Genau das ist Ziel des Projekts Familienpaten, das der Kinderschutzbund im Kreis Esslingen im Rahmen des Bundesprogramms „Frühe Hilfen“ anbietet: Eltern in Belastungssituationen zu unterstützen, bevor daraus echte Probleme werden, wie Irmgard Greiner, Koordinatorin des Projekts, erklärt. Und zwar unentgeltlich. Dafür bittet der Kinderschutzbund um Hilfe aus der EZ-Weihnachtsspendenaktion. Die Ehrenamtlichen greifen Müttern und Vätern nicht auf Dauer, sondern ein halbes Jahr oder ein Jahr für ein paar Stunden pro Woche unter die Arme. Meist seien es Familien mit Mehrlingsgeburten, vielen Kindern, Migrationshintergrund, Alleinerziehende, Eltern mit finanziellen oder psychischen Schwierigkeiten oder in Trennungssituationen, die Hilfe suchen. Voraussetzung ist, dass sie mindestens ein Kind unter drei Jahren haben.
Rosemarie Rinner lernt mit Amelja, Behare und Rexhep einzeln je ein bis zwei Stunden pro Woche. „Mathe, Sport und Schwimmen machen mir Spaß“, antwortet der zwölfjährige Rexhep auf die Frage, welche Schulfächer ihm gefallen. Seine jüngeren Schwestern stimmen zu. Im Fach Deutsch tun sich dagegen alle schwer. Deswegen paukt die Familienpatin mit ihnen vor allem Rechtschreibung. Die Kinder seien von Anfang an motiviert gewesen. „Rexhep und Behare haben schon eine Eins im Diktat nach Hause gebracht“, sagt Rinner. Im Projekt geht es aber nicht immer um Nachhilfe. „Es richtet sich nach dem Bedarf der Familie und danach, was sich die Patinnen und Paten vorstellen können“, erklärt Greiner. Oft beschäftigen sich die Ehrenamtlichen mit den Kindern, spielen mit ihnen oder gehen spazieren, damit die Mütter und Väter Zeit für sich haben. Manchmal begleiten sie auch Eltern, die Verständnisschwierigkeiten haben, zum Amt. Oder es geht mit einer Mutter, die sich nicht alleine traut, in den Eltern-Kind-Treff. „Das Programm soll auch dazu dienen, Familien, die kein gutes soziales Netzwerk haben, zu helfen, dieses zu erweitern“, so Greiner.
„Diese Hilfe hatten wir früher nicht“, sagt Hashim J., der selbst im Kindesalter mit seinen Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland kam. Er selbst sei in der Schule nicht so gut gewesen. Ihm ist es wichtig, dass seine Kinder den Lehrstoff „richtig“ lernen. Doch zu sechst in der Drei-Zimmer-Wohnung der Familie fehlt die nötige Ruhe zum Lernen. Sobald der kleine Hakim aufwache, ziehe er alle Aufmerksamkeit auf sich, erzählt der Vater. Deswegen freute es die Familie, als Rosemarie Rinner anbot, mit den Kindern in ihrer Wohnung zu lernen, auch um die nötigen Corona-Abstände einhalten zu können. Die 68-Jährige war früher Exportmanagerin. „Vor vier Jahren bin ich in den Ruhestand gegangen und habe eine verantwortungsvolle Aufgabe gesucht“, erzählt sie.
Finanziert wird das Projekt zu einer Hälfte aus Bundesfördermitteln, zur anderen aus Spenden. Kosten fallen etwa für die hauptamtliche Koordination des Programms an sowie für Schulungen der Ehrenamtlichen. Diese erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung. Insgesamt nehmen derzeit 25 Familienpatinnen und ein Pate am Programm teil. Es seien viele Rentner darunter, erklärt Greiner. Aber auch Frauen mittleren Alters und in den Zwanzigern. Jede und jeder bringe andere Qualitäten mit. In Corona-Zeiten pausieren zwar einige, weil sie zur Risikogruppe gehören. Es sei allerdings erfreulich, dass viele weiterhin Familien helfen, indem sie Treffen beispielsweise ins Freie verlegen. Im Schnitt 30 Patenschaften kommen pro Jahr zustande. Greiner freut sich über neue Interessentinnen und Interessenten, vor allem im Bereich der Filder und Richtung Albtrauf könnte sie weitere Ehrenamtliche gut gebrauchen. „Wer Familienpatin oder -pate werden will, sollte viel Freude im Umgang mit Kindern mitbringen und Lust darauf, junge Familien zu unterstützen“, sagt die Koordinatorin. Es brauche auch ein Stück Offenheit, sich auf andere Lebenswelten einzulassen.
Informationen zum Projekt: Irmgard Greiner, E-Mail: irmgard.greiner@ksb-es.de, Telefon: 0711 / 351 53 26, Online www.ksb-es.de/familienpaten
Spendenkonten: Kreissparkasse Esslingen, IBAN: DE38 6115 0020 0000 9020 36, BIC: ESSLDE66XXX; Baden-Württembergische Bank, IBAN: DE24 6005 0101 0008 4053 53, BIC: SOLADEST600; Volksbank Mittlerer Neckar, IBAN: DE89 6129 0120 0126 8880 00; BIC: GENO DES1NUE; Online www.gut-fuer-den-landkreis-esslingen.de/projects/87122