Sie sind aktiv für für Asylsuchende in Weil der Stadt: der Arbeitskreis Asyl unter der Leitung von Ute Wolfangel (Vierte von links) und Claudia Wolf (Vierte von rechts). Foto: Simon Granville
Schwimmtreff, Mieterqualifizierung, Ausflüge: Gut 80 Ehrenamtliche engagieren sich beim Arbeitskreis Asyl in Weil der Stadt. Ihre Arbeit wird zunehmend herausfordernd.
„Du kannst doch die Welt nicht retten.“ Diesen Satz hört Ute Wolfangel oft, wenn sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählt. „Nein, aber für einzelne Leute kann ich die Welt verändern“, antwortet sie dann.
Die freie Autorin stieß 2016 zum Arbeitskreis Asyl in Weil der Stadt, weil sie den Hilfebedarf vieler Geflüchteter sah. Inzwischen leitet sie gemeinsam mit Claudia Wolf das 1992 gegründete Projekt. Mehr als 80 Mitglieder engagieren sich dort aktuell – sie geben zum Beispiel Deutschkurse, helfen bei der Wohnungs- und Jobsuche, sie begleiten zu Arztterminen und vermitteln Rechtsberatung.
Hilfe bei der Wohnungssuche: Welche Rechte und Pflichten gibt es?
Aber auch gemeinsame Ausflüge, politische Öffentlichkeitsarbeit und Workshops für Geflüchtete stehen auf dem Programm. In der sogenannten Mieterqualifizierung lernen Asylsuchende, wie sie sich auf eine Wohnung bewerben, welche Rechte und Pflichten sie als Mieter haben und worauf es im Alltag ankommt. Auch die Erste-Hilfe-Kurse werden „super angenommen“, erzählt Ute Wolfangel.
Die deutsch-internationalen Gesprächsrunden sind ein beliebtes Angebot vom Arbeitskreis Asyl. Foto: AK Asyl Weil der Stadt
Besonders beliebt sind die deutsch-internationalen Gesprächsrunden: Einmal pro Woche treffen sich Deutschlernende und Muttersprachler im evangelischen Gemeindehaus zum Austausch. Die Leiterin Isolde Jäkle sagt: „Es ist schön zu sehen, wie sich die Teilnehmer entwickeln.“
Freude am Ehrenamt – doch die Bürokratie fordert
Der wöchentliche Schwimmtreff für geflüchtete Frauen ist ein weiteres erfolgreiches Projekt. Leiterin Ute Wolfangel hat es Ende 2023 ins Leben gerufen, seit rund einem Jahr wird sie von Dagmar Wilson unterstützt. „Da ich zu dem Zeitpunkt in Rente gegangen bin, dachte ich: Das wäre doch was für mich“, erzählt das ehemalige DLRG-Mitglied.
So erfüllend die Arbeit ist, sie fordert auch viel Kraft. Die Ehrenamtlichen halten engen persönlichen Kontakt zu den Geflüchteten, begleiten sie zu Behörden und Ärzten, organisieren Umzüge und helfen beim Ausfüllen von Anträgen. Gerade die Bürokratie stellt dabei alle Beteiligten immer wieder vor große Herausforderungen.
Auch Stadt und Kreis sind bei Leitungstreffen vertreten
„Selbst wir blicken bei komplexen Formularen, etwa für das Jobcenter, nicht immer durch“, sagt der Schriftführer Stefan Kunze. Hinzu kommen lange Bearbeitungszeiten und strenge Datenschutzvorgaben, die die Unterstützung erschweren.
Um aktuelle Probleme, Bedürfnisse und Entwicklungen zu besprechen, trifft sich das zehnköpfige Leitungsteam alle zwei Wochen. Auch zwei Integrationsmanagerinnen von Stadt und Landratsamt nehmen teil – eine Zusammenarbeit, die beide Seiten als Bereicherung empfinden.
Auch auf dem Weihnachtsmarkt und anderen Festen ist der Arbeitskreis Asyl präsent. Foto: AK Asyl Weil der Stadt
In einer Sitzung erzählt Marianne Maier von einer 13-Jährigen, die mit zwei erwachsenen Brüdern und der Mutter in einem einzigen Zimmer wohnt. Die Integrationsmanagerinnen wollen nun nach einer anderen Unterbringung für die Familie suchen.
„Politische Polarisierung und Meinungsmache“ machen Arbeit schwer
„Es tut gut, sich hier gemeinsam über konkrete Fragen und Themen zu auszutauschen“, sagt Stefan Kunze. Zumal sich die Ehrenamtlichen wachsendem Unverständnis für ihre Arbeit gegenüber sehen. Sie führen das auf politische Polarisierung und Meinungsmache gegen Geflüchtete zurück.
„Was alles gut läuft, wird oft nicht beleuchtet“, sagt Ute Wolfangel. Die meisten Zugewanderten arbeiteten, wollten sich ein Leben in Deutschland aufbauen – und unabhängig sein. „Viele helfen sich gegenseitig und wollen gar nicht mehr von uns ‚gepampert‘ werden“, erzählt sie. Dennoch entstehen enge Bindungen. Ehemals Begleitete laden Ehrenamtliche auch zu Festen ein oder gehen gemeinsam ins Kino.
Scheinbare Kleinigkeiten machen Hoffnung
Solche Geschichten fänden in der öffentlichen Diskussion jedoch kaum Beachtung, bedauern die Engagierten aus Weil der Stadt. Dementsprechend habe auch die Hilfsbereitschaft der Einheimischen in den letzten Jahren stark nachgelassen. Der Arbeitskreis Asyl freut sich daher über weitere Unterstützung. Insbesondere mehrsprachige Helfer werden gesucht, da etwa Arztpraxen oft auf Übersetzer bestehen.
Hoffnung machen den Ehrenamtlichen die scheinbaren Kleinigkeiten: „Wenn jemand erzählt: Mein Sohn geht jetzt ins Fußballtraining. Oder: Ich habe einen Job gefunden“, sagt Dagmar Wilson. Das mache sie glücklich. Für manche Menschen verändert so etwas eben doch die Welt.