – sie lag bei neun Prozent – gestrichen. 80 bis 90 Prozent der verbauten Solarmodule stammen aus China.