Eine neue Studie soll zeigen, wie väterliche Care-Arbeit und politische Bildung zusammenhängen. Das ist ein bisher kaum erforschtes Feld.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Je älter Kinder werden, desto bedeutsamer werden die Papas in ihrem Leben. Das zeigen erste Zwischenergebnisse der Studie „Vaterschaft im Wandel: Wie Väter ihre Teenager im Alltag und in gesellschaftlichen Fragen begleiten“.

 

„Gerade in der Jugendphase werden Väter für Gespräche, Orientierung und emotionale Unterstützung besonders wichtig“, wird Claudia Zerle-Elsäßer in einer Pressemitteilung der Stiftung Ravensburger Verlag zitiert. Die Soziologin hat mit ihrem Team am Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München geforscht. Ihre Erklärung: „Gegenüber ihren Teenagern müssen Eltern eine neue Balance finden. Jugendliche wünschen sich mehr Autonomie, brauchen aber weiterhin emotionale Unterstützung und Orientierung.“ Die Papas würden in diesem Prozess eine entscheidende Rolle spielen.

Claudia Zerle-Elsäßer ist überzeugt: „Engagierte Vaterschaft lohnt sich.“ So würden Väter, die ihre Familie sichtbar priorisierten, von ihren Kindern als „besonders wichtige Bezugsperson“ wahrgenommen. 82 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen, deren Papas die Idee gut fanden, zumindest bis zum Schuleintritt der Kinder beruflich kürzer zu treten, berichteten von einer „sehr guten“ Beziehungsqualität zu ihren Vätern.

Gute Gespräche sind ein wichtiger Faktor

Laut den Forschenden ist die „kindzentrierte Kommunikation“ dabei mit Abstand der wichtigste Einflussfaktor. Die Beziehung zum männlichen Elternteil werde besser bewertet, wenn häufig gemeinsame Gespräche stattfänden: 67 Prozent der Kinder, deren Vater „sehr viel“ mit ihnen kommunizierten, bewerteten die Beziehung zu ihm als „sehr gut“. Das entspreche einer statistisch signifikanten Differenz von mehr als 20 Prozentpunkten im Vergleich zu den Jungen und Mädchen, deren Papas sich selten mit ihnen unterhielten.

Claudia Zerle-Elsäßer und Johanna Possinger sind maßgeblich an dem neuen Forschungsprojekt beteiligt. Foto: Inge Kraus/Blende 11/Stiftung Ravensburger Verlag

Basis für den nun vorgelegten Zwischenbericht waren repräsentative Datensätze aus den Jahre 2009 bis 2023, die unter dem Titel „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ publiziert wurden. Das Team um Claudia Zerle-Elsäßer analysierte diese unter der Maßgabe, welche Bedeutung Väter in der frühen Jugendphase ihrer Kinder haben. Die Ergebnisse sind das Fundament für das neue Projekt „Vaterschaft im Wandel“.

Gemeinsam gesellschaftliche Fragen besprechen

Derzeit interviewen Forschende der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg unter Leitung von Johanna Possinger Väter und Jugendliche. Sie wollen wissen, wie gemeinsam über gesellschaftliche Fragen gesprochen wird und welche Rolle die Papas dabei spielen. Die Untersuchung soll unter anderem zeigen, wie väterliche Care-Arbeit und politische Bildung zusammenhängen, was ein bislang kaum untersuchtes Feld sei.

„Familien sind der erste Ort, an dem Jungen und Mädchen lernen, ihre Meinung zu äußern, Konflikte auszuhandeln und unterschiedliche Perspektiven zu verstehen“, sagt Johanna Possinger, Professorin an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Sie ergänzt: „Wenn Väter sich aktiv beteiligen und Gespräche führen, stärken sie nicht nur die Beziehung zu ihren Kindern, sondern auch wichtige demokratische Kompetenzen.“ Die Stiftung Ravensburger Verlag fördert das bis 2027 laufende Forschungsprojekt mit 160.000 Euro.