Zu lange Beine können ein Hindernis im Europa-Park darstellen – wie beim Can-Can-Coaster. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Spaß für die ganze Familie, verspricht der Europa-Park. Doch manche stehen nur rum, wie ein Vater aus Hessen, der zur kleinen Gruppe der besonders Großen gehört.
„Wenn der Vater mit dem Sohne einmal ausgeht“ – dann geht es ab. Das wusste schon Heinz Rühmann. Sascha Blanke ist Spezialist auf dem Gebiet. Auf seinem Account bei Instagram teilt er „als alleinerziehender Vater mit Leib und Seele“ seine kleinen und großen Erlebnisse, die er mit seinem elfjährigen Sohn Daimon hat. Jetzt sind die beiden wieder auf großer Fahrt gewesen. Vom Wohnort im Raum Kassel ging es zum Europa-Park in Rust. „Das war richtig cool“, erzählt Blanke hinterher in einem kurzen Reel. Doch einen Haken hatte das Ganze. Der „Sohnemann“ hatte Spaß, doch „ich bin einfach nur rumgestanden.“
Denn Blanke gehört zu der kleinen Gruppe der besonders großen Menschen. Nur 0,5 Prozent aller Deutschen sollen laut Schätzungen größer als zwei Meter sein, andere Statistiken geben sogar eine noch geringere Anzahl an. Der Notfallsanitäter aus Hessen misst exakt 2,01 Meter. „Ich konnte nichts machen, ich durfte nirgendwo rein“, berichtet Blanke von seinem Freizeitparkbesuch. Denn bei den Achterbahnen gälten nicht nur Mindestgrößen für Kinder, sondern auch nach oben seien sie beschränkt. „Das endet mal bei 1,95 Meter, mal bei 1,90 Meter“, beklagt sich Blanke.
Für viele Gruppen gibt es Ermäßigungen
Für viele Gruppen wie kleine Kinder, körperlich beeinträchtigte Menschen oder Senioren gebe es ermäßigte Eintrittspreise, sagt Blanke. „Das finde ich klasse. Respekt. Doch was ist mit Leuten wie mir?“, fragt er in dem Reel das Parkmanagement. Sein Vorschlag: Auch für besonders große Menschen sollte es einen Rabatt zu geben. „Ich habe für zwei Tage allein für mich 150 Euro bezahlt.“
Auf Anfrage bestätigt eine Sprecherin des Europa-Parks, dass es Vorgaben von Maximalgrößen gibt – allerdings nur bei ganz wenigen Fahrgeschäften: Von den Achterbahnen betreffe dies ausschließlich Euro-Mir und den Can-Can-Coaster mit einer Obergrenze von 1,95 Meter. „Diese Vorgaben dienen der Sicherheit der Fahrgäste und wurden durch den TÜV Süd bestätigt.“ Ansonsten seien nur Spielplätze und spezielle Fahrgeschäfte für Kinder größenbeschränkt.
Auch andere fühlen sich benachteiligt
Allerdings räumt der Europa-Park auch ein, dass es auch andere Bahnen gibt, bei denen Größe, Beinlänge und Körperbau ein Hindernis darstellen können. Bei manchen Fahrgeschäften könne erst am Ort entschieden werden, ob eine Mitfahrt aus Sicherheitsgründen abgelehnt werden müsse, weil sich beispielsweise ein Anschnallbügel nicht schließen lasse. Dazu stünden Probesitze bereits am Eingang zur Bahn zur Verfügung.
Die Euro-Mir ist nichts für ganz Große. Foto: Europa-Park
In jedem Fall gebe es mehr als 100 andere Attraktionen und Shows, die unabhängig von der Größe von jedem besucht werden könnten. Anders als ein Rummelplatz funktioniere der Europa-Park nach dem Prinzip eines Pauschalpreises. „Daher bitten wir um Verständnis, dass sicherheitsbedingte Ausschlüsse nicht in den Eintrittspreisen berücksichtigt werden können.“
Einen gewissen Nerv hat Blanke aber mit seiner Anregung getroffen, wie sich in den vielen Kommentaren zu seinem Kurzfilm nachlesen lässt. „Es laufen viele rum, die nichts fahren können, aber dem Rest der Familie den Spaß nicht nehmen wollen“, meint eine. So sei zum Beispiel ein vergünstigter Eintritt für Schwangere sinnvoll. Eine andere wünscht sich ein Begleiterticket. „Ich fahre nirgends mit, einfach weil ich Angst habe. Dafür bin ich dann diejenige, die draußen steht und auf die Sachen aufpasst, muss aber trotzdem den vollen Preis bezahlen. Da sollte man mal über eine Lösung nachdenken.“