Fall des VfB-Kapitäns im Fokus Der falsche Platzverweis für Atakan Karazor beschäftigt die Regelhüter des Fußballs

Abgang im Frust: Atakan Karazor nach seinem Platzverweis in Wolfsburg. Foto: Pressefoto Baumann/Cathrin Müller

Führt der falsche Platzverweis gegen Atakan Karazor im Spiel gegen den VfL Wolfsburg zu einer Erweiterung der Kompetenzen des Video-Schiedsrichters? Knut Kircher bezieht Stellung.

Es war die krasseste Benachteiligung des VfB Stuttgart in dieser Saison: Am fünften Spieltag Ende September sah Kapitän Atakan Karazor in der Bundesliga-Partie beim VfL Wolfsburg in der 63. Minute die Gelb-Rote Karte, obwohl nicht er Maximilian Arnold gefoult hatte – vielmehr war Karazor in der fraglichen Szene von seinem Wolfsburger Gegenspieler getroffen worden.

 

Schiedsrichter Sven Jablonski hatte den Zweikampf anders wahrgenommen, schickte den bereits verwarnten VfB-Profi vom Feld – und konnte vom Video Assistant Referee (VAR) nicht korrigiert werden, weil der Kölner Keller bei Gelben Karten protokollgemäß nicht eingreifen darf. Folglich blieb die Fehlentscheidung bestehen, weshalb der Fall Karazor nun ein Nachspiel hat.

„Wir überlegen ständig, wie wir mit den Erfahrungen, die wir gemacht haben, umgehen. Und wie man mehr Klarheit ins Regelwerk bringen kann“, sagt Knut Kircher, der Geschäftsführer der DFB Schiedsrichter GmbH. Deshalb legte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als Mitglied des Weltverbandes Fifa die Szene dem Gremium vor, das die Regeln des Fußballs hegt und pflegt und gegebenenfalls auch verändern kann.

Das International Football Association Board (Ifab) beschäftigte sich in seiner Sitzung Anfang Dezember mit dem Fall Karazor – und überlegt nun, wie es weiter vorgeht. Die Motivation von Knut Kircher liegt auf der Hand: „Es wäre absolut wünschenswert und sinnvoll, einen so klaren Fehler über den Videobeweis korrigieren zu dürfen.“ Wohl wissend, dass damit natürlich nicht alle Probleme gelöst wären.

Knut Kircher ist seit Sommer 2024 Geschäftsführer der DFB Schiedsrichter GmbH. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Denn klar ist, dass der VAR auch künftig nicht jede Gelbe Karte überprüfen wird. Hätte Karazor also die erste Verwarnung durch eine Fehlentscheidung kassiert und die zweite Gelbe Karte wäre berechtigt gewesen, hätte ihn auch ein Video-Assistent, der nach Gelb-Roten Karten die zweite Verwarnung überprüft, nicht retten können.

„Natürlich gibt es immer eine zweite Seite der Medaille“, sagt Knut Kircher, „trotzdem sind wir dafür, dass man Irrtümer oder Wahrnehmungsfehler, die bei der zweiten Gelben Karte vorliegen, korrigieren können muss.“ Dieser Einschätzung würde, so ist zu vermuten, nicht nur Atakan Karazor zustimmen.

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