Energiekonzern auf Sparkurs EnBW schafft nun doch keine neuen Stellen

Appell zu mehr Effizienz: EnBW-Chef Stamatelopoulos Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Der Energiekonzern will nur noch ausscheidende Beschäftigte ersetzen. Der bisher geplante Personalaufbau ist gestoppt. Grund: die herausfordernde Lage der Branche.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der landeseigene Energiekonzern EnBW tritt angesichts eines schwierigeren wirtschaftlichen Umfeldes beim Personal auf die Bremse. In den nächsten Jahren will das Unternehmen nun doch nicht, wie angekündigt, 10 000 Jobs neu vergeben. Stattdessen sollen nur noch frei werdende Stellen – dies sind etwa 7500 davon - nach Prüfung „mit Augenmaß“ nachbesetzt werden. Weitere geplante 2500 neue Stellen sollen zunächst nicht geschaffen werden, da man mit der aktuellen Belegschaft auskomme.

 

Über diese Vorgaben wurden die Beschäftigten vorige Woche intern informiert, wie ein EnBW-Sprecher bestätigte. Den geringeren Personalbedarf erklärte er mit Effizienzsteigerungen durch die fortschreitende Digitalisierung, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und die Rückkehr zu 38-Stunden-Woche von 2026 an. Auch die Möglichkeit, in Altersteilzeit zu gehen, wird dem Vernehmen nach stark eingeschränkt.

„Jeden Euro in die Zukunft investieren“

Alle EnBW-Beschäftigten wurden bei der konzernweiten Unterrichtung zu mehr Effizienz angehalten. Angesichts des gewaltigen Investitionsprogramms von jährlich acht Milliarden Euro in den nächsten Jahren werde Wirtschaftlichkeit noch wichtiger. „Jeder Euro, den wir heute nicht ausgeben, können wir in neue Wachstumsprojekte und somit in unsere Zukunft investieren“, teilte der Sprecher mit. Der Anspruch des Unternehmens sei es, „aus eigener Kraft die Erträge zu sichern, um die EnBW wirtschaftlich erfolgreich, robust und nachhaltig für die Zukunft aufzustellen“. So solle auch der in den vergangenen Jahren gestiegene Unternehmenswert weiter wachsen. Das Land und die oberschwäbischen Landkreise als Großaktionäre hatten die EnBW zuletzt mit einer Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro gestärkt.

Der laufende Umbau des Energiesystems sei für die EnBW „nicht nur eine große Chance, sondern auch ein historischer Kraftakt“, betonte der Sprecher. Derzeit befinde man sich im „größten Investitionsprogramm in der Geschichte des Unternehmens“. In den nächsten Jahren sollen 40 bis 50 Milliarden Euro für die Stromnetze, Erneuerbare Energien, Gaskraftwerke und die E-Mobilität ausgegeben werden – dies vor allem in Deutschland. „Nur wer jetzt investiert, wird auch im Energiemarkt von morgen eine Rolle spielen“, mahnte der EnBW-Sprecher. „Die Karten am Energiemarkt werden aktuell neu gemischt, zukünftige Marktanteile und Positionierungen werden heute entschieden.“

Kein Spielraum mehr für Verschwendung

Seit geraumer Zeit werde das energiewirtschaftliche Umfeld „immer herausfordernder“, veränderte Rahmenbedingungen belasteten die Branche insgesamt. Als Faktoren nennt die EnBW regulatorische Unsicherheiten, sinkende Renditen im Netzgeschäft bei steigenden Investitionskosten, aber auch gestiegene Preise für Rohstoffe und Komponenten oder ein höheres Zinsniveau. Als Folge würden „in den nächsten Jahren unsere Investitionen unsere Erträge deutlich übersteigen“. Das lasse wenig Spielraum für Abweichungen von Plan und Ineffizienzen.

Bereits 2021 hat die EnBW das Effizienzprogramm „Performance im Wachstum“ gestartet. Die Botschaft: trotz Milliardengewinnen müssten die Ausgaben begrenzt werden. Nun möchte der Energiekonzern die Kostendisziplin noch weiter steigern. Neben dem Stellenstopp gehört dazu auch, Aufträge an externe Dienstleister stark zu reduzieren; hier soll in den vergangenen Jahren ein gewisser Wildwuchs entstanden sein. Auch bei den Reisekosten will der Konzern strikt sparen, hieß es bei der Mitarbeiterinformation. Zudem solle es weniger zeitraubende Besprechungen geben – ein Appell besonders an die Führungskräfte.

Finanzminister zeigt sich gelassen

Zur Lage der EnBW äußerte sich kürzlich auch Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne), der im Aufsichtsrat sitzt. Vor Journalisten sagte er, der Energiekonzern könne sich der schwieriger strukturellen Situation des Industriestandorts Baden-Württemberg „nicht entziehen“. Seine Situation sei aber „nicht angespannt“. Bei ihrem ambitionierten Investitionsprogramm habe die EnBW die „volle Unterstützung“ des Landes. „Das ist Transformation im Brennglas“, so Bayaz.

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