An der Schickhardt-Gemeinschaftsschule wird das gesamte Gebäude zum Lernort. Foto:
Die Schickhardt-Gemeinschaftsschule wird erstmals fünfzügig. Die Körschtalschule ist mit neuem Konzept nun noch beliebter. Auch die Eichendorffschule musste erneut umlenken.
Drei Gemeinschaftsschulen zählen zu den beliebtesten Schulen in Stuttgart. Sie haben für Klasse 5 deutlich mehr Anmeldungen als Plätze und mussten viele Ablehnungen verschicken. Es handelt sich um die Schickhardt-Gemeinschaftsschule (GMS) in der Innenstadt, die Körschtalschule in Plieningen und die Eichendorffschule in Bad Cannstatt.
Schon bei den Informationsveranstaltungen hätten sie das große Interesse gemerkt, heißt es von allen drei Schulen. „Wir wurden regelrecht überrannt“, sagt die Schulleiterin der Schickhardt-GMS, Sandra Vöhringer. Die Schickhardt hatte 151 Anmeldungen für Klasse 5, bei der Körschtalschule sind es laut deren Schulleiterin Stefanie Lenuzza „an die 100“ gewesen und bei der Eichendorffschule, die schon im Vorjahr Ablehnungen verschicken musste, 86 Anmeldungen.
Schickhardt-Gemeinschaftsschule wird fünfzügig
Die Schickhardt-Gemeinschaftsschule, die als bisher einzige GMS auch eine gymnasiale Oberstufe hat, wird vom kommenden Schuljahr an nicht mehr vier- sondern sogar fünfzügig arbeiten. Das bekomme man räumlich hin, so Vöhringer. Sie nimmt 132 Kinder auf. Die Körschtalschule hätte eigentlich wie die zweizügige Eichendorffschule 56 Plätze gehabt, wird aber im nächsten Schuljahr ausnahmsweise drei Züge in Klasse 5 anbieten, also 84 Plätze. Weil aber dauerhaft nicht genügend Räume zur Verfügung stehen, sei das nur einmalig möglich, betont Stefanie Lenuzza.
Auffällig: Sowohl die Schickhardt-GMS als auch die Körschtalschule haben auf ein innovatives Konzept umgestellt, das unter anderem auf selbstständiges Lernen, Lernateliers, viel Bewegung und Clubs statt Nebenfächern setzt. Statt Klassenarbeiten gibt es Lernnachweise, die die Kinder individuell schreiben. Die Schickhardt-GMS hatte im Schuljahr 24/25 in der damaligen Stufe 5 mit dem Konzept gestartet und berichtet seither von großen Erfolgen und gestiegener Motivation bei Schülern wie Lehrkräften. Die Körschtalschule hat in diesem Schuljahr in den Stufen 5 und 6 umgestellt und macht nun ähnlich positive Erfahrungen. „Wir sind total begeistert“, sagt Stefanie Lenuzza. Erst kürzlich habe ihr wieder eine Schülerin rückgemeldet, dass ihr Schule jetzt so viel Spaß mache: „Das fühlt sich gar nicht wie Unterricht an“, habe diese gesagt.
Mehr eigene Grundschüler wechseln in die fünfte Klasse
Beide Schulen glauben, dass das innovative Konzept eine große Rolle gespielt hat beim Anmeldeverhalten. Im Fall der Körschtalschule kommt hinzu, dass diese auch eine Grundschule ist und „zunehmend“ Kinder auch in die Sekundarstufe wechselten, so Lenuzza. Anfangs sei das Interesse verhalten gewesen, das habe sich geändert.
„Wir wollen unbedingt zu Ihnen“, immer wieder hätten Eltern diesen Wunsch explizit geäußert, berichtet Sandra Vöhringer. Für die Eltern sei nicht die Schulart entscheidend gewesen, sondern die Schule selbst. Dass sie die einzige Gemeinschaftsschule mit bilingualem Angebot sind, sei ein zusätzlicher Pluspunkt. An die 70 Kinder seien hierfür angemeldet worden. Sie hätten zudem unter den neuen Fünftklässlern so viele Kinder mit Gymnasialempfehlung wie noch nie, berichtet Vöhringer. Der Anteil der Kinder mit Hauptschulempfehlung sei bei ihnen dagegen „deutlich zurückgegangen“.
Eichendorffschule punktet nicht nur mit dem neuem Gebäude
Als „schmerzlich“ beschreiben alle drei Schulleitungen, Familien absagen zu müssen. Sonst habe sie immer nur die Nachzügler abweisen müssen, die sich nicht rechtzeitig angemeldet hätten, berichtet Vöhringer. Die Eichendorffschule hatte schon in diesem Schuljahr 24 Kinder nicht aufnehmen können. Schulleiter Matthias Bolay hatte auch jetzt wieder weinende Eltern am Telefon, deren Kind keinen Platz bekommen hat und nun einen deutlich weiteren Schulweg haben wird. „Das ist eigentlich eine Katastrophe“, sagt er.
Die Eichendorffschule ist nicht nur schön, sie liegt auch sehr gut. Foto: Bolay
Warum ist die Eichendorffschule so beliebt? Das „tolle“ neue Gebäude, das sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden ist, sei nur ein Grund, der seine Schule attraktiv mache. Er habe ein „sehr engagiertes Kollegium“, sagt Bolay. Sie hätten sich über die Jahre ihren Ruf erarbeitet, und auch bei den Schülerinnen und Schülern habe man nun eine ganz andere Mischung als in den Anfangsjahren als Gemeinschaftsschule. „Etliche“ lernten auf dem gymnasialen E-Niveau sowie auf dem mittleren M-Niveau. Hinzu komme, dass die Zahl der Grundschüler, die bei ihnen verbleiben – wie bei der Körschtalschule – stark wächst. „Die Zahlen haben sich verdoppelt“, schätzt Bolay. Eine Entwicklung, die Jahre gedauert habe.