Sie war eine berühmte Gold- und Silberschmiedin, bis die Nazis erst ihre Existenz zerstörten und ihr dann das Leben nahmen: Paula Straus. SPD und Volt wollen ihr einen Platz widmen.
Der Stöckach-Platz im Stuttgarter Osten soll nach dem Willen von SPD und Volt einen neuen Namen bekommen: Paula-Straus-Platz, benannt nach der 1943 in Auschwitz ermordeten berühmten Stuttgarter Gold- und Silberschmiedin. Damit würde der künftige zentrale Aufenthaltsort in dem von der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) neugestalteten Stöckach-Quartier auch „ein Ort der Erinnerungskultur“.
Die Fraktionsgemeinschaft hat den Vorschlag auch bereits in einen Antrag gegossen. Zur Begründung erklären die unterzeichnenden SPD-Stadträtinnen Lucia Schanbacher, Sara Dahme und Jasmin Meergans: Erinnerungskultur solle Teil des Alltags sein und Menschen anregen, sich mit den Biografien derjenigen auseinanderzusetzen, an die erinnert werde – in diesem Fall mit dem Leben von Paula Straus, der ersten Industriedesignerin Deutschlands, die es als Silber- und Goldschmiedin zu internationalem Ruhm brachte.
Ihr Versuch, zu emigrieren, scheiterte
Straus, die jüdischer Abstammung war, wurde am 31. Januar 1894 in Stuttgart geboren und an der Staatlichen Höheren Kunstgewerbe- und Fachschule für Edelmetallindustrie in Schwäbisch Gmünd in Goldschmiedekunst ausgebildet. 1921 wurde sie Goldschmiedemeisterin – damals eine der wenigen Frauen in diesem Metier. 1925 ging sie nach Heilbronn und arbeitete für die Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Söhne. Daneben hatte sie eine eigene Werkstatt in Gundelfingen. Bekannt wurde Straus durch ihre avantgardistische Entwürfe für Tafelgerät und Silberservice. 1929 erhielt sie bei der Weltausstellung in Barcelona die Auszeichnung „Grand Prix“. 1933 schied sie bei Bruckmann & Söhne aus. Eine neue Stelle fand sie kurzzeitig bei der Württembergischen Metallwarenfabrik in Geislingen, ehe die antijüdischen Repressalien einsetzten.
Ihre Möglichkeiten als freischaffende Künstlerin wurden in der Folge immer stärker beschränkt. Ein Haus in der Gablenberger Hauptstraße 173, das ihr als Wohnatelier diente, musste sie weiter unter Wert verkaufen. Während es ihrer Schwester Lilli gelang, in die USA auszureisen, scheiterte ihr Versuch, Deutschland in Richtung Niederlande zu verlassen. Es folgten Arbeitsverbot und die zwangsweise Einweisung in ein sogenanntes Judenhaus in der Werfmershalde – gemeinsam mit ihrer Mutter Klara. Weitere Zwangsstationen waren das jüdische Altersheim in Herrlingen und ein Heim in Haigerloch.
Am 22. August 1942 wurden Paula Straus und ihre Mutter Klara vom „Judensammellager“ auf dem Killesberg nach Theresienstadt deportiert. Am 29. Januar 1943 kam sie nach Auschwitz, wo sie wenige Tage später, am 10. Februar. ermordet wurde. Ihre Mutter starb am 10. November in Theresienstadt. In der Gablenberger Hauptstraße 173 erinnern Stolpersteine an Mutter und Tochter. Die Stolperstein-Initiative Ost, auf die die Verlegung zurückging, würdigt Paula Straus als Künstlerin, „deren funktionale Formsprache manches vorwegnahm, was das Weimarer Bauhaus später weltbekannt werden ließ“.
Das Badische Landesmuseum erinnerte 2011 mit der Ausstellung „Frauensilber“ an Paula Straus und andere Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. 2023 widmete ihr das Stadtpalais eine Ausstellung. Ihr Nachlass ist im Jüdischen Museum Berlin aufbewahrt.
Werner Schmitt, Koordinator der Stuttgarter Solperstein-Initiativen, befürwortet den Vorschlag für die Platzbenennung ausdrücklich: „In Stuttgart fehlt es im öffentlichen Raum noch immer an Hinweisen auf Personen, die für die Stadt wichtig waren.“ Dazu zähle zweifellos auch Paula Straus.
Aktuelle Ausstellung in Berlin
An Paula Straus wird aktuell auch in einer Ausstellung in Berlin erinnert unter dem Titel: Widerstände – Jüdische Designerinnen der Moderne. Sie ist noch bis 23. November in der Lindenstraße 9–14 zu sehen. Weitere Infos unter:
https://www.jmberlin.de/ausstellung-widerstaende-juedische-designerinnen-der-moderne