Seit fast zwei Wochen fehlt von Sven K. jede Spur. In Stuttgart-Freiberg ist der Trottwar-Verkäufer, der gern barfuß unterwegs ist, gut bekannt. Jetzt klingelt sein Telefon ins Leere.

Familie/Bildung/Soziales: Hilke Lorenz (ilo)

Sein Markenzeichen sind die fehlenden Schuhe. Wenn die Witterung es zulässt, ist Sven K. barfuß unterwegs. So kennen ihn seine Kunden in Stuttgart-Freiberg. Dort steht er regelmäßig vor der Einkaufsmeile Kaufpark und verkauft die Straßenzeitung Trottwar – bis vorletztes Wochenende.

 

Denn seit 13. Oktober wird der Mann mit den langen Haaren nun schon vermisst. Seine Familie, so ist einem Post auf Facebook zu entnehmen, ist in großer Sorge. „Wir vermissen unseren Bruder“, heißt es darin. Sven K. leide unter psychischen Problemen.

In Stuttgart-Freiberg lebt der 43-Jährige deshalb in einer Einrichtung mit Betreuung. Die Familie geht den Weg über die sozialen Medien, um aktiv nach Sven K. zu suchen. „Natürlich sind alle wichtigen Stellen über sein Verschwinden informiert“, heißt es dort. Die Polizei bestätigt die Vermisstenmeldung.

Nur die Mailbox antwortet

In großer Sorge ist man auch bei Trottwar. „Er hat für uns seit 2021 Zeitungen verkauft“, sagt Daniel Knaus, Chef vom Dienst bei Trottwar. Es geschehe zwar ab und zu, dass Menschen nicht mehr auftauchen, weil sie sich anders orientieren. Aber es sei sehr ungewöhnlich, dass jemand, der so regelmäßig viel Zeit bei Trottwar zugebracht habe, plötzlich nicht mehr auftauche.

Umso größer ist die Besorgnis bei allen. „Ich rufe ihn regelmäßig auf seinen Handy an“, sagt Knaus. Aber es gehe immer nur die Mailbox dran. „Die Ungewissheit belastet hier alle.“ Alle würden mit der Familie hoffen und bangen.

Sven K. hat sich bei Trottwar handwerklich eingebracht, er habe Fotokameras und Kaffeemühlen repariert. „Er hat viele Interessen.“ Trottwar versteht sich als niederschwelliges Sozialangebot. Der Zeitungsverkauf ist nur eines von vielen Angeboten. Sven K. habe es angenommen, um Struktur in seinen Tag zu bringen.

Dabei kommt ihm wohl entgegen, dass er vielseitig interessiert ist. Erst jüngst überlegte er, ob er eine alternative Stadtführung anbieten solle. „Er ist gut mit Menschen ins Gespräch gekommen“, sagt Knaus. Seine Lebenswelt sei schon lange Stuttgart. Und wenn es zu kalt ist, dann trage er auch Schuhe. Weshalb er jetzt wahrscheinlich nicht barfuß unterwegs sei. „Aber er liebt die Natur und den Wald schon sehr“, sagt Knaus.

Bei Trottwar liegt auch ein Artikel, den der Vermisste für die nächste Zeitungsausgabe noch fertig machen wollte. Darin vergleicht er Stadttauben mit obdachlosen Menschen. Beide würden ähnlich diskriminiert. „Er hat ein sehr empathischen Denken“, sagt Knaus.

Fotos des Vermissten finden Sie aus datenschutzrechtlichen Gründen in unserer Bildergalerie.

Hinweise

Polizei
Wer Hinweise geben kann, wo sich Sven K. aufhält, kann das bei der Polizei unter der Telefonnummer 0711/8990-5778 tun.