Die Initiatoren des Bürgerbegehrens zeigen sich entschlossen, für einen Bürgerentscheid zum Bücherei-Standort zu kämpfen. Und sie spüren große Resonanz.
Das Bürgerbegehren zum künftigen Standort der Esslinger Stadtbücherei hat begonnen, und die Initiatorinnen und Initiatoren melden erste Erfolge. Hunderte Unterschriften wurden am Schwörfestwochenende bereits gesammelt – rund 5000 gültige Unterschriften sind für einen Bürgerentscheid nötig. Diese Marke schreckt Hermann Beck, einen der drei Vertrauensleute der Initiative, nicht: „Ich bin sicher, dass wir das schaffen.“ Bei einem ersten Treffen wurden rund 60 Unterstützer gezählt, und Beck berichtete von vielen, die ob der kurzfristigen Einladung diesmal noch nicht dabei sein konnten, ihre aktive Mitwirkung jedoch zugesagt hätten.
Die Ratsmitglieder Hermann Beck (WIR/Sportplätze erhalten), Rena Farquhar (FDP/Volt) und Martin Auerbach (Linke/FÜR) hatten noch in der Ratssitzung angekündigt, dass sie ein Bürgerbegehren starten werden. Ziel ist ein Bürgerentscheid zu der Frage: „Sind Sie dafür, dass die Esslinger Stadtbücherei im Bebenhäuser Pfleghof bleibt und der Gemeinderatsbeschluss für die Verlagerung der Stadtbücherei in die Objekte Zehentgasse 1 und Rathausplatz 14 (Umzug ins ehemalige Modehaus Kögel) aufgehoben wird?“
Bücherei-Debatte: Kontroverse Meinungen in Esslingen
Die Initiatoren verweisen nicht nur auf den Bürgerentscheid von 2019 und dessen klare Mehrheit für eine Modernisierung und Erweiterung der Bibliothek im Bebenhäuser Pfleghof und der Heugasse 11, den der Gemeinderat 2022 kassiert hatte. Sie monieren auch, dass nicht nur technisch und konzeptionell viel zu vieles unklar sei, sondern auch finanziell. „Mir fehlen überzeugende Antworten, wie man einen Umzug ins Kögel-Haus und ein neues Kulturquartier im Pfleghof finanzieren will“, zweifelte ein Zuhörer. „Am Ende hat die Stadt ein fremdes Gebäude gekauft und teuer saniert, und dann ist kein Geld mehr da, um den Pfleghof, der ihr bereits gehört, zum Kulturquartier zu machen.“
Viele von denen, die beim ersten Treffen dabei waren, zeigten sich entschlossen, dafür zu sorgen, dass die Bürgerschaft entscheiden darf, ob die Bibliothek im Pfleghof bleiben oder ins frühere Modehaus Kögel umziehen soll. „Wir sind überzeugt, dass das klare Votum beim letzten Bürgerentscheid nur durch einen neuen Bürgerentscheid korrigiert werden kann“, sagt Beck. Dies gelte umso mehr, als die Entscheidung im Gemeinderat für einen Umzug ins Kögel-Gebäude nur sehr knapp gefallen war. „Die Stimme des Oberbürgermeisters musste den Ausschlag geben“, so Beck. „Das ist bei einer Entscheidung, die seit so vielen Jahren so viele Menschen beschäftigt, keine gute Basis. Ein Bürgerentscheid kann der neuen Bücherei den guten Start ermöglichen, den sie verdient. Jeder kann sich für den Standort entscheiden, den er oder sie bevorzugt. Das kann verbindend wirken.“
„Alle sind Esslingen und müssen entscheiden dürfen“
Vertrauensmann Martin Auerbach bekannte: „Wir gehen selbstbewusst ran und bekommen viel Zuspruch. Alle sind Esslingen und müssen entscheiden dürfen, wo ihre Bibliothek hinkommt.“ Jörg Sanzenbacher, der beim Schwörfest 300 Unterschriften gesammelt hatte, berichtete: „Bei mir haben auch Menschen unterschrieben, die nichts gegen den Umzug ins Kögel-Haus haben, die aber den Umgang mit dem letzten Bürgerentscheid nicht in Ordnung finden.“
Das nächste Treffen der Initiative beginnt am 23. Juli um 19.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus Pliensauvorstadt (Weilstraße 8).