Philipp Meister (li.) und Miriam Hanemann (re.) trainieren die Torfrauen beim VfB Stuttgart: Pia Hein, Eve Boettcher, Kiara Beck (2.v.li – 2.v.re.). Foto: privat
Philipp Meister trainiert nach dem Karriereende beim SV Leonberg/Eltingen die Torfrauen beim frisch gekürten Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart. Über eine frühe Vision und große Pläne.
Seine ersten Schritte machte Meister in der Fußballschule des VfB. Erst hospitieren, dann immer mehr eigene Einheiten leiten, was die Leidenschaft weckte. „Den Fortschritt der Kids zu sehen hat mir unfassbar viel gegeben“, schwärmt er. 2019 entschloss er sich dann, den Trainerweg zu forcieren.
Der Torwarttrainer des VfB-Stuttgart ist gut ausgebildet
Meister begann ein Studium für Sport und angewandte Trainingswissenschaften, nach vier Semestern wechselte er zum Studiengang Training und Coaching im Fußball. Seit seinem Bachelor-Abschluss Anfang 2026 ist Philipp Meister studierter Fußballtrainer, zudem Inhaber der UEFA-B-Lizenz, die Bewerbung für die Torwart-B-Lizenz ist eingereicht. „Ich möchte nah am Spiel sein, weil ich Fußball liebe, gern schaue und analysiere und den Spielern helfe“, erzählt er.
Mittlerweile hechtet Meister, hier im Dress des SV Leonberg/Eltingen dem Ball nicht mehr selbst nach. Foto: Andreas Gorr
Erfahrung als Cheftrainer sammelte er in der Damen-Oberliga beim FV Niefern, aktuell sieht er sich aber in der Rolle des Torwarttrainers. Zudem ist er für die VfB-Frauen als Analyst tätig. Als Torwarttrainer ist der Austausch mit den Spielerinnen intensiver im Vergleich zum Cheftrainer, findet Meister. „Als Cheftrainer ist das Personalmanagement wichtiger als die fachliche Komponente“, meint er, Entlassungen im Profifußball seien meist eher auf ersteres zurückzuführen. Durch die kleinere Trainingsgruppe, Meister betreut beim VfB ein dreiköpfiges Team, könne er deutlich mehr in die Detailarbeit eintauchen, was er besonders schätzt.
„Ich habe nach einem halben Jahr in der Fußballschule gesagt, dass ich das Gefühl habe, Torwarttrainer der VfB-Frauen zu werden, das war mein großes Ziel“, blickt Meister zurück. Damals wurde er belächelt, eine Frauenmannschaft gab es zu dem Zeitpunkt nicht, die wurde 2021 gegründet. Philipp Meister hatte eine Vision: „Für mich war klar, dass dieser Schritt kommt. Ein Verein mit dieser Historie würde das nicht machen, um mitzuschwimmen, sondern um Strukturen für Höheres zu schaffen.“
Meister im VfB-Dress auf dem Trainingsplatz. Foto: privat
Als die Gründung vollzogen wurde, wollte sich Meister für die Position vorstellen, sie war jedoch bereits vergeben. Ein Jahr später wurde Meister angefragt, stand jedoch beim FV Niefern sowie beim Nachwuchs des SV Sandhausen im Wort. „Wenn ich zusage, stehe ich dahinter“, begründet er seine Absage. Ein weiteres Jahr später wurde der Schritt dann vollzogen und Meisters Ahnung erfüllte sich. „Wir haben einen Zeitpunkt gefunden, wo es für beide gepasst hat“, sagt er.
Philipp Meister lebt seinen Traum, die Spiele seiner Schützlinge erlebt er aber selten live, da er parallel die nächsten Gegner beobachtet. Beim Rekordspiel in der MHP-Arena im März vor knapp 32 000 Fans gegen den FSV Mainz (2:4) war er aber dabei. „Es war gigantisch“, berichtet er, „ein Meilenstein für den Frauenfußball. Man merkt, es geht voran.“ Meister ist stolz, seinen Teil zu dieser Entwicklung beizutragen. Oft werde er gefragt, warum er sich für den Frauenfußball entschieden hat. „Für mich geht es darum, etwas, worin ich Potenzial sehe, weiterzuentwickeln“, begründet er. Just in der Torwartförderung sieht er dieses Potenzial, seine Bachelorarbeit beschäftigt sich mit diesem Thema. In diesem Bereich einen Grundstock zu legen reizt ihn mehr als sich in bestehende Systeme zu begeben – seine Zukunft sieht der 25-Jährige im Frauenfußball.
Großes Lob für die VfB-Torhüterinnen Kiara Beck und Eve Boettcher
Der gebürtige Illinger hat in Kiara Beck und Eve Boettcher „zwei der talentiertesten Keeperinnen in Deutschland“ unter seinen Fittichen, besonders begeistern ihn deren Lernwilligkeit und Ehrgeiz. Beide gelten als die Zukunft des Vereins – seine ist dagegen noch offen. Er befindet sich in Gesprächen mit dem VfB, fühlt sich wohl und sagt: „Ich hätte nichts dagegen, ins achte Jahr zu gehen.“ Seine Zukunft sieht er bei „einem Verein, der Vertrauen in mich hat, an meine Idee vom Torwartspiel glaubt und den Torwartbereich aufbauen will.“
Auch wenn die aktive Karriere vorbei ist, hält sich Philipp Meister eine Hintertür offen. „Ich bin noch beim SV Leonberg/Eltingen angemeldet. Wenn Not am Mann ist, kann man mich kontaktieren. Wenn es zeitlich geht, mache ich das gerne“, lässt er den Landesligisten wissen.