Fachkräfte gesucht Was verdient ein Bademeister in Stuttgart?

Bademeister Stefan Eckert und Azubi Jacqueline Fasolt arbeiten im Vaihinger Freibad Rosental. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die Freibadsaison läuft, doch in Stuttgart werden noch viele Auszubildende gesucht. Zwei Fachkräfte erzählen, wie sie ihre Arbeit erleben – und was auf ihrem Gehaltszettel steht.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Manchmal führt der Weg von der Allianz ans Wasser. 20 Jahre arbeitete Stefan Eckert (55) beim Stuttgarter Versicherungskonzern, bis er die die Reißleine zog. Er fühlte sich erschöpft, hatte das Gefühl, ständig Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Nach zwei Jahren Auszeit sah er die Anzeige für die Ausbildung zum Bademeister, korrekt Fachangestellter für Bäderbetriebe genannt. 2020 fing er mit der Ausbildung an.

 

Bereut hat er es nie. Eckert, ein drahtiger, sportlicher Typ, schätzt die Abwechslung in seinem neuen Beruf, den viele noch als eine Art Aufseher am Beckenrand sehen. Zwar ist der Badeaufsicht der wichtigste Teil, doch auch die Kontrollen des Bads und der Technik spielen eine wichtige Rolle. Bevor im Hochsommer um 7 Uhr die ersten Badegäste kommen, hat Eckert schon ab 5.30 Uhr das weitläufige Gelände im Vaihinger Freibad Rosental nach Hinterlassenschaften abgesucht. Im Becken hat er die Pumpanlage und die Wasserwerte des Beckens kontrolliert.

Die Aufsicht ist wichtiger geworden

Für die Aufsicht am Beckenrand hat er über die Jahre einen besonderen Blick entwickelt. Ob der Ausgang der Wasserrutsche frei ist. Wie gut und schnell der Badegast sich bewegt, ob er unbeholfen ins Wasser steigt und schwimmt. „Ich schaue jeden kurz an, wenn er ins Becken geht.“ Die Aufsicht sei wichtiger geworden. „Manche Eltern sind der Meinung, mit dem Eintrittsgeld geben sie die Verantwortung für ihre Kinder an uns ab.“

Dass Eckert problemlos seinen zweiten Beruf und auch seine Berufung fand, hängt auch mit dem Fachkräftemangel in den 16 Stuttgarter Frei- und Hallenbädern sowie Thermen zusammen. „Wir hätten kein Problem, für das kommende Lehrjahr bis zu zehn Azubis auszubilden“, heißt es. Momentan gebe es nur eine Zusage. „Es wird immer schwieriger, eigenen Nachwuchs zu finden.“ Bewerberinnen und Bewerber seien ausdrücklich willkommen.

„Auf dem Land war früher der Schwimmmeister eine Größe“

Viele seien sich wohl nicht mehr bewusst, dass die Jobs in den Stuttgarter Bädern Ausbildungsberufe mit einer großen Vielfalt seien. „Auf dem Land war früher neben dem Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer der Schwimmmeister eine Größe“, sagt einer der Schwimmbadleiter. „Heute ist der Beruf nicht mehr so präsent.“

Jacqueline Fasolt (21) hat sich dennoch für eine Ausbildung entschieden. Die ehemalige Leistungsschwimmerin, die zuvor als Rettungsschwimmerin jobbte, ist wohl eine Idealbesetzung für die Bäderbetriebe. Auch sie hat bereits einen Berufswechsel hinter sich – die Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin war ihr zu eintönig.

Viele aus ihrer Generation wüssten wenig von dem Ausbildungsjob oder zögen ihn wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten nicht in Betracht. Die Frühschicht beginnt um 5.30 Uhr, die Spätschicht endet 21 Uhr. Dazu kommen Dienste an den Wochenenden. „Viele wollen Gleitzeitmodelle“, sagt Fasolt. „Außerdem gehen sie lieber ins Büro, als auch körperlich bei Wind und Wetter zu arbeiten.“

Mit ihrem Azubilohn komme sie zurecht – weil sie noch bei ihren Eltern wohne. Nach dem jüngsten Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst erhält sie ein monatliches Entgelt von 1389,02 Euro brutto – rund 100 Euro mehr als in ihrem ersten. Ab Mai 2026 kommen nochmals 75 Euro obendrauf. Zusätzlich erhält sie eine städtische Stuttgart-Zulage von 150 Euro. Damit zählt die Vergütung zu den höchsten von Lehrberufen. Fasolt spart die Hälfte davon und kann sich dennoch noch eine kleine Urlaubsreise leisten. „Das schaffen andere Azubis nicht.“

Eckert erhält nach dem jüngsten Tarifabschluss in seiner Entgeltgruppe sechs mit seinen drei Berufsjahren monatlich 3346,55 Euro brutto. Berufseinsteiger erhalten 3152,04 Euro monatlich, nach 15 Berufsjahren steigt der Tarif auf das Maximum von 3819,26 Euro monatlich. Hinzu kommen eine tarifliche Schichtzulage pro Monat von aktuell 40 Euro – die ab Juli auf 100 Euro steigt – , Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit sowie die städtische Stuttgart-Zulage von 150 Euro. Obendrauf erhält Eckert als jährliche tarifliche Einmalzahlungen ein Jahressonder- und ein Leistungsentgelt.

Als Alleinverdiener kann man damit in der Region Stuttgart kaum eine Familie ernähren. Eckert aber ist Single, der Preis für die Mietwohnung in Böblingen ist moderat, statt Auto fährt er Fahrrad. Bleibt Geld genug, um sich Annehmlichkeiten zu leisten, dreimal die Woche gehe er mit Freunden essen, oft in einen Biergarten. Er spielt Tennis, kümmert sich um seine Eltern. „Ich komme gut zurecht.“

Security-Kräfte sind heute Teil des Freibad-Betriebs

In den Stuttgarter Bädern selbst ist der Ton allerdings rauer als früher. Mehr Badegäste fielen auf, und wer auffalle, mache mehr Rabbatz, heißt es. Vor allem bei jüngeren, männlichen Badegästen sei das der Fall. Auch deshalb sind im Vaihinger Freibad zwei Security-Kräfte unterwegs, wie auch im Freibad Möhringen und im Höhenfreibad Killesberg. Im Untertürkheimer Inselbad, wo es mit Jugendlichen in den vergangenen Jahren Probleme gab, sind es gar sechs. Sie sollen dafür sorgen, dass sich die Badegäste an die Haus- und Badeordnung halten und die Fachkräfte entlasten.

Auch Eckert und Fasolt mussten sich schon um ausfällige Badegäste kümmern, zum Glück sei dies selten der Fall. Im Kontrast steht das Gefühl, helfen zu können. Als ein kleines Mädchen einmal im Becken ohnmächtig wurde, war Eckert zur Stelle. „Das war ein gutes Gefühl.“

Stuttgarter Bäder suchen nach Azubis

Stellen
Die 16 Stuttgarter Bäder beschäftigten 130 Aufsichtskräfte, zu denen neben den Fachangestellten für Bäderbetriebe Rettungsschwimmer zählen. Aktuell machen 13 Azubis die Lehre als Fachangestellte.

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Für das kommende Lehrjahr sind aktuell noch neun Ausbildungsstellen offen. Interessenten finden die Infos unter https://www.stuttgarterbaeder.de/jobs. Auch sonst nehmen die Stuttgarter Bäder Initiativbewerbungen entgegen.

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