Susanne Köhler und Rainer Schmiedel verabschieden sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge von ihren Kunden. Foto: Roberto Bulgrin
Seit 30 Jahren ist die Bastelecke eine gute Adresse für kreative Menschen – Ende März soll das Fachgeschäft schließen. Ein weiterer Verlust für den Esslinger Einzelhandel.
Alexander Maier
25.01.2026 - 10:00 Uhr
Und wieder geht ein Fachgeschäft in der Esslinger Innenstadt verloren: Nach mehr als 30 Jahren, in denen Rainer Schmiedel, Susanne Köhler und ihr Team geschätzte Ansprechpartner für viele Freunde kreativer Hobbys waren, schließt ihre Bastelecke am Schelztorturm Ende März. Die beiden Betreiber haben sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht, doch nach all den Jahren und all der Arbeit, die ein inhabergeführtes Geschäft zwangsläufig macht, wollen die beiden kürzertreten. Eine Nachfolge ließ sich trotz intensiver Suche nicht finden. Deshalb sind die Tage der Bastelecke nun gezählt. Lange leer stehen sollen die Geschäftsräume allerdings nicht.
Die Bastelecke ist in den drei Jahrzehnten ihres Bestehens herumgekommen – das aktuelle Domizil ist bereits die vierte Station des Fachgeschäfts. Rainer Schmiedel hatte den Laden in der Entengrabenstraße im Herbst 1995 übernommen. Schon ein Jahr später fand die Bastelecke in der Küferstraße 15 größere Räume. Ein dritter Umzug führte das Geschäft im Herbst 2004 in ein anderes Gebäude in der Küferstraße.
Die vierte Adresse in der Esslinger City
Die heutige Adresse Rossmarkt 44 gilt seit September 2012. „Erstmals können wir unser Sortiment im Stadtzentrum an der wohl wichtigsten Einkaufsstraße präsentieren. Unsere neuen Geschäftsräume sind komplett ebenerdig und bieten guten Zugang für Kinderwagen“, blickte Schmiedel beim Einzug zufrieden auf den inzwischen vierten Standort.
Die Bastelecke bietet so ziemlich alles, was kreative Menschen brauchen. Foto: Roberto Bulgrin
„Die Arbeit macht uns bis heute Spaß“, versichert der Geschäftsinhaber, der vor allem die vielen Kundenkontakte, die über die Jahre gewachsen sind, nicht missen möchte. Viele von denen, die nicht nur das breit gefächerte Sortiment des Fachgeschäfts zu schätzen wissen, sondern sich auch so manchen nützlichen Tipp für ihr kreatives Schaffen geholt haben, werden die Bastelecke vermissen. „Seit es sich bei unserer Kundschaft herumgesprochen hat, dass wir Ende März schließen werden und bis dahin Sonderpreise auf unser Sortiment anbieten, kommen viele und drücken ihr Bedauern aus, dass ihnen eine wichtige Anlaufstelle fehlt“, erzählt der Geschäftsmann. „Aber irgendwann muss leider Schluss sein. Ich bin 64, meine Frau ist nicht wesentlich jünger – da darf man schon ans Aufhören denken.“
Rainer Schmiedel hätte seine Bastelecke auch mit Blick auf die vielen treuen Stammkunden gerne an eine ebenso begeisterte Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben, doch die Suche blieb erfolglos. Schon seit einigen Jahren hatten seine Frau Susanne Köhler und er nach möglichen Interessenten Ausschau gehalten, und tatsächlich gab es Optionen. Doch die Coronapandemie mit ihren Unsicherheiten ließ das anfängliche Interesse erkalten. „Ein inhabergeführtes Geschäft erfordert viel Zeit und Engagement“, weiß Schmiedel. „Darauf will sich heutzutage nicht jeder einlassen. So haben wir eben bis jetzt weitergemacht“, sagt Schmiedel. „Nun ist aber die Zeit gekommen, uns zu verabschieden.“
Der Räumungsverkauf in der Bastelecke hat begonnen. Foto: Roberto Bulgrin
Dass es in den letzten Jahren nicht einfacher geworden ist, ein Fachgeschäft in der Esslinger Innenstadt zu betreiben, mag Susanne Köhler und Rainer Schmiedel zusätzlich bestärkt haben. Eine ganze Reihe unverwechselbarer Fachgeschäfte ist weggebrochen. „Und mit Karstadt und Kögel fehlen Ankerpunkte für den Einzelhandel. Das spürt man“, erklärt Schmiedel. Faktoren wie die hohen Parkgebühren in der Innenstadt, die wachsende Bedeutung des Online-Handels oder attraktive Konkurrenz im Umland tun ein Übriges. Deshalb freut sich Rainer Schmiedel, dass sich eine neue Nutzung für seine Geschäftsräume abzeichnet: Ein anderes Fachgeschäft aus einer anderen Branche soll einziehen – letzte Details sind laut City-Management aber noch zu klären. Schmiedel kann dafür nur die Daumen drücken: „Die Esslinger Innenstadt braucht einen starken Einzelhandel, um attraktiv zu sein. Jedes gute Geschäft trägt dazu ganz wesentlich bei.“