Esslinger Bücherei-Debatte Gute Argumente für die Heugasse 11

Seit drei Jahrzehnten gilt die Heugasse 11 als Erweiterungsmöglichkeit für die Stadtbücherei. Foto: Ines Rudel

Wer das Bestmögliche für die Esslinger Stadtbücherei will, muss es auch mit der Erweiterungsoption im Nachbarhaus ernst meinen, sagt Adi Maier in seinem Kommentar.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Nach dem eindeutigen Bürgerentscheid zum Standort der Esslinger Stadtbücherei wollen die Ratsfraktionen rasch die Modernisierung des Bebenhäuser Pfleghofs in Angriff nehmen. Das klingt gut, ist allerdings auch alternativlos, schließlich wollen sich die Bürgerinnen und Bürger nicht länger mit großen Worten begnügen – sie wollen von Verwaltung und Gemeinderat endlich ganz konkrete Taten sehen. Eine Hängepartie wie nach dem ersten Bürgerentscheid würden die Esslinger sicher nicht mehr akzeptieren.

 

Es ist ein gutes Zeichen, wenn nicht nur die Pfleghof-Befürworter, sondern auch die Kögel-Anhänger unisono versichern, im Pfleghof das Bestmögliche für die Stadtbücherei realisieren zu wollen. Immerhin wartet die Bürgerschaft seit drei Jahrzehnten darauf, dass es mit der Esslinger Bibliothek endlich vorangeht. Hört man im Ratssaal genauer hin, wird allerdings deutlich, dass die Meinungen darüber, was „das Bestmögliche“ für die Bücherei ist, auseinandergehen.

Es gehört schon einige Fantasie dazu, das Ergebnis des Bürgerentscheids süffisant als Zeichen dafür zu werten, dass die Pfleghof-Befürworter nur für eine Minimallösung ohne Erweiterung um die Heugasse 11 gestimmt hätten. Die „H 11“ war zwar nicht explizit Teil des Bürgerentscheids, der nur die Alternative Kögel oder Pfleghof bot. Doch für viele Esslinger und auch für frühere Stadtverwaltungen war das Nachbarhaus immer ein selbstverständlicher Teil der Zukunftspläne für die Stadtbücherei. Und vor allem war und ist es die Erweiterungsoption Nummer eins. Wer es ernst meint mit dem Wunsch, der Stadtbücherei mehr Platz verschaffen zu wollen, muss diese Möglichkeit ernsthaft verfolgen.

Beispielhafter Dicker Turm

Die Argumente, die die Stadtverwaltung gegen die Heugasse 11 ins Feld führt, klingen stark: Die hohen Kosten sowie Einschränkungen durch Denkmalschutz und Brandschutz – alles nicht so einfach. Die Frage muss jedoch erlaubt sein, weshalb die Stadt die „H 11“ schon Mitte der 90er-Jahre, dann 2013 und schließlich auch nach dem ersten Bürgerentscheid 2019 ganz selbstverständlich als Erweiterungsfläche für die Bücherei auf der Rechnung hatte. Ein bisschen erinnert die Debatte an das Tauziehen um den Dicken Turm: Auch da hieß es im Rathaus lange Zeit, dass eine Sanierung viel zu teuer, aus Gründen von Brand- und Denkmalschutz viel zu aufwendig und damit illusorisch sei. Heute lassen sich manche der damaligen Bedenkenträger gern dafür feiern, dass der Turm in neuem Glanz erstrahlt.

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