Erneuerbare Energien Wo im Kreis Böblingen Windparks geplant sind

Noch dreht sich im Kreis Böblingen kein Windrad. Das könnte sich ändern. Foto: IMAGO/imagebroker

Die Vorranggebiete für Windkraft sind festgelegt. Und mehrere Windparkprojekte stehen schon in den Startlöchern. Ein Überblick.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Insgesamt 25 Gebiete kommen im Kreis Böblingen grundsätzlich für den Bau von Windrädern in Frage. Das hat die Regionalversammlung der Region Stuttgart vergangenen Mittwoch entschieden. Bislang dreht sich im Kreis noch kein einziges Windrad. Lediglich bei Jettingen, streng genommen aber schon auf Gemarkung des Kreises Calw, steht eine kleine Anlage.

 

In den kommenden Jahren könnte sich die Zahl der Windräder von Null auf „zehn plus x“ – wie von Landrat Roland Bernhard gefordert – erhöhen. Denn inzwischen gibt es – Stand Dezember 2025 – an neun Standorten im Kreis Planungen für Windparks, manche schon mehr, manche noch weniger konkret.

Am weitesten fortgeschritten sind die Pläne bei Jettingen, Sindelfingen/Magstadt und Rutesheim-Perouse. Für diese drei Standorte haben die jeweiligen Projektierer bereits im Sommer einen Genehmigungsantrag beim Landratsamt gestellt. Endgültig entschieden ist aber noch nichts.

Ein Überblick von Süden nach Norden

BB-07 Jettingen

Nahe des Jettinger Umspannwerks planen die Stadtwerke Stuttgart (SWS) auf dem Vorranggebiet BB-07 fünf Windräder. Der Windpark könnte laut SWS rund 33 000 Durchschnittshaushalte versorgen. Die Fläche gehört ForstBW. Den Genehmigungsantrag für den Windpark haben die SWS im Juni eingereicht.

BB-07 Herrenberg

Direkt neben dem Jettinger Windpark könnten im Herrenberger Spitalwald auf kommunaler Fläche bis zu sieben Windräder mit jeweils einer Höhe von 285 Metern gebaut werden. Die Anlagen könnten laut Stadt Herrenberg etwa 40 000 Haushalte im Jahr mit grünem Strom versorgen. Im Sommer sprach sich eine Mehrheit der Bürger bei einem Bürgerentscheid dafür aus, die Fläche an einen Windparkbetreiber zu verpachten. Als Projektierer hat der Gemeinderat die Energiegenossenschaft Prokon aus Schleswig-Holstein gewählt. Voraussichtlich Anfang 2026 entscheidet der Gemeinderat, ob er die Fläche an Prokon verpachtet.

BB-19 Sindelfingen-Darmsheim

Auf privaten Flächen im deutlich verkleinerten Vorranggebiet BB-19 nördlich von Sindelfingen-Darmsheim will Unternehmer Christian Schäfer zwei Windräder bauen. Der Geschäftsführer der Sindelfinger Naturstein GmbH hat erste Gutachten eingeholt und zu den Eigentümern der Flächen Kontakt aufgenommen. Allerdings sah es zwischenzeitlich so aus, als würde das Vorranggebiet komplett aus dem Regionalplan gestrichen. Seither sind die Pläne ins Stocken geraten.

BB-22/BB-24 Sindelfingen/Magstadt

Geplant sind insgesamt fünf Windräder mit je einer Gesamthöhe von 262 Metern auf kommunalen Flächen (drei auf Sindelfinger, zwei auf Magstadter Gemarkung). Der Windpark „Sindelfinger Wald“ mit den Sindelfinger Stadtwerken als Projektierer soll nördlich der ehemaligen Mülldeponie Dachsklinge entstehen und Teil der neuen Energiedrehscheibe Nord auf der Dachsklinge werden. Der Park könnte laut Stadtwerken circa 17 500 Haushalte mit Strom versorgen. Die beiden Kommunen, Sindelfingen und Magstadt, haben den Pachtvertrag mit den Stadtwerken bereits geschlossen, der Genehmigungsantrag wurde – als erster im Kreis – im Juni eingereicht. Als mögliches und frühestes Datum der Inbetriebnahme geben die Stadtwerke Ende des Jahres 2028 an.

BB-02 Weil der Stadt

Bei einem Bürgerentscheid am 9. Juni 2024 stimmten 60 Prozent für Windkraft auf kommunalen Flächen. Inzwischen ist nördlich von Weil der Stadt ein Windpark mit fünf Windrädern geplant. Die Stadt will die Fläche an den hessischen Projektierer iTerra verpachten. Aktuell laufen die Vertragsverhandlungen.

BB-27 Weil der Stadt

In dem Gebiet westlich von Weil der Stadt sind drei Windräder geplant. Die kommunale Fläche soll an die Bürgerenergiegenossenschaft Heckengäu verpachtet werden. Die Energiegenossenschaft befindet sich derzeit in Gründung.

BB-29 Renningen

Mitte Oktober hat der Renninger Gemeinderat den Bau eines Windparks nordwestlich der Stadt beschlossen. Auf der kommunalen Fläche südlich der A 8 könnten bis zu sechs Windräder stehen. Projektierer sind das Unternehmen Abo Energy und die Stadtwerke Tübingen. Die Windräder wären laut Projektierer in der Lage, 26 500 Haushalte mit Strom zu versorgen und dementsprechend circa 67 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einzusparen.

BB-32 Rutesheim-Perouse

Bei Rutesheim-Perouse ist links und rechts der A 8 ein Windpark mit drei Windrädern geplant. Der hessische Projektierer iTerra hat im Juni den Genehmigungsantrag eingereicht.

BB-32 Weissach

Die Gemeinde Weissach hat zusammen mit Heimsheim (Enzkreis) diesen Herbst Projektierer für einen Windpark gesucht. Eingegangen sind laut Weissachs Bürgermeister Jens Millow acht Bewerbungen. Die Bietergespräche sind demnach bereits abgeschlossen. In einer der nächsten Gemeinderatssitzungen sollen die Räte über einen Projektierer abstimmen. Die privaten und kommunalen Fläche für den Windpark befindet sich westlich von Weissach, geplant sind maximal vier Windräder.

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