Esslinger MdB Schäfer Doktorarbeit von Grünem: Uni stellt Verfahren ein

Seit 2012 Doktor: der Grünen-Abgeordnete Sebastian Schäfer Foto: Roberto Bulgrin

Nach einem anonymen Hinweis prüfte die Uni Erfurt die Dissertation des Bundestagsabgeordneten Sebastian Schäfer – und sieht kein wissenschaftliches Fehlverhalten.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sebastian Schäfer (Esslingen) sieht sich wegen seiner Doktorarbeit nicht länger mit dem Verdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens konfrontiert. Nach einem anonymen Hinweis hat die Universität Erfurt die 2012 eingereichte Dissertation inzwischen überprüft, aber auf eine förmliche Untersuchung verzichtet und das Verfahren eingestellt. Dies teilte eine Uni-Sprecherin unserer Zeitung mit.

 

Der unbekannte Hinweisgeber hatte Ende 2025 insgesamt 17 Textstellen in der Dissertation (Thema: „Systemwettbewerb in der Europäischen Union. Eine Fallstudie im Gesellschaftsrecht“) thematisiert. Ihm seien weitgehende Übereinstimmungen mit zuvor veröffentlichten Texten aufgefallen, ohne dass diese Passagen als Zitat gekennzeichnet seien. Teilweise seien die Quellen nicht genannt, teilweise sei der Wortlaut ohne Anführung übernommen worden. Schäfer hatte daraufhin mögliche Fehler beim Zitieren eingeräumt und angekündigt, die Uni bei der Aufarbeitung zu unterstützen; er reichte eine umfassende Stellungnahme ein.

Uni sieht nur „einige wenige Sorgfaltsmängel“

Laut der Uni-Sprecherin wurden von den 17 Textstellen sechs als prüfungsbedürftig eingestuft. Dabei handelte es sich um Fehler oder mangelnde Präzision beim Zitieren. „Die Arbeit von Herrn Dr. Schäfer weist demzufolge einige wenige Sorgfaltsmängel auf“, so die Sprecherin. In den fraglichen Passagen würden aber reine Sachverhalte beschrieben und nicht von anderen stammende wesentliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze dargelegt. Daher gebe es „keinen hinreichenden Verdacht für ein wissenschaftliches Fehlverhalten“. Der Uni zufolge wurden Schäfer und der Hinweisgeber inzwischen über dieses Ergebnis informiert.

Gegenüber unserer Zeitung äußerte sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete so: „Der Zeitpunkt des anonymen Hinweises und die Tatsache, dass dieser Hinweis auch an die Stuttgarter Zeitung geschickt wurde, deutet für mich darauf hin, dass es dem Anonymus nicht allein um die Integrität der Wissenschaft ging.“ Schäfer war vor einigen Jahren ein enger Mitarbeiter des Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir gewesen. Die Vorwürfe gegen ihn kamen auf, nachdem ein angebliches „Diplom“ des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel hinterfragt worden war.

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