EZB-Direktorin Isabel Schnabel in Stuttgart Geldpolitik im Klassenzimmer

Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der EZB, spricht mit Berufsschülern über Geldpolitik. Foto: /Julika Wolf

Mit EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel kommt Prominenz der Finanzwelt nach Stuttgart, um mit Berufsschülern und Bosch-Mitarbeitern über Wirtschaft und Geldpolitik zu sprechen.

Viele Fragen hat Isabel Schnabel den Schülerinnen und Schülern der Kaufmännischen Schule 1 in Stuttgart am Freitagmorgen mitgebracht. Zum Beispiel: „Wie gut kennen Sie die Europäische Zentralbank (EZB)?“ Die Auswahlmöglichkeit „wenig“ bekommt am meisten Stimmen, nur drei geben an, sie „gut“ zu kennen. Umso mehr Gelegenheit für das Direktoriumsmitglied der Zentralbank, seine Arbeit zu erläutern.

 

Dafür ist Isabel Schnabel an diesem Tag nach Stuttgart gekommen: um sich mal mit einem anderen Publikum auszutauschen. „Wir sprechen sehr viel mit Experten, aber zu wenig mit der breiten Öffentlichkeit“, sagt die 53-Jährige. „Vor allem mit jungen Leuten und Akteuren der Wirtschaft.“ Deshalb stehen bei ihrem Tag im Land zwei Stationen auf dem Programm: die Schule und das Bosch-Werk in Feuerbach. Ein besonderer Besuch – so oft passiert es schließlich nicht, dass die Prominenz der Finanzwelt in dieser Form auf die Bevölkerung zugeht.

Wie hoch ist die gefühlte Inflation bei den Schülern?

Trotz der frühen Stunde sind die angehenden Versicherungs- und Bankkaufleute aufgeweckt bei der Sache. Keine peinliche Stille entsteht, wenn Schnabel fragt, was Inflation ist oder wie die EZB Preisstabilität definiert. Oder, wie die Schüler die gefühlte Inflation zurzeit wahrnehmen. Ein wichtiger Wert, den die EZB regelmäßig in der Bevölkerung abfragt – denn die gefühlte Inflation hat Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Menschen. Wie sehen die Schüler das? Hier und da brechen Diskussionen aus. Mithilfe eines Umfrage-Tools antworten sie per Handy. Die Antwort: 5,9 Prozent. Die „echte“ Inflation im Euroraum liegt zurzeit bei 2,2 Prozent. Ein großer Unterschied. Je nachdem, wofür die Menschen ihr Geld ausgeben, könne das die Wahrnehmung stark beeinflussen, erklärt Schnabel.

Dass die Schüler gut vorbereitet sind, zeigt sich auch in der Fragerunde. Warum die EZB die Leitzinsen erst so spät angehoben hat, nachdem die Inflation im Jahr 2022 schon stark gestiegen war, fragt ein Schüler. Ein anderer will wissen, wie Schnabel zur Übernahme der Commerzbank durch die italienische Unicredit steht. Prinzipiell sehe die EZB – die auch für die europäische Bankenaufsicht zuständig ist – es positiv, wenn Banken sich über Grenzen hinweg zusammenschließen, sagt Schnabel. Der Bankenmarkt sei immer noch sehr national geprägt. Im Einzelfall dürfe sie sich aber nicht äußern. Auch, weil das Thema sehr politisch ist.

Fragen nach dem digitalen Euro, wie die EZB über den Leitzins entscheidet oder wann sie mal wieder bei dem Youtube-Kanal Finanzfluss auftritt, beantwortet sie gerne. Und holt sich Tipps, welche anderen Formate junge Menschen nutzen, um sich über Finanzen zu informieren.

Für Luisa Murrath und Sara Grill ist die Veranstaltung „superspannend“. Als angehende Versicherungskauffrauen beträfen Zinsen sie sehr, sagen die beiden 20-Jährigen. Trotzdem kennen sie sich noch nicht so gut damit aus. „Das war ein guter Überblick“, sagt Sara Grill. „Bei solchen Hochkarätern hören die Schüler vielleicht noch eher zu“, sagt Uwe Peleikis, Schulleiter der Kaufmännischen Schule 1. Ob den Schülern überhaupt so bewusst ist, wer da vor ihnen steht? Er glaubt, ja: „Sie sind alle im Netz und googeln, wer da kommt.“

Digitale Transformation boomt bei Bosch in Feuerbach

Isabel Schnabel ist sichtlich beeindruckt von den Schülern. „Das war großartig“, sagt sie. Junge Leute erreiche die EZB am schwierigsten. Deshalb ist sie hier. Und, um zu lernen. Das erwartet sie auch vom zweiten Stopp an diesem Tag: bei Bosch in Feuerbach. Dort schaut sie sich an, wie die digitale Transformation die Arbeit in der Fertigung beeinflusst. Sehr, wie sich herausstellt. In der Herstellung von mobilen Brennstoffzellen, die in Wasserstoffmotoren für Lkw eingesetzt werden, läuft inzwischen vieles über smarte Systeme.

Im Bosch-Werk zeigt Heiko Schmidt, der für die Serienfertigung der mobilen Brennstoffzelle in Feuerbach zuständig ist, Isabel Schnabel Digitalisierungsprozesse in der Produktion. Foto: Julika Wolf

Immer wieder stellt Schnabel Fragen, will etwa wissen, vor welchen Problemen Bosch in Sachen Wasserstoffmotor steht. „Die Sichtweise ist zu einseitig“, sagt Thomas Pauer, Präsident von Power Solutions. Für ihn ist Wasserstoff die Zukunft, doch weil die Bundesregierung auf grünen Wasserstoff setze, sei er in Europa viel teurer als in China – und die Entwicklung in China deutlich weiter als hier. Auch Bosch liefere viel an chinesische Fahrzeugbauer.

Wie ist das Fazit von ihrem Tag in Stuttgart? „Ich schätze diesen direkten Austausch mit den jungen Menschen in den Schulen und mit innovativen Unternehmen wie Bosch sehr, weil uns das andere Perspektiven auf die wirtschaftliche Entwicklung eröffnet“, resümiert Schnabel nach dem Besuch bei Bosch. „Zu verstehen, was sich hinter den abstrakten Zahlen zur Wirtschaft verbirgt, ist wichtig, um unseren Auftrag – die Wahrung der Preisstabilität – zu erfüllen.“

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