Es bleibt knifflig Böblingen veröffentlicht Baustellenübersicht für 2026

Großbaustelle rund um den Neubau der Flugfeldklinik: Die Calwer Straße ist voraussichtlich bis Sommer 2027 gesperrt. Foto: Langner

Böblingen veröffentlicht die Baustellenübersicht für 2026. Größter Störfaktor dürfte der A 81-Ausbau bleiben. Wegen der Haushaltsnot sind manche Projekte auf Eis gelegt.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Üble Beschimpfungen, Spott und zornesrote Emojis: Wenn die Böblinger Stadtverwaltung auf ihrer Facebook-Seite über eine Baustelle und damit verbundene Umleitungen informiert, lassen solche Reaktionen meist nicht lange auf sich warten. In diesem Jahr wird das wohl nicht anders sein, denn obwohl die klamme Haushaltslage manches Projekt verzögert, sind für 2026 dennoch jede Menge Baumaßnahmen im Stadtgebiet geplant.

 

Um die Bevölkerung möglichst frühzeitig über bevorstehende Sperrungen und Umleitungen sowie auch über bereits abgeschlossene Baumaßnahmen zu informieren, veröffentlicht die Stadt jedes Jahr einen Flyer mit Baustelleninformationen. Die neueste Auflage ist ab diesem Freitag in gedruckter Form im Amtsblatt und als Download auf der städtischen Homepage verfügbar.

Elf von 19 Maßnahmen haben mit Versorgungsträgern zu tun

Bei der Vorstellung des Flyers im Rahmen einer Pressekonferenz wird eines schnell klar: Die überwiegende Zahl der dort aufgelisteten 19 Maßnahmen geht nicht von der Stadt aus. Mehr als die Hälfte haben mit Versorgungsunternehmen zu tun, darunter Kanal-, Trinkwasser- und Gasleitungsarbeiten ab der zweiten Jahreshälfte im Maurener Weg und ab März in der Stuttgarter Straße sowie der schrittweise Glasfaserausbau in der Diezenhalde und im Grund.

Zwei Großprojekte stehen im Zusammenhang mit dem Ausbau der A 81: Zum einen die provisorische Verkehrsführung der Wolfgang-Brumme-Allee über die Autobahn, zum anderen steht demnächst der Ausbau des dortigen Knotenpunkts an.

Für eine – wenn auch unerwünschte – Entspannung bei den Baustellen sorgt Böblingens Finanznot. Mangels Haushaltsmitteln liegen deshalb für dieses Jahr geplante Maßnahmen wie etwa in der Vaihinger Straße oder in der Stadtgrabenstraße für unbestimmte Zeit auf Eis. Dasselbe gilt laut Tiefbau- und Grünflächenamtsleiter Pablo Burkhardt für Arbeiten, die man zur Nutzung von Synergieeffekten mit anderen kombinieren würde – also etwa eine Fahrbahnsanierung, wo ohnehin schon Tiefbauarbeiten laufen.

Blick von Böblingen in Richtung Sindelfingen. Foto: Stefanie Schlecht

„Bei vielen Baustellen ist die Stadt fremdbestimmt“, sagt Pablo Burkhardt. „Man muss einfach sehen, was da im Hintergrund für ein enormer Koordinierungsaufwand läuft“, sagt Bürger- und Ordnungsamtsleiterin Gisa Gaietto. Ihr Amt müsse eine „Unmenge an Anfragen“ abarbeiten, beispielsweise für Hausanschlüsse oder Wasserleitungen.

Vieles sei dabei nicht planbar, weil im Jahresverlauf immer wieder auch kurzfristige Anfragen auflaufen würden, zum Beispiel beim Glasfaserausbau. Infolgedessen werde es immer irgendwelche Maßnahmen geben, die nicht in dem Baustellenflyer stehen – schlichtweg, weil man bei der Verwaltung davon im Voraus ja nichts wissen könne.

Wenn es sich nicht gerade um einen Notfall wie etwa ein Gasleck handele, versuche man beim Ordnungsamt durchaus einen möglichst verträglichen Zeitrahmen auszuhandeln, sagt Gisa Gaietto. „Aber wer einen Anschluss will, hat einen Anspruch darauf“, macht Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger deutlich, dass die Stadt in solchen Fällen eine Baustelle nicht verhindern kann.

