Ex-Angreifer des VfB Stuttgart Nick Woltemade spricht über seinen „turbulenten Sommer“ in Stuttgart

Jubel im neuen DFB-Trikot: Nick Woltemade, ehemaliger VfB-Offensivmann und aktueller Doppelpacker von Luxemburg. Foto: IMAGO/Moritz Müller

Nick Woltemade erzielt beide Tore für die DFB-Elf beim 2:0 in Luxemburg – hinterher redet er über turbulente Zeiten beim VfB Stuttgart.

Sport: Marco Seliger (sem)

Am Ende war das neue Trikot mit den Nationalfarben von den Schultern bis zur Brust (eine Reminiszenz an das Weltmeister-Shirt aus dem Jahr 1990) das Thema - zumindest bei Nick Woltemade. Ob er seine Trikots denn prinzipiell sammle nach solchen speziellen Fußballabenden mitsamt eines Doppelpacks, fragte ein Reporter spät am Freitagabend in den Katakomben des kleinen, 9214 Zuschauer fassenden Stade de Luxembourg am Rande der Stadt. „Ich habe es in der Tasche“, sagte der Offensivmann der DFB-Elf nach seinen beiden Toren zum mühsamen 2:0-Sieg in Luxemburg: „Aber meine Schwester hat mir schon geschrieben, sie ist sehr heiß auf das Langarmtrikot – also geht es wahrscheinlich heim nach Bremen.“

 

Wohl dem, der am Ende eines Fußballabends entspannt über solche Dinge plaudern kann. Da steht er nun also, der Doppelpacker. Woltemade steht frisch geduscht im Kabinengang, er hat eine schwarze Wollmütze auf dem Kopf, als es auch um übergeordnete Dinge geht. Dass er in einer extrem schwachen ersten Hälfte im WM-Qualifikationsspiel einer der schwächsten deutschen Spieler war, weil er kaum drin war in der Partie, viele Bälle verlor und meist die falschen Entscheidungen traf, war kein Thema mehr.

Nick Woltemade spricht über das Vertrauen in seine Fähigkeiten

Stattdessen ging es in der Mixed Zone auch um übergeordnete Dinge – etwa um einen kleinen Rückblick auf das verrückte Fußballjahr, in dem Woltemades Ex-Club namens VfB Stuttgart selbstredend eine große Rolle gespielt hat. Auf die Frage, ob er Druck verspüre im Kreis der Nationalmannschaft angesichts der Ausfälle der Offensivkräfte Kai Havertz, Tim Kleindienst und Niclas Füllkrug, weil sich dann alle Hoffnungen auf ihn im Angriff konzentrieren könnten, entgegnete Woltemade übergeordnet zunächst dies: „Ich habe sehr viel Vertrauen in meine Fähigkeiten. Der Sommer war sehr turbulent, die vergangenen Monate auch - ich habe irgendwann aufgehört, alles über mich zu lesen.“

Lektüre über den Senkrechtstarter gab es ja zuhauf. Sein Aufstieg beim VfB Stuttgart mitsamt des DFB-Pokalsiegs im Mai, die Vize-Europameisterschaft mit der U-21-Auswahl, die erstmalige Nominierung für die DFB-Elf – und dann das Wechseltheater im Sommer, an dessen Ende Woltemade bekanntlich nicht vom VfB zum FC Bayern, sondern für 85 Millionen Euro zu Newcastle United transferiert wurde. Auch dort überzeugt der Offensivmann, schießt Tore – und ergänzt sein Spiel um eine stärkere physische Komponente.

Jubel im Pokalfinale im Mai: Nick Woltemade trifft für den VfB gegen Bielefeld. Foto: IMAGO/Rudel

„Ich mache mir keinen Druck“, sagt Woltemade also am Freitagabend in Luxemburg - im Wissen um seine Fähigkeiten, die er in einer englischen Woche nach der anderen auf den Platz bringt. Das einzige Problem dabei: Den turbulenten Sommer und das turbulente Fußballjahr, wird Woltemade auch auf Sicht zunächst nicht in Ruhe reflektieren können. Denn, so sagt das der ehemalige Stuttgarter am Freitagabend selbst: „Wir haben in England einen straffen Zeitplan und den Winter nicht frei - ich komme nicht dazu, das alles aufzuarbeiten.“ Er habe aber, so Woltemade weiter, ein sehr schönes Jahr hinter sich: „Und jetzt will ich weiter daran arbeiten, dass solche Momente wie dieser hier dazukommen.“

Dieser hier, in Luxemburg, mit dem Doppelpack für die DFB-Elf – mit dem Woltemade den Weg ebnete für die direkte WM-Qualifikation als Gruppensieger. Die erreicht das deutsche Team an diesem Montag in Leipzig gegen die Slowakei (20.45 Uhr/ZDF) schon mit einem Unentschieden. Wo er besagte WM-Qualifikation denn persönlich einordnen würde in seinem Fußballjahr voller Aufstiege, wurde Woltemade noch gefragt. Die Antwort: „Das wäre die Nummer eins – es ist das größte Turnier der Welt und für jeden ein Traum, da dabei zu sein.“

Sollte sich das Nagelsmann-Team qualifizieren, dürfte eine Nominierung Woltemades sicher sein, auch ein Stammplatz beim Turnier ist Stand jetzt alles andere als unwahrscheinlich – auch, weil der Angreifer ein so simpel anmutendes, aber essenzielles Selbstverständnis in seinem Spiel entwickelt hat: „Ich weiß, dass ich immer ein Tor schießen kann, egal, wie das Spiel vorher läuft“, sagt Woltemade und ergänzt mit dem frischen Blick auf den Abend von Luxemburg noch dies: „Wenn man dann schon eins erzielt hat, lässt es sich deutlich angenehmer spielen.“ Und im Zweifel eben gleich nochmal treffen.

Weitere Themen