Eskalation in Nahost „Unfassbar, wie viel Glück wir haben“ – Böblinger schaffen es raus aus Dubai
Ein junges Paar aus dem Kreis Böblingen landet mit dem vorläufig letzten Flug aus Dubai am Stuttgarter Flughafen. Tausende Urlauber sitzen nun fest.
Ein junges Paar aus dem Kreis Böblingen landet mit dem vorläufig letzten Flug aus Dubai am Stuttgarter Flughafen. Tausende Urlauber sitzen nun fest.
Es ist 23.55 Uhr am späten Freitagabend, als die vorläufig letzte Maschine aus Dubai am Stuttgarter Flughafen landet. Flug Nummer DE2547, ein rotgeringelter Condor-Flieger, ist mit einer guten Stunde Verspätung in dem Emirat am Persischen Golf gestartet und hätte eigentlich um 23.10 Uhr in Stuttgart ankommen sollen. Doch schon am Freitag verdichten sich die Anzeichen auf eine Eskalation in Nahost. Der Pilot des Airbus A320Neo wählt zur Sicherheit eine sehr südliche Route. Er vermeidet es, Iran, Irak, Jordanien oder Israel zu überfliegen. Stattdessen geht es über Saudi-Arabien und Ägypten Richtung Griechenland, dann entlang der östlichen Adriaküste und mit Vollgas nach Stuttgart. Auf demselben Kurs bewegt sich fast zeitgleich ein Flieger von Eurowings mit demselben Ziel. Flug Nummer EW 1153 hebt eine gute Viertelstunde früher am Dubai Airport ab und kommt entsprechend früher am Manfred-Rommel-Airport an.
An Bord der Condor-Maschine ist ein junges Paar aus Schönaich im Landkreis Böblingen. Die beiden 22-Jährigen haben in Dubai eine Woche Urlaub gemacht. Unterwegs machen sie sich Sorgen, ob ihre verspätete Maschine wegen des in Stuttgart geltenden Nachflugverbots nach Memmingen, München oder Frankfurt umgeleitet werden muss. An Bord gibt es Wlan, sie tauschen Nachrichten mit der Familie daheim im Kreis Böblingen aus. Am Ende geht alles gut.
Haarscharf. Wie knapp diese Rückreise nach einer Woche Strand und Stadtbummel in den sonnigen Emiraten tatsächlich gewesen ist, wird dem Paar erst am nächsten Morgen klar. „Es ist unfassbar, wie viel Glück wir gehabt haben“, sagt Julien Buck. „Einen Tag später wären wir nicht mehr heimgekommen.“ Am Samstag überschlagen sich die Ereignisse. Wegen der Angriffe der USA und Israels auf den Iran gibt es Gegenschläge des Regimes in Teheran auf Ziele am Golf.
Das rotgeringelte Flugzeug, mit dem die Schönaicher am Freitag noch gelandet sind, startet am Samstagmorgen um kurz nach 8 Uhr zwar wie geplant Richtung Dubai. Kurz darauf muss Flug Nummer DE2546 aber umdrehen. Am Flughafen Dubai kommt der Betrieb zum Erliegen. Nur noch ganz vereinzelt dürfen Fluge starten. Tausende Urlauber sitzen fest.
Der Airport mit dem Iata-Kennzeichen DXB ist eines der wichtigsten Drehkreuze im internationalen Luftverkehr. Nicht nur Dubai-Urlauber, auch Reisende auf dem Weg von oder nach Asien, Australien oder ins südliche Afrika sind betroffen. Allein DXB wickelt mehr als 1000 Flüge täglich ab. Auch die Airports in Doha oder Abu Dhabi werden geschlossen. Das Portal Flightradar 24 meldet, dass Stand Sonntag an sieben Flughäfen im Nahen Osten bereits mehr als 3400 Flüge gestrichen wurden.
Betroffen sind auch Kreuzfahrttouristen. Die „Mein Schiff 4“ des deutschen Anbieters Tui Cruises liegt zurzeit im Hafen von Abu Dhabi, die „Mein Schiff 5“ in Doha, der Hauptstadt von Katar, ebenso wie die „Celestyal Journey“. Im Port Rashid in Dubai sitzen die „MSC Euribia“ von MSC Cruises, die „Aroya“ der saudischen Reederei Aroya Cruises und die „Celestyal Discovery“ von Celestyal Cruises fest.
Auf Nachfrage erklärt ein Sprecher von Tui Cruises: „Die Gäste befinden sich weiterhin an Bord der ,Mein Schiff 4‘ und der ,Mein Schiff 5‘. Aufgrund der noch immer dynamischen Lage in der Region und der eingeschränkten Flugverbindungen sind wir derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, ob und wann Rückflüge stattfinden können. Sobald uns hierzu belastbare Angaben vorliegen, stimmen wir die weiteren Schritte eng mit unseren Partnern ab und informieren entsprechend. Unsere Gäste werden fortlaufend und transparent über den aktuellen Stand informiert. Die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Gäste und Crew haben für uns oberste Priorität.“
Unannehmlichkeiten und Ungewissheit sind das eine, viel schlimmer ist eine konkrete Bedrohung. Auch die ist sehr real geworden: An der künstlichen Insel Palm Jumeirah, die aus der Luft betrachtet die Form einer stilisierten Palme hat mit riesigen Blättern und Stamm, wird das Hotel Fairmont von einer Drohne getroffen und brennt. „Wir haben direkt gegenüber im Andaz-Hotel gewohnt und sind auf dem Weg in die Stadt oft an dem Haus vorbeigefahren“, erzählt Julien Buck betroffen.
Das Paar aus Schönaich hat Dubai nicht nur wegen des schönen Wetters als Urlaubsziel gewählt. Es ging ihnen auch um den Sicherheitsaspekt. Und tatsächlich fühlten sie sich sehr wohl und sicher. „Die ganze Woche über hat man vor Ort überhaupt nichts von der sich zuspitzenden politischen Lage gemerkt. Es war ganz normaler Betrieb“, sagt Julien Buck. Für die, die jetzt noch festsitzen, dürfte sich das nun ganz anders anfühlen.
Am Samstag hat das Auswärtige Amt Reisewarnungen für fast alle Länder der Region Reisewarnungen ausgesprochen: von Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Katar, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Iran, Irak oder Israel wird abgeraten.