Das gilt auch dann, wenn auf eine bereits schwierige Verkehrssituation noch eine weitere Umleitung hinzukommt – so wie zuletzt auf der Hulb, wo wegen Fernwärmearbeiten ein Abschnitt der Hanns-Klemm-Straße gesperrt werden musste. Von Mitte Januar an sorgte diese Sperrung über Wochen für lange Staus – sehr zum Ärger vieler Berufspendler.

Verkehrsplanung in Böblingen bleibt knifflig

Allerdings stand die Stadt an dieser Stelle unter Zugzwang, weil man sonst mit der Sperrung der Calwer Straße in die Quere gekommen wäre, die wiederum in engem Zusammenhang mit dem A 81-Ausbau steht. Kurz gesagt: Verkehrsplanung in Böblingen ist knifflig – und die Stadt trägt notgedrungen dazu bei, dass dies auch 2026 so bleibt.

Der Umbau der Calwer Straße rund um das Flugfeldklinikum ist dafür ein gutes Beispiel. Voraussichtlich bis zum Sommer 2027 sollen die Bauarbeiten dort dauern, eine lange Zeit für einen vergleichsweise kurzen Straßenabschnitt. „Die Calwer Straße wird, glaube ich, wirklich unterschätzt“, verweist Pablo Burkhardt auf die weit- und tiefgreifende Umgestaltung an dieser Stelle.

Das Beispiel Calwer Straße zeige aber auch, dass man gelernt habe, die Bevölkerung bei solchen Großprojekten mitzunehmen. „Der Elbenplatz war dafür das Lehrstück“, sagt die Baudezernatschefin Kraayvanger. Dort und später auch bei der Herrenberger Straße sei es darum gegangen, Verständnis zu schaffen und schon im Vorfeld möglichst umfassend zu informieren.

Scheinbar zahlt sich dieser Aufwand aus. Nach der Erfahrung von Ordnungsamtschefin Gisa Gaietto dauere es normalerweise drei bis fünf Tage, bis die Menschen sich auf eine Umleitung einstellen. „Sie suchen sich dann andere Wege oder fahren zu anderen Zeiten in die Arbeit“, erklärt sie. Bei der Calwer Straße habe das aber praktisch von Beginn an gut funktioniert. Mit einer veränderten Ampelschaltung und Vorrecht für den Busverkehr sind große Staus auf der Hulb jedenfalls bisher ausgeblieben.

Schmähkommentare im Netz? „Da müssen wir durch.“

Klar ist aber auch: Baustellen und die damit verbundene Belastung bleiben trotz aller Transparenz unvermeidlich. Schließlich, so Böblingens Pressesprecher Fabian Strauch, gehe es darum, die Infrastruktur für die Bevölkerung zukunftssicher zu machen. „Baustellen sind kein Selbstzweck“, betont er.

Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger sieht das genauso. Sie sei stolz auf die rege Bautätigkeit in Böblingen. „Denn das bedeutet, dass wir in die Zukunft investieren und nicht veralten.“ Dass es dabei auch Kritik gibt, findet sie in Ordnung – solange dies auf konstruktive Wiese geschieht. Schmähkommentare lasse sie dagegen nicht an sich herankommen. „Da müssen wir durch. Wir müssen unseren Job machen“, betont sie.

Böblinger Baustellenflyer: Rund um das Flugfeld passiert am meisten

Versorgungsträger
 Elf der 19 Maßnahmen, die auf den „Baustelleninformationen 2026“ aufgelistet sind, gehen auf die von der Stadt Böblingen unabhängige Planung von Versorgungsunternehmen für Energie-, Wasser, Wärme oder Telekommunikation zurück.

Ausbau A 81
 Die Bauarbeiten entlang der Autobahn nehmen einen Großteil des Baustellenflyers ein, auf Böblinger Gebiet stehen vor allem Flugfeld-Allee und Wolfgang-Brumme-Allee im Fokus. Unter anderem soll dort im Sommer die Brücke über die A 81 für den Verkehr freigegeben werden.

Böblingen baut
 Rund um das Flugfeld passiert von Calwer Straße über Flugfeld Grüne Mitte bis hin zur Liesel-Bach-Straße und die westliche Elly-Beinhorn-Straße Böblingen eine Menge in Sachen Straßenbau. Außerdem läuft ein Kitaneubau in der Breslauer Straße 21 und im Sommer soll der Neubau des Zentrums am Murkenbach beginnen.

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