Erst Post-Vac, dann Post-Covid 24 Stunden am Tag Schmerzen

Wie viele Stunden Jane Brosch damit verbracht hat, ihre Gesundheitsgeschichte zu dokumentieren, kann sie nicht mehr zählen. Foto: Jürgen Bach

Jane Brosch aus Friolzheim leidet an Post-Covid und den Folgen einer Corona-Impfung. Der Weg zu einer angemessenen Behandlung ist mehr als steinig.

Jeden Tag unter starken Schmerzen zu leiden, ist etwas, das sich viele Menschen nicht einmal vorstellen können. Wie viel schlimmer es noch ist, wenn man sich mit diesem Schmerz allein gelassen und von Ärzten nicht ernstgenommen fühlt, hat Jane Brosch aus Friolzheim am eigenen Leib erfahren. Sie gehört zu den Menschen, die durch eine Corona-Impfung bleibende Schäden (Post-Vac) erlitten haben. Nach einer tatsächlichen Covid-Erkrankung verschlimmerten sich die Symptome sogar noch. Aus Post-Vac wurde Post-Covid.

 

Der Ärztemarathon, den sie seither hinter sich hat, ist begleitet von einem steten Ringen um ein Anerkennen ihrer Symptome und eine angemessene Behandlung. Es beginnt alles im Mai des Jahres 2021. Die 48-Jährige, die in der Software-Entwicklung arbeitet und für die Wählerinitiative B.U.N.T. im Friolzheimer Gemeinderat sitzt, erhält ihre erste Corona-Impfung. Fünf Tage später klagt sie über starke Rückenschmerzen, die erst nach ein paar Wochen allmählich nachlassen. Auf Empfehlung ihrer Ärztin – und um schwer kranke Familienmitglieder zu schützen – entscheidet sie sich trotz Vorbehalte für die zweite Impfung. Es ist der Anfang einer über Monate andauernden Tortur, die erst durch ihre spätere Covid-Erkrankung übertroffen wird, unter deren Folgen sie bis heute leidet.

„Die Schmerzen waren immer da“

„Nach der Impfung bekam ich krampfartige Schmerzen in Armen und Beinen“, erzählt Jane Brosch. „Und das 24 Stunden am Tag. Sie waren da, wenn ich eingeschlafen bin, und sie waren da, wenn ich aufgewacht bin.“ Als wäre das nicht genug, beklagt sie den Umgang mit ihr: „Ich hatte vom ersten Moment an immer das Gefühl, man wird nicht wirklich ernstgenommen von den Ärzten. Oder man wollte mir einreden, ich hätte das schon vorher gehabt.“

Insgesamt sei sie vom Umgang vieler Mediziner mit ihr und ihrer Situation schwer enttäuscht – angefangen damit, dass sie ihren Verdacht auf einen Impfschaden selbst an offizielle Stellen habe melden müssen. Kein Arzt habe ihr je dazu geraten oder gar selbst die Initiative dazu übernommen. Gleiches gilt für den Hinweis auf eine mögliche staatliche Entschädigung bei Impfschäden, von der sie erst durch unsere Zeitung erfährt. Ihre Ärztin verschreibt ihr zunächst verschiedene Schmerzmittel, die bei ihr alle wirkungslos bleiben. Jane Brosch geht in die Neurologie, in die Rheumatologie. Immer kann man nur feststellen, was es nicht ist. Versuchsweise Behandlungen wie eine Cortisontherapie schlagen fehl oder verschlimmern die Situation sogar noch.

Nach der Corona-Infektion verschlimmern sich die Symptome

Weitere Corona-Impfungen sind für Jane Brosch seither verständlicherweise tabu. Prompt steckt sie sich im vergangenen Oktober mit Covid an. Der Verlauf der Krankheit ist milde – aber dabei bleibt es nicht. „Danach haben sich meine Schmerzen noch mal verdoppelt.“ Beschwerden, die sich bis hierhin phasenweise abgeschwächt hatten, sind plötzlich wieder da, „aber in einem absolut unerträglichen Maß“.

Ihr Privatleben leidet zusehends: Arbeit, Familie, Hobbys. „Ich bin immer so gerne Rad gefahren, aber das wurde immer schwieriger – wegen der Muskelbelastung und der Schmerzen.“ Zwar kann sie die meiste Zeit arbeiten, aber nur mit großen Erholungsphasen. Ihr Arbeitgeber habe ihr zum Glück durchgängiges Homeoffice ermöglicht. „Anders wäre es nicht gegangen.“ Auch aus der Familie, von ihrem Mann und ihrer Tochter, erhält sie viel Unterstützung, erzählt sie, und ist dafür sehr dankbar. „Zwischenzeitlich habe ich darüber nachgedacht, ob ich meinen Sitz im Gemeinderat abgebe oder mich sogar dauerhaft krankschreiben lasse.“

Plötzlich stehen neue Türen offen

Ironischerweise bringt die Corona-Infektion, trotz der furchtbaren Schmerzen, auch den ersten Lichtblick: „Weil ich danach nicht mehr als Post-Vac-, sondern als Post-Covid-Patientin eingestuft wurde, hatte ich erstmals das Gefühl, dass mir gewisse Türen offenstehen.“ Plötzlich bekommt sie das starke Schmerzmittel Tilidin verschrieben, das tatsächlich hilft. „Und da musste ich mich schon fragen: Warum habe ich die nicht vorher schon bekommen?“

Im Schmerzzentrum Tübingen, das einen alternativ-medizinischen Ansatz verfolgt, beginnt sie mit einer Schmerztherapie. Sie wird von der Krankenkasse nicht anerkannt, Jane Brosch muss sie selbst bezahlen. „Aber mir hat es sehr viel geholfen. Die Schmerzen sind zwar nicht verschwunden, aber der Schmerzlevel ist jetzt viel geringer.“ Selbst das Tilidin, das sie als Opioid immer sehr mitgenommen hatte, konnte sie mittlerweile absetzen.

„Zum ersten Mal, seit das alles angefangen hat, bin ich zumindest in die Nähe eines Zustands gekommen, wie ich ihn mir wünsche“, sagt Jane Brosch, schränkt aber direkt ein: „Auch wenn ich noch längst nicht da bin.“ Ihre Hoffnung setzt sie auf eine bessere Forschung, damit statt der Symptome auch die Ursache bekämpft werden kann. Letztlich möchte sie aber vor allem anderen Betroffenen Mut machen, dranzubleiben und auch hartnäckig zu sein, auch wenn man sich von Ärzten unverstanden fühlt. „Dazu ist große Ausdauer notwendig, weil so wenig darüber bekannt ist und viele der derzeitigen Methoden nicht greifen – aber es lohnt sich“, sagt sie aus eigener Erfahrung.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Corona Impfschaden Friolzheim