Ein Termin beim Hausarzt ist im Landkreis Ludwigsburg immer schwieriger zu bekommen. Foto: picture alliance/dpa
Zwei weitere Praxen im Kreis Ludwigsburg haben geschlossen, es wird immer schwieriger einen Termin zu bekommen. Doch es gibt auch Ideen, um die düstere Zukunft abzuwenden.
Wer einen Termin beim Hausarzt braucht, muss oftmals viel Geduld haben. In Schwieberdingen und Hemmingen wurden in kurzer Zeit zwei Praxen geschlossen. Auch in anderen Orten im Landkreis Ludwigsburg wie in Steinheim gibt es Engpässe. Diese Probleme sind aber nichts im Vergleich zum flächendeckenden Ärztemangel, der den Patienten in der Region künftig droht.
Der Umzug der beiden Praxen aus Hemmingen und Schwieberdingen bedeutet für deren bisherige Patienten, dass sie nun weite Wege in Kauf nehmen müssen oder sich eine andere Praxis suchen müssen. Dass das für die Betroffenen nicht einfach ist, kann Carola Maitra, Vorsitzende der Ärzteschaft im Kreis Ludwigsburg, bestätigen. Die Medizinerin sieht jedoch auch in anderen Teilen des Landkreises Kapazitätsprobleme. „Wir befinden uns bereits in der Nähe zur echten Unterversorgung“, sagt sie.
Bedarf älterer Menschen wird nicht berücksichtigt
Die aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg zeigen demnach, dass es zunehmend an Hausärzten mangelt. Während es im Bereich Ludwigsburg rechnerisch sogar mit einem Grad von 106 Prozent eine Überversorgung gibt, weist die KV in und um Bietigheim einen Versorgungsgrad von 82 Prozent und in Vaihingen/Enz sogar nur 64 Prozent aus.
Die Zahlen sinken, 2024 lag der Grad im Bereich Ludwigsburg und im Bereich Vaihingen jeweils ein Prozentpunkt höher – die Hausärzteversorgung im Bereich Bietigheim ist im gleichen Zeitraum um fast sieben Prozent abgesackt. Zudem würden die Zahlen nicht die tatsächliche Situation wiedergeben, betont Maitra. „Diese Zahlen beschönigen die Situation, weil nicht der wirkliche Bedarf einer älter werdenden Bevölkerung berücksichtigt wird, sondern Zahlen aus den 1990er-Jahren als Grundlage herangezogen werden.“
Besonders schwierig ist es nach ihrer Erfahrung in den ländlicheren Teilen im Landkreis. „Aber auch aus unseren größeren Städten Ludwigsburg und Bietigheim höre ich, dass es nicht einfach ist, einen Hausarzt oder eine Hausärztin zu finden“, sagt die Vorsitzende der Kreisärzteschaft.
Carola Maitra ist die Vorsitzende der Kreisärzteschaft. Foto: Martin Stollberg/RKH Kliniken
Carola Maitra warnt seit Jahren vor einem demografischen Problem. Die Altersstruktur der Allgemeinmediziner habe sich drastisch verändert. Im Kreis Ludwigsburg seien 33 bis 39 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre. Das heißt, dass künftig etliche internistische Praxen abgegeben werden, weil die Ärzte in den Ruhestand gehen.
Dieses Defizit kann nach Ansicht von Maitra nicht von den verbleibenden Praxen aufgefangen werden. „Auch wenn die Ludwigsburger Ärzteschaft ein enorm hohes Engagement an den Tag legt und viele Kolleginnen und Kollegen deutlich über dem zu erwartenden Arbeitssoll in ihren Praxen ihren Mann und ihre Frau stehen, hat der Tag nicht mehr als 24 Stunden“, erklärt sie. Räumliche und personelle Ressourcen seien begrenzt. Schon jetzt seien viele Mediziner an ihrer Belastungsgrenze.
Nach Auskunft von Carola Maitra wird allerdings viel unternommen, um gegenzusteuern. Nordwürttemberg sei der einzige Bezirk im Bundesland ohne eigene medizinische Fakultät. „Derzeit gibt es Bestrebungen, dass sich das in der Zukunft ändert“, sagt sie. Wo und wie eine Fakultät entstehen könnte, scheint jedoch völlig unklar.
Damit wäre es aus Maitras Sicht jedoch noch nicht getan. „Ich fürchte, dass wir uns noch intensiver bemühen müssen, um insbesondere für die jüngeren und zumeist weiblichen Kollegen im Landkreis den Start in die Selbstständigkeit schmackhafter zu machen“, meint die Vorsitzende der Ärzteschaft.
Jüngere könnten an die Region gebunden werden, wenn sie unter anderem bei Praktika eine weitergehende Förderung erhielten – wie schon jetzt im Praktischen Jahr. Der Erfolg zeige sich in steigenden Studentenzahlen in Ludwigsburg.
Von der Bürokratie entlasten
Wünschenswert wäre es für Maitra, wenn junge Kollegen von der Last der Bürokratie, den zu Beginn sehr hohen Investitionen und extremer Arbeitsbelastung entlastet würden. Als Ansatz nennt sie kommunal gestützte Medizinische Versorgungszentren. Und: „Grundsätzlich werden wir nicht umhinkommen, für Tätigkeiten wie die Wundversorgung und Hausbesuche auch nicht-ärztliche medizinische Fachberufe heranzuziehen.“ Ein Allheilmittel werde es aber nicht geben.
Auch auf Initiative des Landratsamtes sind Beteiligte an diesem Thema dran. Aus der Kommunalen Gesundheitsgruppe ging im Mai vergangenen Jahres eine Arbeitsgruppe hervor, die im Sommer erstmals getagt hat. „Dabei wurde entschieden, dass der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin geplant und koordiniert werden soll, bevor weitere AG-Termine stattfinden“, heißt es aus dem Landratsamt. Zu Details über konkrete Maßnahmen hält sich das Landratsamt jedoch bedeckt.
Seitdem habe es kleinere Treffen des Verbunds gegeben. Ein zentraler Ansatz sei es, die Ausbildung und Ansiedlung des ärztlichen Nachwuchses im Landkreis zu stärken. „Die Umsetzung ist komplex und befindet sich noch in Abstimmung“, teilt Pressesprecher Andreas Fritz mit. Mit der Kreisärzteschaft hat das Landratsamt zudem Mediziner befragt, um Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.