Es ist der Albtraum eines Autokäufers: Das Fahrzeug wird bezahlt, die Papiere sind aber noch nicht ausgehändigt und wenige Tage später ist das Autohaus insolvent. So geschehen in Salach. Am 26. November hat das Amtsgericht Göppingen bekannt gegeben, dass das Autohaus Enes Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt hat. Wer dort anruft, hört nur die Ansage: „Die gewählte Rufnummer ist zurzeit nicht erreichbar.“ Käufer sind verzweifelt. Und es gibt eine erste Strafanzeige, die Polizei ermittelt.
Im Netz finden sich die Geschichten einiger Kunden, die sich jetzt geprellt fühlen. Wie in einer lokalen Facebook-Gruppe. Hier schreibt ein Nutzer: „Suche Mitbetroffene, die ebenfalls in letzter Zeit beim Autohaus Enes in Salach ein Auto gekauft, aber noch keinen Fahrzeugbrief erhalten haben.“ Und warum hat er vorab bezahlt? „Das Autohaus gibt es schon eine Weile, wir haben uns blenden lassen und vertraut. Man sagte uns, der Brief liegt bei der Bank und wird in den kommenden zehn Werktagen zugestellt. So vermerkt auf dem Kaufvertrag.“
Angeblich mehr als 10 000 „glückliche Kunden“
Laut dem Wirtschafts-Informationsdienst North Data wurde das Autohaus Enes 2018 ins Handelsregister eingetragen und wies im Geschäftsjahr 2022 eine Bilanzsumme von knapp sieben Millionen Euro aus, der Umsatz wurde demnach auf 24 Millionen Euro geschätzt. Laut der Enes-Homepage gebe es mehr als 10 000 „glückliche Kunden“. Einige Kunden, die alles andere als glücklich sind, haben bei Google in jüngster Zeit Rezensionen über den Händler verfasst. So schreibt ein Mann: „Das Auto wurde vor Ort komplett bar bezahlt, einen Kaufvertrag haben wir normal erhalten. Auto ist noch immer im Besitz vom Autohaus! Wir erreichen leider niemanden.“ Er berichtet, er sei zuvor noch vertröstet worden, dass es einen Trauerfall gebe und die Autoübergabe deshalb verschoben werden müsse.
Eine andere Entschuldigung wurde einem Kunden mitgeteilt, der sich an die Lokalzeitung gewandt hat. „Leider befinde ich mich derzeit aus gesundheitlichen Gründen in der Klinik“, schrieb ihm der Geschäftsführer per E-Mail. 16 000 Euro hatte der Mann für einen gebrauchten Audi A4 bezahlt und diesen samt Fahrzeugschein auch abgeholt – aber den Fahrzeugbrief, der ihn als Eigentümer ausweist, hat er nie erhalten. Der Mann hat Strafanzeige erstattet. In einer weiteren E-Mail war ihm noch mitgeteilt worden, „bedauerlicherweise“ seien die Fahrzeugdokumente „bei der Bank als Sicherheit hinterlegt“. Eine weitere Kundin hat das Unternehmen bei Google vor einer Woche so bewertet: „Finger weg von diesem Autohaus. Betrugsverdacht! Keine Fahrzeugpapiere zum gekauften Fahrzeug ausgeliefert, mit Hinhaltetaktik.“ Bernd Kurz, Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, teilt auf Anfrage mit: „Die Polizei ermittelt derzeit im Rahmen eines Betrugsverfahrens bei einem Salacher Autohaus“, Details zu den Ermittlungen könne er momentan jedoch nicht nennen, der Fall liege bereits bei der Staatsanwaltschaft.
Insolvenzverwalter muss sich erst einarbeiten
Als vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Göppingen Michael Wahl von der Ulmer Kanzlei Pluta eingesetzt. Der Sprecher der Kanzlei berichtet, Grund für den Insolvenzantrag des Autohauses seien Liquiditätsschwierigkeiten, das Unternehmen beschäftige insgesamt 18 Mitarbeiter. Der Insolvenzverwalter Wahl verschaffe sich derzeit einen Überblick über die wirtschaftliche Lage. Zudem prüfe er mögliche Optionen der Betriebsfortführung. Wahl selbst erklärt: „Das Verfahren ist rechtlich komplex, da wir mehrere Sachverhalte und verfahrensspezifische Themen analysieren müssen. Es wird daher einige Tage dauern, bevor ich weitere Informationen zum Verfahren bekannt geben kann.“ Wahl kann sich jedoch zu den strafrechtlichen Ermittlungen gegen das Unternehmen nicht äußern.
Erst Auto und Papiere, dann Geld
Warnung
Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wundert sich über das Vorgehen: „Ich kenne es so, dass ich das Auto und die Papiere bekomme und dann bezahle.“ Er warnt dringend davor, einfach Geld ins Blaue hinein zu überweisen.
Sperrkonto
Kunden sollten Geld nur auf ein Sperrkonto, das ähnlich wie ein Kautionskonto funktioniert, einzahlen, wenn sie Fahrzeug und Papiere nicht sofort bekommen. Dann bekomme der Händler sein Geld erst nach Übergabe.
Reihenfolge
Wenn das Autohaus insolvent geht, ist das Geld nämlich – zumindest weitgehend – weg. Zuerst werden der Insolvenzverwalter, Banken, Sozialversicherungsträger und das Finanzamt bedient, erst dann kommen die anderen Gläubiger an die Reihe.