Die zwölf Rebellen haben öffentlich das Geschäftsgebaren der Liga angeprangert und damit gedroht, eigene Wege zu gehen. Umso überraschender ist, in welcher Klarheit sich ELF-Boss Zeljko Karajica am Freitag bei der Präsentation des Pokals im Stuttgarter Rathaus gegenüber unserer Zeitung äußerte. „Das Finale wird ganz sicher nicht das letzte Spiel unter dem Dach der ELF sein“, sagte der Geschäftsführer und Hauptgesellschafter, „Fakt ist, dass es weitergeht und es diese Liga auch nächste Saison geben wird. Man braucht sich um die ELF keine Sorgen zu machen.“
Ob das wirklich so ist? Aus dem Lager der Kritiker sind jedenfalls ganz andere Töne zu hören. Zunächst hatten sich acht Clubs, darunter Größen wie Rhein Fire, Frankfurt Galaxy, die Madrid Bravos, Paris Musketeers und Vienna Vikings, zur European Football Alliance (EFA) zusammengeschlossen und die Arbeit der ELF-Führung angeprangert. Die Vorwürfe reichten von „schlechter Kommunikation, finanzieller Misswirtschaft, unzureichender Arbeit in zentralisierten Bereichen wie Merchandising, Marketing, Reiseorganisation und Medien“ bis zur Nichterfüllung „vertraglich-finanzieller Verpflichtungen gegenüber den Franchises“. Eric Reutemann, der Geschäftsführer von Frankfurt Galaxy, sagte in einem FAZ-Interview: „Es fehlt an echter wirtschaftlicher Transparenz, insbesondere bei zentralen Einnahmen wie TV- und Sponsoringdeals.“
Eine erste Annäherung scheitert
Mittlerweile zählt die EFA zwölf Mitglieder, darunter auch Stuttgart Surge. Nachdem Zeljko Karajica erklärt hatte, im Anschluss an das Finale am 7. September in Stuttgart vom Posten des Geschäftsführers zurückzutreten, verlief eine Annäherung mit Ingo Schiller – der neuen wichtigsten ELF-Führungskraft – nicht zur Zufriedenheit der Rebellen.
Viele Fragen, die sie ihm stellten, zum Beispiel zur aktuellen finanziellen Situation, konnte oder wollte der frühere Hertha-BSC-Manager nach Informationen unserer Zeitung nicht beantworten. Dass Schiller derart unvorbereitet in die Gesprächsrunde gegangen war, rief demnach große Verwunderung hervor. Schon nach einer knappen Viertelstunde soll der Versuch, den Kontakt wieder zu intensivieren, vorbei gewesen sein.
Franchises wie Rhein Fire dürften sich dadurch in ihrer strikten Haltung bestätigt gesehen haben. Martin Wagner, der Gründungsgesellschafter des Meisters von 2023 und 2024, hatte zuvor erklärt: „Wir wollen weiter Football spielen, aber wir wollen nicht mehr unter dem Dach der ELF spielen.“ Zuletzt war von der Allianz eher wenig zu hören, doch das dürfte vor allem damit zu tun haben, dass das Finale der beiden EFA-Mitglieder Stuttgart Surge und Vienna Vikings nicht gestört werden sollte. Nach Informationen unserer Zeitung wird es an diesem Wochenende in Stuttgart zu mehreren Treffen der zwölf Franchises kommen, in denen über die weitere Vorgehensweise beraten wird. Nach dem Finale soll es dann eine Pressemitteilung geben, in der die EFA ihren Plan für die Zukunft des europäischen Footballs skizziert.
Zeljko Karajica: „Enteignungen gibt es in Deutschland nicht“
Droht eine Abspaltung? Oder geht es doch in der ELF weiter? Die im Raum stehende Forderung, dass sich dafür Zeljko Karajica zurückziehen müsse, der aktuell 62 Prozent der ELF-Anteile hält, wies dieser zurück. „Nur weil Martin Wagner bellt, heißt dies nicht, dass wir nicht mehr in Deutschland sind, wo es Enteignungen nicht gibt“, sagte Karajica am Freitag, „natürlich können sich immer neue Konstellationen ergeben. Aber das wird nicht erledigt durch einen Post, den man absetzt, um Druck auszuüben.“
Karajica ließ jedenfalls keinen Zweifel daran, wie wichtig ihm die Zukunft der ELF ist. Es gebe laufende Verträge mit einigen Franchises und TV-Partnern, andere Clubs wolle er in „konstruktiven Gesprächen“ davon überzeugen, dass man gewillt sei, die Probleme zu beheben und Optimierungen vorzunehmen. „Die Zusammensetzung der ELF wird sich vielleicht etwas ändern. Doch wir sind keine Getriebenen, die sagen, es müssen am Ende 14 oder 18 oder 20 Teams sein“, erklärte Karajica, „wir senden in 207 Länder, spielen ein Finale in der MHP-Arena – das sind Dinge, die wir auf der Habenseite verbuchen können. In den nächsten zwei, drei Wochen werden wir bekanntgeben, wie es genau laufen wird. Dann werden wir die Saison 2026 einläuten.“
Ein Team, das stellte Karajica klar, werde dann auf jeden Fall dabei sein: die Hamburg Sea Devils, deren Besitzer er ist. Zuletzt war aus Spielerkreisen öffentlich gemacht worden, dass die Juli-Gehälter noch nicht ausbezahlt worden seien. „Es ist kein Geheimnis, dass es im Laufe einer Saison zu Problemen kommen kann, zum Beispiel, weil Sponsorengelder zu spät eintreffen. Das kann bei den Sea Devils passieren, aber es ist – ehrlicherweise – schon bei jedem Team in der Vergangenheit vorgekommen“, sagte Karajica, „wir müssen Dinge verbessern, um so etwas künftig auszuschließen und uns für 2026 besser aufzustellen.“