„Ich habe meine beiden Kinder dort zur Welt gebracht und bin selbst in der Anna-Klinik geboren“, „Ob Hebammen, Schwestern, Ärzte – alle sehr qualifiziert und super freundlich“, „Wie schade, dass es diese wunderbare Klinik nun nicht mehr gibt“ – so lauten fast alle Kommentare dazu, dass die traditionsreiche St. Anna-Klinik in Bad Cannstatt ihre Geburtshilfe zum 31. März 2025 geschlossen hat – nach fast einem Jahrhundert.
Der Montag gestaltete sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Geburtshilfe, die im vergangenen Jahr 671 Babys auf die Welt gebracht hatten, dementsprechend emotional. Sie saßen zusammen, nahmen Abschied; von der Klinikleitung gab’s Rosen. „Die Geburtshilfe war unser Herzstück“, heißt es aus der Verwaltung. „Schweren Herzens“ habe man sich von ihr getrennt, so Andreas Schöller, der Geschäftsführer der Belegklinik, zum Aus. Alle anderen Abteilungen, also die operative Frauenheilkunde, Chirurgie und Augenheilkunde, stünden weiter zur Verfügung.
Doch was bedeutet das Aus der Anna-Klinik für werdende Mütter in Stuttgart? Auch in Zukunft sei eine „verlässliche Betreuung garantiert“, gibt Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann, der auch für die Krankenhäuser der Stadt zuständig ist, Entwarnung. 2024 kamen in Stuttgart laut Stadtverwaltung etwa 6200 Babys zur Welt. Die Schließung der Geburtshilfe in Cannstatt sei somit „rein mit Blick auf die Kapazitäten“ kein dramatischer Einschnitt. „Die leistungsstarken Krankenhäuser sorgen mit einem abgestimmten Versorgungsangebot für eine stabile Geburtshilfe in der Landeshauptstadt“, so Fuhrmann weiter.
Kreißsäle anderer Kliniken übernehmen Entbindungen
Es bestehe kein Grund zur Sorge, betont auch Mark Dominik Alscher, Medizinischer Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK). Sein Haus gehöre zu den großen Geburtskliniken in der Region. 2024 wurden dort 1172 Kinder geboren. Auf der Wochenstation stehen 22 Betten bereit, 24 Hebammen sind im Dienst sowie 25 Ärztinnen und Ärzte in der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Wir können eine erhöhte Nachfrage von werdenden Eltern, gemeinsam mit den anderen Kliniken der Stadt, sehr gut abdecken“, so Alscher weiter. Auch die neue Kooperation mit dem Klinikum Stuttgart diene „dem weiteren Ausbau der Versorgung für Neugeborene“.
2024 kamen in Stuttgart 6200 Babys zur Welt
Zudem besteht zwischen dem Klinikum und dem Marienhospital eine lang gelebte Zusammenarbeit bei der kinderärztlichen Versorgung. „Die Intensivierung der Kooperationen ist eine gute Nachricht für die Versorgungsqualität in der Metropolregion“, sagt Jan Steffen Jürgensen, der Medizinische Vorstand des Klinikums. Dort erblickten 2024 die meisten kleinen Stuttgarterinnen und Stuttgarter das Licht der Welt: Mit 3348 Geburten liegt das Klinikum auf Platz 8 der größten Entbindungskliniken in Deutschland. Die dort angesiedelte Frauenklinik hat 82 Betten und sechs Kreißsäle, in denen 70 Hebammen tätig sind. Hinzu kommen Hebammen auf den Stationen sowie 16 Ärzte mit Schwerpunkt Geburtshilfe. Das Marienhospital hatte im vergangenen Jahr „rund 1000 Geburten“, heißt es von der Pressestelle. Im Kreißsaalteam arbeiten 23 Hebammen und „in unserer Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe 26 Ärzte“.
In der St. Anna-Klinik waren die Geburten über die Jahre weniger geworden – einer der Gründe, die zum Aus führten. Die Geschichte des Hauses hatte 1931 begonnen, als unter der Leitung der Anna-Schwestern, Franziskanerinnen aus Ellwangen, an der Wildunger Straße in Cannstatt eine Frauenklinik entstand. 1969 kam der Umzug an den heutigen Standort Obere Waiblinger Straße. Künftig operieren dort immer noch 35 niedergelassene Ärzte – 16 in der Frauenheilkunde und in der allgemeinen Chirurgie, 14 in der Orthopädie sowie fünf in der Augenheilkunde am Standort Hedelfingen.