Zugeparkte Gehwege, unübersichtliche Kreuzungen – für Kinder und Eltern sind Falschparker auf dem frühmorgendlichen Schulweg ein Dauerthema. Doch die Gefahr, als Falschparker vor 8 Uhr in Stuttgart einen Strafzettel zu bekommen, ist auch in diesem Jahr bisher gering. Ein Lichtblick: Im laufenden Jahr ahndet die Stadt morgens vor Schulbeginn häufiger Parkverstöße als in den vergangenen Jahren. Das zeigen Zahlen des städtischen Ordnungsamts, die unsere Redaktion ausgewertet hat.
Wie bereits in den vergangenen Jahren verteilen die Mitarbeitenden der Verkehrsüberwachung vor 8 Uhr morgens nur einen Bruchteil aller Strafzettel, die insgesamt für Parkverstöße anfallen. Weil sie meistens erst ab 8.30 Uhr Dienst tun, wurden zwischen Januar und September 2024 von 6 bis 8 Uhr knapp 19 000 Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr erfasst – das sind rund 69 pro Tag und etwas weniger als sechs Prozent aller Strafzettel. Nach Schulbeginn sind die Kontrolleure dagegen viel mehr unterwegs: Zwischen 8 und 10 Uhr wurden etwa doppelt so viele Strafzettel verteilt wie in den zwei Stunden davor – etwa 127 Falschparker pro Tag. Zwischen 10 und 12 Uhr fällt etwa jedes vierte aller verteilten Knöllchen an, mit rund 310 geahndeten Parkverstößen pro Tag.
Anzeichen für Trendumkehr im laufenden Jahr
Auch wenn also frühmorgens immer noch selten kontrolliert wird: Die Zahlen deuten auf eine Trendwende hin. Denn im Vergleich zu den Vorjahren wurden bis Ende September vor Schulbeginn mehr Strafzettel verteilt – die knapp 19 000 dokumentierten Parkverstöße entsprechen einer Zunahme von rund acht Prozent im Vergleich zu 2023 und übertreffen auch die Zahl von 2022. Betrachtet man den ganzen Tag oder auch nur den Vormittag von 8 bis 12 Uhr, geht die Zahl der Strafzettel von Januar bis September hingegen seit Jahren zurück und ist auch 2024 gesunken.
Nun könnte man annehmen, die Zahlen erklärten sich schlicht dadurch, dass mal öfter, mal seltener falsch geparkt wird. Doch das ist eher unwahrscheinlich. Laut Verkehrsüberwachung bleibt die Neigung zum Falschparken konstant – wie viele Verstöße geahndet würden, hänge mit dem verfügbaren Personal zusammen. Damit könnte sich das Bemühen der Behörde um mehr frühmorgendliche Kontrollen nun auch in der Zahl der Strafzettel niederschlagen. Die Verkehrsüberwachung setzt seit einigen Jahren insgesamt 16 Mitarbeitende bereits ab 6 Uhr zur Überwachung der Schulwege ein.
Die vergleichsweise seltenen Kontrollen am frühen Morgen hatte die Initiative „Kidical Mass“, die sich für Sicherheit auf Schulwegen einsetzt, bereits anhand von Zahlen der vergangenen Jahre bemängelt. Erst kürzlich stellte sie zudem auf einem morgendlichen Rundgang im Rahmen ihres jährlichen „Schulweg-Checks“ eine deutliche Zunahme von „schwerwiegenden Parkverstößen und anderen vermeidbaren Gefahrenstellen“ auf den Schulwegen von 13 Stuttgarter Grundschulen fest.
Stärkere Kontrollen auch zum Schuljahresauftakt
Stadt und Polizei betonen, man lege zu Schuljahresbeginn ein besonderes Augenmerk auf sicherere Schulwege. Speziell an den Grundschulen sollen Kinder für den Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad fit gemacht werden, unter anderem durch Verkehrssicherheitstrainings. Ziel ist laut Stadt und Polizei aber auch, die erwachsenen Verkehrsteilnehmer in die Pflicht zu nehmen und für ein umsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten zu sensibilisieren. Gelingen soll das unter anderem mit Schwerpunktkontrollen vor 8 Uhr morgens.
Auffällig im laufenden Jahr: Auch wenn „Kidical Mass“ mehr morgendliche Gefahrenstellen ausmacht als zuvor, ist zumindest die Gesamtzahl der Strafzettel gestiegen, die in den ersten drei Schulwochen nach den Sommerferien für Parkverstöße vor 8 Uhr verteilt wurden – von etwa 1 420 in den beiden Vorjahren auf rund 1 570 in diesem Jahr. Der bisher positive Trend des Gesamtjahres hat also auch zum Auftakt des Schuljahres angehalten.
Trotz der zuletzt häufigeren frühmorgendlichen Kontrollen dürfte die Dunkelziffer der Parkverstöße vor Schulbeginn aber weiterhin hoch sein. „Kidical Mass“ geht auf Basis ihrer „Schulweg-Checks“ von täglich mehreren hundert Gefahrenstellen auf den Schulwegen aus, ein Großteil davon verursacht durch Falschparker. Auch die Aktion „Achtung, Schulweg!“ unserer Zeitung hat gezeigt, dass an zahlreichen Stellen in Stuttgart falsch parkende Autos die Schulwege unsicherer machen. Mehr als jede Vierte der rund 1300 aus Stuttgart eingegangenen Gefahrenmeldungen bezieht sich auf regelmäßige Parkverstöße.
Parkverstöße in Stuttgart
Daten
Die städtische Verkehrsüberwachung erfasst jährlich alle geahndeten Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr in einer Liste; die Listen der Jahre 2021 bis 2023 sind auf der Webseite der Stadt veröffentlicht. Für das laufende Jahr sind die erfassten Ordnungswidrigkeiten bisher nicht öffentlich verfügbar, das Ordnungsamt hat unserer Redaktion aber auf Anfrage einige Gesamtsummen vorab übermittelt.
Falschparker
In den Listen wird keine weitergehende Unterscheidung der Art der Ordnungswidrigkeit vorgenommen wird – die Zahlen darin sind also nicht absolut deckungsgleich mit der Menge der tatsächlichen Parkverstöße. Letztere dürften stets etwas geringer ausfallen. Laut Ordnungsamt sind die Abweichungen allerdings vernachlässigbar, da andere Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr, etwa Zulassungsverstöße, vergleichsweise selten registriert werden.