Fahrschulen in Stuttgart Anmeldezahlen brechen ein: Droht jetzt der Führerschein-Stau?
Die Anmeldezahlen für den Führerschein gehen deutlich zurück. Eine Stuttgarter Fahrschulinhaberin beschreibt die gefährliche Gemengelage für die Branche.
Die Anmeldezahlen für den Führerschein gehen deutlich zurück. Eine Stuttgarter Fahrschulinhaberin beschreibt die gefährliche Gemengelage für die Branche.
Die Anmeldezahlen bei den Fahrschulen brechen teils dramatisch ein. Einer bundesweiten Umfrage zufolge ist gar von 50 bis zu 70 Prozent die Rede. „Solche Alarmrufe haben wir noch nicht“, sagt Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg. Und wie sieht es in Stuttgart aus?
Von Katastrophenstimmung will Klimas Verbandskollegin Jennifer Spazier, Inhaberin von Charlys Fahrschule in Stuttgart, nicht sprechen. Sie hat einen guten Brancheneinblick und ist auch Vorsitzende des Kreisvereins Stuttgart. „Sehr, sehr viele sagen, dass es weniger wird“, sagt sie mit Blick auf die Anmeldungen in den Fahrschulen. Zahlen gibt es nicht – auch nicht von Fahrschulen, die unsere Zeitung angerufen hat. Sie sprechen teils von deutlichen Einbrüchen, wollen ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen.
„Für manche Unternehmen – vor allem größere – wird es schwierig, alle Fahrlehrer auszulasten“, sagt Spazier. Jetzt gingen die Anmeldungen nach unten und manch einer habe Probleme, wie er seine Leute beschäftigen solle. „Wenn die Anmeldungen wieder anziehen, hat man das Problem, dass man mit dem Abarbeiten nicht hinterherkommt“, beschreibt sie es. Sie befürchtet gar einen „Corona-Effekt“. Nach den monatelangen Schließungen durch die Coronapandemie stauten sich später bei den Fahrschulen die Fahrschüler. Ähnliches könnte drohen, wenn jetzt Fahrschüler massenweise ihre Ausbildung verschieben – in der Hoffnung auf sinkende Preise.
Die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) in Aussicht gestellte Kostensenkung beim Führerschein sorgt auch bei Fahrschulen in Stuttgart und Umgebung dafür, dass viele potenzielle Fahrschüler und deren Eltern die Anmeldung erst mal aufschieben. Doch der Verbandsvorsitzende Klima differenziert: Seit Anfang 2025 seien die Anmeldezahlen angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage im Land rückläufig. „Die Leute warten ab und halten das Geld zusammen, jetzt kommt noch der Schnieder-Effekt on top“, sagt er angesichts sinkender Anmeldungen im November, Dezember 2025 und Januar 2026. Wie viel der „Schnieder-Effekt“ ausmacht, lasse sich nicht beziffern. Doch Leute hätten sogar ihre teils begonnene Führerscheinausbildung unterbrochen, um erst mal abzuwarten, ob der Führerschein günstiger werde.
An den „billigeren Führerschein“ glaubt Klima nicht und hält die Ankündigungen von Schnieder für „eine Luftnummer“. Im Übrigen sei der ja mittlerweile auch zurückgerudert und habe Erwartungen an eine schnelle Reform gedämpft. Wann sie umgesetzt wird, ist unklar – ebenso ob der Führerschein dann wirklich günstiger wird.