Porsche-Personalvorstand Andreas Haffner (links) und Betriebsratschef Harald Buck im Gespräch über den Stellenabbau beim dem Sportwagenhersteller Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Porsche-Personalchef Andreas Haffner und der Betriebsratsvorsitzende Harald Buck kündigen ein Stellenabbauprogramm an. Sie erklären, was dieser Schritt für die Mitarbeiter bedeutet – und warum sie Porsche noch immer für eine Top-Firma halten.
Lange Zeit erhob sich Porsche geradezu majestätisch aus der Krise und war von der Konjunktur unabhängig. Nun muss auch der Stuttgarter Sportwagenhersteller massiv sparen. Der Personalchef Andreas Haffner und der Betriebsratsvorsitzende Harald Buck erklären, wie sie das Unternehmen wieder in die Spur bringen wollen – und welche Einschnitte das mit sich bringt.
Herr Buck, Herr Haffner, die Standortsicherung bei der Porsche AG mit den Standorten Zuffenhausen und Weissach gilt noch bis 2030, gleichzeitig verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens deutlich. Was bedeutet das für die Beschäftigung?
Haffner: Wir haben 2020 eine sehr umfangreiche Standortsicherung für die Stammbelegschaft abgeschlossen. Ungewöhnlich ist sicherlich die Laufzeit über zehn Jahre, nachdem wir früher immer auf fünf Jahre gegangen sind. Grundlage dieser Vereinbarung mit dem Betriebsrat war die Annahme einer Umsatzrendite von 15 Prozent. Schon damals haben wir klar gesagt: Sollte es einmal nicht mehr nur bergauf gehen, müssen wir uns wieder zusammensetzen. Und darüber reden, wie wir gemeinsam Lösungen finden können.
Und dieser Punkt ist jetzt erreicht?
Haffner: Ja. Wir stehen zwar immer noch vergleichsweise gut da. Aber wir haben vielfältige Herausforderungen zu meistern – beispielsweise den verzögerten Hochlauf der Elektromobilität oder auch die herausfordernden geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Jetzt geht es darum, frühzeitig die Weichen zu stellen und uns genau anzuschauen, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Dazu gehören auch die Personalkosten.
Was ist das Ergebnis?
Haffner: Sie selbst haben ja schon vor einem Jahr darüber berichtet, dass wir Verträge von befristet beschäftigten Mitarbeitern in der Produktion in Zuffenhausen nicht mehr verlängern. Schon 2024 mussten wir viele Verträge auslaufen lassen. Bis Mitte des Jahres werden nun auch die noch verbliebenen befristeten Beschäftigungsverhältnisse enden.
Buck: In Zuffenhausen werden der 911er, der Taycan und normalerweise auch der 718 gebaut. Nach dem Modellwechsel fehlt es beim 911er aktuell an Stückzahlen, weil er gestaffelt in den Märkten eingeführt wird und der T-Hybrid erst langsam hochfährt. Der 718 läuft zudem momentan als Auslauffertigung in Osnabrück, damit er später als E-Auto nach Zuffenhausen zurückkommen kann. Bis dahin dauert es aber noch eine gewisse Zeit. Und auch beim Taycan sind die Stückzahlen nicht mehr dort, wo sie einmal waren. Zeitweise gab es hier einen Dreischichtbetrieb, nun sind wir bei einer Schicht. All das wirkt sich auf den Standort und damit auf die Personalplanung aus.
Harald Buck arbeitet seit 40 Jahren bei Porsche. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Was bedeutet das in Zahlen?
Haffner: Wir haben im vergangenen Jahr bereits 1500 befristete Verträge nicht mehr verlängert. 2025 kommen nochmals 500 hinzu.
Wird das ausreichen?
Haffner: Nein. Unser Ziel ist es, die Stellen bei der Porsche AG mit den Hauptstandorten Zuffenhausen und Weissach bis 2029 um 15 Prozent zu reduzieren. Diesen Prozess haben wir bereits 2024 mit dem Auslauf der ersten 1500 befristeten Arbeitsverhältnisse angestoßen und beschäftigen aktuell noch 23 650 Mitarbeitende. Jetzt laufen weitere 500 Befristungen aus. Das alleine reicht aber noch nicht. Deshalb haben wir ein Programm beschlossen, um in den kommenden Jahren zusätzlich nochmals rund 1900 Stellen über das gesamte Unternehmen hinweg abzubauen. Zudem setzen wir auf die natürliche Fluktuation, den demografischen Wandel und eine restriktive Handhabung bei Nachbesetzungen und Neueinstellungen.
Was bedeutet das für die vereinbarte Standortsicherung?
Haffner: Sie bleibt bestehen und gilt unverändert bis 2030. Betriebsbedingte Kündigungen bleiben während der Laufzeit ausgeschlossen. Den nun angekündigten Abbau gestalten wir ausschließlich sozialverträglich.
Buck: Konkret wird es Angebote für eine attraktive Altersteilzeitregelung geben. In Einzelfällen wird das Unternehmen auch Aufhebungsverträge mit einer Abfindung anbieten.
Wird all das freiwillig erfolgen?
Haffner: Ja. Wir werden keinem Mitarbeitenden einen Aufhebungsvertrag vorlegen und sagen: Bitte hier unterschreiben. Das passt nicht zu unserer Kultur bei Porsche.
Welche Bereiche des Unternehmens sind vom Abbau betroffen?
Haffner: Der Abbau betrifft alle Bereiche – von der Entwicklung, über die Produktion bis zur Verwaltung. Aufgrund der Altersstruktur gehen wir davon aus, in der Verwaltung und Entwicklung mehr Interessenten für die Altersteilzeit zu finden. In der Produktion ist die Belegschaft dagegen vergleichsweise jung.
