Vor einem Jahr sah es danach aus, als hätte sich der Aichwalder Wursthersteller Rehm wieder gefangen. Mit einer gestrafften Produktpalette war es dem Familienunternehmen eigenen Angaben zufolge gelungen, nach der Insolvenz im Jahr 2019 wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen und neue Kunden im Handel zu gewinnen. Nach Angaben vom September vergangenen Jahres hatte der Hersteller, dessen Name Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem von den Verpackungen der Dosenwurst und der Maultaschen in den Kühlregalen der Supermärkte in der Region kennen, 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nun dürften es bald weniger sein: Wie Rehm am Mittwoch bestätigte, entließ das Unternehmen an diesem Tag Beschäftigte.
Wie viele und aus welchen Gründen, dazu gibt Frank Roth, der gemeinsam mit seinem Onkel Wolfgang Rehm die Geschäfte führt, keine weitere Auskunft. „Ja, wir haben heute Kündigungen ausgesprochen“, sagt Roth. „Ich kann im Moment aber keine ausführlichen Erklärungen dazu abgeben.“
Wursthersteller unter Druck
Keine Neuigkeit ist, dass der Markt, in dem sich Rehm bewegt, hart umkämpft ist. Wurstwarenhersteller sind dem Preisdruck vonseiten der Lieferanten und der Großkunden im Lebensmitteleinzelhandel ausgesetzt. Hinzu dürften wie in vielen Wirtschaftszweigen nun steigende Energiepreise kommen. Schon 2021 war nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Wurst- und Schinkenproduzenten (BVWS) ein schwieriges Jahr für seine Mitglieder. Die Produktion von Wurstwaren nahm nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 8,9 Prozent auf etwa 1,4 Millionen Tonnen ab.
Zu den Gründen für diese Entwicklung zählen dem BVWS zufolge „die pandemiebedingten Einschränkungen in der Gastronomie, Engpässe durch die Unterbrechung der Lieferketten beispielsweise bei Ersatzteilen für Produktionsanlagen und ein allgemein sinkender Verzehr“, wie der Verband auf seiner Webseite schreibt.
Rehm will sich am Donnerstag äußern
Bereits im Frühsommer 2019 war Rehm in die Schlagzeilen gekommen. Damals musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Steigende Preise für Schweinefleisch hatten offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Folge sei eine bilanzielle Überschuldung gewesen, was nicht gleichzusetzen sei mit einer Zahlungsunfähigkeit, betonte Wolfgang Rehm in einem Pressebericht ein Jahr später.
Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wurde der Betrieb, der mittlerweile seit 84 Jahren besteht, saniert. Die Eugen Rehm Esslinger Fleischwaren GmbH & Co. KG wurde von der Rehm Fleischwaren GmbH übernommen und blieb also familiengeführt. Die Zahl der Mitarbeiter war den Angaben von damals zufolge weitgehend gleich geblieben. Es habe nur wenige Kündigungen gegeben. Zur Restrukturierung gehörte aber der Verzicht auf Zeitarbeiter, die zuvor 10 bis 15 Prozent des Personals ausgemacht hatten.
Wie es nun weitergeht und was die Hintergründe für die Kündigungen bei Rehm sind, dazu will die Firmenspitze erst an diesem Donnerstag die Presse und die Öffentlichkeit informieren – um alles so geordnet wie möglich ablaufen zu lassen, wie Frank Roth sagt.
Für die Gemeinde Aichwald kam die Nachricht überraschend. Laut Bürgermeister Andreas Jarolim war das Rathaus über die Veränderungen bei Rehm am Mittwoch nicht informiert. Für die Gemeinde sei der Betrieb, der seinen Sitz im Teilort Aichschieß hat, ein wichtiger Arbeitgeber sowie eine Art Aushängeschild, da die Marke Rehm und ihre Produkte in den Supermärkten in der Region wahrnehmbar seien für die Bevölkerung.