Fairer Handel in Sindelfingen Weltladen feiert 40. Geburtstag
In dem Geschäft am Corbeil-Essonnes-Platz werden seit vier Jahrzehnten fair gehandelte Produkte verkauft. Es geht aber um viel mehr.
In dem Geschäft am Corbeil-Essonnes-Platz werden seit vier Jahrzehnten fair gehandelte Produkte verkauft. Es geht aber um viel mehr.
Ein Weltladen ist mehr als eine Verkaufsstelle für Kaffee und Schokolade, sondern eine politische Bewegung, die sich für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzt. Das zu vermitteln, ist Christine Arndt ein Herzensanliegen, das sie jeden Tag und ganz besonders bei der großen 40-Jahr-Feier des Sindelfinger Weltladens vermitteln möchte.
Sie ist seit anderthalb Jahren die Vorsitzende des Vereins, der den Laden betreibt. Dennoch weiß sie einiges über die Anfänge der Weltladen-Bewegung zu erzählen, die vor mehr als 50 Jahren ins Rollen kam. „Damals gingen christliche Jugendliche bei sogenannten Hungermärschen auf die Straße. Ihr Slogan war: ,Wir haben es satt, dass andere nicht satt werden‘“, sagt Arndt. Stuttgart und Herrenberg hätten zu den ersten Städten in Baden-Württemberg gehört, die vor 50 Jahren einen Weltladen gründeten – damals noch unter dem Namen „Dritte-Welt-Laden“, später „Eine-Welt-Laden“. Sindelfingen zog zehn Jahre später nach.
Heute lautet der Slogan der Weltläden: „Ein gutes Leben für alle“. Für Christine Arndt steckt in dem Satz all das drin, was sie persönlich antreibt. „Es muss doch möglich sein, dass es allen gut geht. Wenn wir uns alle ein bisschen anstrengen, dann kriegen wir das doch miteinander hin.“ Der Pädagogin im Ruhestand liegt besonders die Bildungsarbeit am Herzen, also mit Kindern und Jugendlichen über fairen Handel, Kinderarbeit und die Geschichten hinter den Produkten zu sprechen.
Auch mit den Kunden im Laden versucht sie ins Gespräch zu kommen und zum Beispiel zu erzählen, dass das angebotene Kunsthandwerk aus Ländern in Südamerika, Afrika und Asien oft aus kleinen Frauenkooperationen stamme. Wenn Kunden die höheren Preise der Schokolade kritisieren, erklärt sie ihnen, dass zu hundert Prozent keine Kinderarbeit drin stecke und die Familien vom ausgezahlten Lohn leben können. „Das rechtfertigt den höheren Preis.“
Arndt bedauert, dass politische Aktionen der Weltläden immer mehr in den Hintergrund gerückt seien. Das rühre wohl daher, dass das gesellschaftliche Interesse an Politik massiv gesunken sei, vermutet sie. „Wenn wir Vorträge oder Ausstellungen organisiert haben, kam keiner mehr“, so Arndt. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass sich das wieder ändert. „Die Situation in der Welt ist viel zu krass, als dass wir uns auf den Verkauf von Produkten zurückziehen können.“
Beim Festakt am Samstag, 5. Juli, wird es zwischen 10 und 15.30 Uhr rund um den Corbeil-Essonnes-Platz einen Fairen Markt geben. Dort können bei südamerikanischer Musik fair gehandelte Produkte verköstigt werden. Oberbürgermeister Bernd Vöhringer wird zur Eröffnung sprechen. Ab 11 Uhr gibt es eine Matinee zu „50 Jahre Fairer Handel“. Ab 11.30 Uhr steht ein Food Truck mit veganen Bowls bereit, ab 14 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen. Es gibt Kinderprogramm und eine Tombola, bei der jedes Los gewinnt.
Fairness
Ziel der Weltläden ist es, zu mehr Gerechtigkeit im Handel mit den Ländern des Globalen Südens beizutragen. Für dieses Ziel verkaufen sie Produkte aus Fairem Handel, beteiligen sich an politischen Kampagnen und leisten Informations- und Bildungsarbeit zu Themen des Fairen Handels.
Reichweite
Im Kreis Böblingen gibt es zehn Weltläden, in Deutschland rund 900, europaweit sind es rund 2500. Bundesweit engagieren sich 30 000 Menschen bei den Weltläden, die meisten von ihnen ehrenamtlich.