Wie viele Mitarbeiter und welche Jahrgänge kommen für die Sonderregelung der Altersteilzeit in Betracht?
Buck: In den gewerblichen Bereichen gilt die Altersteilzeit ab dem Jahrgang 1970 und älter, für alle anderen ab 1969.
Haffner: Das sind rund 1300 berechtigte Mitarbeitende. Natürlich werden wir sie nicht alle gehen lassen. Und es werden auch nicht alle das Angebot annehmen. Aber in Summe rechnen wir damit, dass mehr als 800 Mitarbeitende das Unternehmen über die Altersteilzeit verlassen.
Haffner: Ja, in den kommenden zwei bis drei Jahren werden wir rund 250 Leute zusätzlich einstellen, vor allem in den Zukunftsfeldern Batterie, Software und Künstliche Intelligenz. Hier ist es weiterhin wichtig, dass wir entsprechende Experten auch von außerhalb an Bord holen – sowohl für die Entwicklung unserer Fahrzeuge als auch der Unternehmensprozesse.
Welche weiteren Vereinbarungen haben Sie getroffen?
Buck: Beim T-ZUG haben wir das Wahlrecht ausgesetzt. Beschäftigte erhalten über den T-ZUG wahlweise mehr Freizeit oder ein Zusatzgeld. Nun müssen alle Mitarbeitende verpflichtend die bis zu acht zusätzlichen freien Tage im Jahr nehmen.
Haffner: Außerdem werden wir in diesem Jahr die freiwillige Sonderzahlung deckeln. Sie ist in den vergangenen Jahren immer sehr großzügig ausgefallen. Für das Geschäftsjahr 2023 waren es beispielsweise bis zu 9690 Euro. Das wird sich ändern. Sie wird für das Geschäftsjahr 2024 deutlich niedriger ausfallen.
Für welchen Zeitraum reichen diese Regelungen aus?
Haffner: Dieses Paket dient der Absicherung des laufenden Jahres. Wir werden nun mit dem Betriebsrat weitere Verhandlungen aufnehmen. Dabei geht es um die Frage, wie wir die Arbeitsplätze bis 2030 und gegebenenfalls auch darüber hinaus absichern können.
Sind Sie dazu bereit, Herr Buck?
Buck: Klar ist: Wir müssen uns auch für die fernere Zukunft gut aufstellen. Aus Sicht des Betriebsrats haben wir für die Zeit bis 2030 unseren Beitrag bereits geleistet.
Worüber muss dann verhandelt werden?
Buck: Es kann nicht nur um Einschnitte gehen, sondern auch um andere Sparmöglichkeiten und um Investitionen. Welche neuen Modelle werden kommen und wo werden sie gebaut? Was bringt das angekündigte Sonderwunsch-Programm, bei dem Fahrzeuge hoch individualisiert ausgestattet werden, für die hiesigen Standorte? Klar ist, dass es keine Einschnitte bei Tarifverträgen geben kann.
Sondern?
Haffner: Im Lauf der Zeit sind viele Zusatzleistungen hinzugekommen, und manche wird es dann vielleicht nicht mehr in der Höhe geben wie bisher.
Porsche-Personalchef Andreas Haffner muss an das Gesamtwohl der Firma denken. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Und welche Gegenleistung fordern Sie?
Buck: Für einen Kompromiss erwarten wir im Gegenzug die Verlängerung der Beschäftigungssicherung bis 2035. Ansonsten könnte der Arbeitgeber in fünf Jahren, wenn die heutige Standortsicherung ausläuft, trotz möglicher Zugeständnisse, betriebsbedingte Kündigungen aussprechen.
Wie sehen Sie das, Herr Haffner?
Haffner: Bevor wir über künftige Standortsicherungen sprechen, möchte ich betonen, dass wir bei unserem aktuellen Effizienzprogramm über weit mehr reden als über Personalkosten. Jeder Unternehmensbereich ist gefordert seinen Beitrag zu leisten. Mit Blick auf die Standortsicherung steht für mich erst einmal die Zeit bis 2030 im Mittelpunkt. Da haben wir noch viele Hausaufgaben zu machen. Über eine sich daran anschließende Standortsicherung reden wir dann später.
Herr Haffner, wie geht es Ihnen bei diesem Abbau?
Ich gebe zu, dass mich das als Mensch nicht kalt lässt. Natürlich habe ich als Vorstand die Verantwortung, meine Arbeit am Wohl des gesamten Unternehmens auszurichten. Das heißt aber nicht, dass mir die vielen menschlichen Schicksale gleichgültig wären. Und es berührt mich auch, wie viele Mitarbeitende aus unserer Stammbelegschaft sich für den Verbleib ihrer befristet beschäftigten Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Weil sie perfekt ins Team gepasst und gute Arbeit geleistet haben. Aber leider ist es aktuell nicht möglich. Immerhin konnten wir in den vergangenen Jahren mehr als 5000 befristete Arbeitsverhältnisse in eine Festanstellung umwandeln.
Und Ihnen, Herr Buck?
Wer 48 Monate dabei war, und sei es mit einem befristeten Vertrag, gehört mit zur Mannschaft. Dass jetzt immer mehr dieser Menschen gehen müssen, macht auch etwas mit denen, die bleiben. Die Kultur leidet sicher unter dem Abbau, trotzdem müssen auch wir als Arbeitnehmervertretung das große Ganze im Blick behalten. Porsche ist noch immer eine der besten Firmen, die es gibt. Ich bin jetzt 40 Jahre dabei und war darüber immer glücklich. Das Unternehmen hat alles, was man braucht für eine gute Zukunft. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass es so bleibt.