Zwei Schülerinnen und ein Schüler aus Stuttgart sprechen vor ihrer ersten Landtagswahl darüber, was sie von der Politik erwarten und über welche Kanäle sie sich informieren.

Am Sonntag, 8. März, wählen die Menschen in Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Erstmals gilt dabei ein neues Wahlrecht. Auch 16- und 17-Jährige dürfen ihre Stimme abgeben. Laut dem Statistischen Bundesamt sind etwa 180 000 Minderjährige wahlberechtigt.

 

Die Parteien buhlen um die Stimmen der junge Generation und wollen diese an sich binden. Amelie, Hyder und Lucie gehen in Stuttgart zur Schule und sprechen darüber, warum es ihnen wichtig ist, zu wählen, was sie sich von der Politik wünschen und ob sie sich von dieser ernstgenommen fühlen.

Amelie wünscht sich, dass der neue Bahnhof in Stuttgart endlich fertig wird. Foto: privat

„Familien sollten mehr unterstützt werden“

Wählen zu dürfen, bedeutet für mich, dass ich über meine Zukunft entscheiden kann und ein Mitspracherecht habe. Auch wenn ich nur eine Stimme habe, glaube ich, damit etwas bewirken zu können.

Allgemein sind mir die christlichen Werte sehr wichtig. Ich wünsche mir, dass diese wieder mehr gelebt werden. Die Politik kann einen Beitrag für ein gutes Miteinander leisten, indem sie genauer hinschaut, wer welche Unterstützung nötig hat. Was brauchen die Schulen, die Kindergärten und die Seniorenheime, um ihre Arbeit gut verrichten zu können? Und Familien sollten mehr unterstützt werden, sodass alle Kinder gesund aufwachsen können. Zudem sollte die Politik die Voraussetzungen für eine gute Demokratie und Meinungsfreiheit schaffen und wahren. Das Ziel muss es sein, dass wir in Deutschland in Frieden und Sicherheit leben können. Als Christin geht es mir auch um die Bewahrung der Schöpfung, Umwelt- und Klimaschutz.

Bisher fühle ich mich als junger Mensch von der Politik nicht gesehen. Politiker versprechen oft viel und können es dann nicht halten. Das finde ich schwierig. Mich ärgert auch, wenn Politiker sagen, dass die Bevölkerung früher mehr und besser gearbeitet habe. Ich habe dann das Gefühl, dass sie der jungen Generation nichts zutrauen. Viel wertschätzender wäre es, wenn sie trotz der schlechten Wirtschaftslage dazu ermuntern würden, gemeinsam anzupacken. Die Politik sollte die Bedürfnisse von jungen Menschen ernster nehmen und ihnen Hoffnung geben.

Über Politik informiere ich mich hauptsächlich über die sozialen Medien, zum Beispiel bei Instagram. Dabei nutze ich auch die etablierten Quellen wie Tagesschau. Ich lese aber keine Zeitung und schaue keine Nachrichten im Fernsehen. Auch in meinem Umfeld nehme ich viel mit, wenn über aktuelle und politische Themen gesprochen wird.

Von der neuen Landesregierung wünsche ich mir, dass sie sich gegenüber der Wählerschaft ehrlich macht und mehr Respekt untereinander. Wenn es ständig nur um Macht geht, lenkt das von den eigentlichen Problemen ab. Und ich wünsche mir, dass der Stuttgarter Bahnhof endlich fertig wird.

Amelie, 18 Jahre, macht derzeit eine Ausbildung zur Gestaltung für visuelles Marketing und besucht die Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart

Hyder macht dieses Jahr Abitur. Foto: privat

„Die Mietpreise sind einfach absurd hoch“

Ich kann zum ersten Mal bei einer Landtagswahl wählen – bei den Kommunalwahlen und der Europawahl habe ich auch schon gewählt. Ich will mitentscheiden, in welche Richtung es geht im Land, zum Beispiel bei den Themen Bildung und Umwelt, die mir besonders wichtig sind. Auch bezahlbares Leben gehört unbedingt dazu. Die Mietpreise sind einfach absurd hoch.

Ich finde, wir Jugendlichen stehen nicht im Mittelpunkt der Politik, es wird oft an uns vorbei Politik gemacht. Ich habe das Gefühl, man nimmt unsere Bedürfnisse nicht ernst, zum Beispiel bei der Digitalisierung. An meiner Schule sieht es da gut aus, aber ich bin auch an anderen Schulen für die Leistungskurse. An einer Schule ist die Digitalisierung wirklich katastrophal.

Über Politik informiere ich mich vor allem online über Social Media, aber weil ich in einem Kiosk arbeite, bekomme ich auch mit, was in der Zeitung steht. Ich habe bei Instagram Tagesschau und ZDF abonniert und auch die Stuttgarter Zeitung. Tiktok nutze ich auch, aber darüber informiere ich mich eher nicht, das ist nicht so seriös.

Ich würde mir wünschen, dass die Politik mehr daran denkt, was langfristig sinnvoll ist – für Jugendliche, aber auch die ältere Generation. Außerdem sollte Politik verständlicher kommuniziert werden und Jugendliche stärker einbeziehen. Noch schwanke ich zwischen zwei Parteien, aber bis Sonntag werde ich mich entschieden haben. Dann schnappe ich frische Luft und gehe ins Wahllokal.

Hyder, 19 Jahre, besucht die Kursstufe 2 der Schickhardt-Gemeinschaftsschule.

Lucie ist im Jugendrat aktiv. Foto: privat

„Ich will, dass ich eine schöne Welt habe, die nicht kaputt geht“

Ich finde es cool, mit 16 Jahren wählen zu dürfen. Ich habe die Möglichkeit, mitzuentscheiden, wie es weitergeht, was in der Politik in Baden-Württemberg passiert, das finde ich toll. Ich habe sogar schon gewählt, weil ich Sonntag gar nicht da bin. Ich habe die Partei genommen, die bei mir beim Wahl-O-Mat herauskam.

Ich finde die Mietpreisbremse wirklich wichtig. Ich muss irgendwann eine Wohnung suchen, wenn ich studiere, ich weiß nicht, wie viel Geld ich dann habe. Die Umwelt ist mir auch sehr wichtig. Ich bin 16, ich werde noch eine Weile leben. Ich will, dass ich eine schöne Welt habe, die nicht kaputt geht. Gedenkstättenbesuche sollten zudem weiter gefördert werden. Was im Nationalsozialismus passiert ist, darf nicht wieder passieren. Das sollte eine Partei, die mich überzeugen will, auch sagen.

Richtig schade finde ich, dass ich keinen Kulturpass mehr bekommen habe. Da hatte man viele Möglichkeiten, konnte ins Museum gehen und ins Kino. Das ist für Jugendliche wichtig, einen offenen Zugang zu den Museen zu haben.

Wie ich mich informiere? Im Unterricht haben wir über die Landtagswahl gesprochen und eben auch den Wahl-O-Mat gemacht. Ich engagiere mich zudem im Jugendrat West. Wir haben ein Demokratiefest veranstaltet, da sind wir auch mit Politikern ins Gespräch gekommen. Ich nutze zwar Social Media, vor allem Instagram, aber politische Inhalte kommen bei mir nicht so oft. Ich wünsche mir von der Politik, dass sie auf die Bedürfnisse aller Menschen achtet und niemanden vernachlässigt.

Lucie, 16 Jahre, besucht die zehnte Klasse der Schickhardt-Gemeinschaftsschule.