Der Verkauf und Abriss einer historischen Villa des Architekten Paul Schmitthenner in Stuttgart-Nord hat ein spätes Nachspiel. Fünf Jahre danach beschäftigt die Lagerung von möglicherweise problematischem Abbruchmaterial aus dem Gebäude Justiz und Behörden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen den Geschäftsführer einer Immobilieninvestmentfirma aus dem Großraum Stuttgart wegen des Verdachts des unerlaubten Umgangs mit Abfällen, wie eine Sprecherin bestätigte. Die Vorwürfe seien durch die Strafanzeige einer Privatperson bekannt geworden, mehr könne man wegen des laufenden Verfahrens derzeit nicht sagen.
In diesem Zusammenhang kam es auch zu einer Durchsuchung auf dem Gelände in Backnang, wo Bauabfälle aus der Villa seit dem umstrittenen, aber legalen Abbruch lagern. Dies bestätigte eine Sprecherin des Landratsamtes des Rems-Murr-Kreises, dessen Amt für Umweltschutz in die Untersuchungen eingebunden ist. Vom Polizeipräsidium Aalen sei man über eine anonym eingegangene Meldung informiert worden, in der von „Schlacke (mit Asbest oder Schwermetallen belastet)“ die Rede war; zudem habe die Meldung konkrete Angaben zur Herkunft des Materials, zum Lagerort und zu möglichen Verantwortlichen enthalten.
Schlacke lagert ungeschützt im Freien
Bei einer Überprüfung seien tatsächlich „große Mengen Schlacke“ gefunden worden, so die Sprecherin. Es handele sich um 35 große Säcke – sogenannte big packs –, die „ungeschützt im Freien“ lagerten. Die Säcke „wiesen bereits Risse auf und waren porös“, fügte sie hinzu. Derzeit gehe man davon aus, dass für Boden und Grundwasser „keine akute Gefährdung“ bestehe. Es seien Proben für eine Schadstoffanalyse entnommen worden, deren Ergebnisse noch ausstünden. Sollte die Analyse anderes ergeben, werde man im Lagerbereich zusätzlich den Boden untersuchen und weitere Maßnahmen treffen.
Der Grundstückseigentümer wurde laut Landratsamt über die Durchsuchung Anfang Oktober informiert und aufgefordert, die abgelagerten Materialien „ordnungsgemäß zu entsorgen“; bis Ende Oktober sei ein entsprechender Nachweis vorzulegen. Nach Ablauf der Frist sei noch nichts geschehen, so die Sprecherin; nun werde das Landratsamt die Entsorgung „förmlich und gebührenpflichtig durchsetzen“.
Unternehmer: Entsorgung inzwischen beauftragt
Der Immobilienunternehmer, der nicht namentlich genannt werden will, sagte unserer Zeitung, er habe inzwischen eine Entsorgungsfirma beauftragt; diese müsse aber noch die Ergebnisse der Materialuntersuchung abwarten. Sollte die Schlacke aus der Villa und anderen Abbruchgebäuden tatsächlich belastet sein, habe er sie nicht bösgläubig, sondern „unwissentlich“ gelagert. Der Aufforderung der Behörden werde er nachkommen: „Klar, das muss weg.“
Die Villa in der Eduard-Pfeiffer-Straße unweit des Kriegsbergturms war 1936 von dem Architekten Schmitthenner entworfen worden. Sie wurde von dem Erwerber im Herbst 2019 abgerissen, kurz bevor über eine Einstufung als Denkmal entschieden werden sollte. Eine weitere, ähnliche Schmitthenner-Villa ganz in der Nähe wurde Ende 2021 ebenfalls abgerissen. Mehrere Architektur-Fachleute hatten sich für den Erhalt des nicht denkmalgeschützten Gebäudes eingesetzt – am Ende vergeblich.