Fans des VfB Stuttgart Kosten, Aufwand, Material – das steckt hinter der Choreo zu 100 Jahre Brustring

  Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann

Anlässlich des Jubiläums von 100 Jahre Brustring am vergangenen Samstag zeigten die VfB-Anhänger eine Choreografie, die es so in Stuttgart noch nie gab. Das steckt dahinter.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Wenn in Fußballstadien für besondere Anlässe besondere Choreografien zu sehen sind, dann entsteht vor Anpfiff einer Partie meist für mehrere Minuten ein ganz spezielles Bild. Oft ist es einem Anlass gewidmet. Das kann ein Jubiläum einer Gruppe sein oder ein spezielles Spiel, das einen entsprechenden Rahmen verdient hat.

 

So wie vor Jahren das Derby gegen den Karlsruher SC, als vor der Cannstatter Kurve eine Choreo mit einem Rittermotiv gezeigt wurde, über die man heute noch spricht. Manchmal wird auch ein Spieler ganz besonders gewürdigt, wie bei Zvonimir Soldos letztem Spiel für den VfB, als die Kurve in den kroatischen Nationalfarben erstrahlte und ein Spruch über die komplette Kurve gezeigt wurde („Der Leitwolf legt sich zur Ruhe“). Oder es gibt einen vereinshistorischen Anlass, wie die am letzten Samstag gefeierten „100 Jahre Brustring“. In allen Fällen ist eines sicher: Hinter so einer Choreo stecken wochen-, meist monatelange Arbeit, horrende Summen und jede Menge Hingabe.

Monatelange Vorbereitung

Wie das en détail aussieht, lässt sich an diesem Beispiel hervorragend aufzeigen. Die Ultra-Gruppierung Commando Cannstatt 97, die hinter der Choreografie vom Wochenende steckt, hat das auf dem Flyer, der die Aktion kommuniziert und gleichzeitig für alle Stadionbesucher als Handlungsanweisung fungiert hat, transparent gemacht. „[…] Für ein solches Projekt gab es einiges zu tun: fast 10 000 Quadratmeter Stoff wurden genäht, Archive nach Bild- und Film-Material durchkämmt und die Motive anschließend mit mehreren hundert Litern Farbe auf Stoff gemalt“, heißt es da. Besonders aufwendig: Alle 56 000 ausgeteilten Folienfähnchen wurden in von der Gruppe in Handarbeit hergestellt, das allein nahm Hunderte Stunden in Anspruch. Wie viele genau, das vermag bei der Gruppe niemand ganz genau aufzuzählen.

Was man auch leicht vergisst, aber nicht zu unterschätzen ist: Der logistische Aufwand. So braucht es für die Produktion einer solchen Choreo entsprechende, witterungsunabhängige Flächen. Die zudem meist geheim gehalten werden müssen, damit bei der Herstellung nichts dazwischenkommt. Einmal hergestellt, muss die Choreo mit all ihren Bestandteilen zum Stadion gebracht und dort entweder gleich aufgebaut oder aber über Nacht zwischengelagert werden. Der sogenannte Fahnenraum, auf den die organisierte Szene am Stadion zurückgreifen kann, reicht für Aktionen dieser Größe bei Weitem nicht aus.

Diese Choreo zeigten die VfB-Anhänger in Berlin. Foto: Pressefoto Baumann

Das alles vorausgesetzt, entstand gegen Borussia Mönchengladbach der unter dem Oberrang platzierte, fast rundum gezeigte (Ausnahme: der Auswärtsblock) rote Brustring. Dann wurden auf jeder der vier Tribünen je eine riesige Blockfahne ausgerollt, mit ikonischen Motiven aus der Vereinsgeschichte, unter anderem vom Pokalfinale von Berlin im letzten Mai. Für die Koordination einer solchen Aktion sind Dutzende Personen im ganzen Stadion im Einsatz, rund 130 waren es beim Spiel gegen Gladbach.

Aufbau beginnt bereits Tage zuvor

Der Aufbau für die Choreografie beginnt derweil bereits Tage zuvor, im aktuellen Falle begann alles letzten Donnerstag. Spätestens am Spieltagmorgen wird die Choreografie abgenommen, hierbei sind unter anderem Vertreter von Stadion, Sicherheit, Feuerwehr, Ordnungsamt und Fanbetreuung beteiligt – die zum Teil auch schon im Vorfeld miteinbezogen werden, was die Gruppe wie folgt zusammenfasst: „Dazu wurden die mittlerweile üblich gewordenen bürokratischen Hürden überwunden, um dieses besondere Jubiläum von unserer Seite angemessen mit der ersten Choreografie zu zelebrieren, welche das gesamte Neckarstadion umfasst.“

Damit alles wie gewünscht klappen kann, ist nicht nur monatelange Planung und Vorarbeit nötig, sondern auch eine gute Stange Geld. Die Choreo von letztem Wochenende verschlang eine mittlere fünfstellige Summe. Geld, das von der Gruppe allein aufgebracht wurde. Zuschüsse, etwa aus der Clubkasse, gab es keine. Alle Mittel kommen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden des „Fördergruppe CC e.V.“ (FGCC). Für eine Choreografie wie jene vom vergangenen Wochenende werden Mittel in einer mittleren fünfstelligen Höhe benötigt. Für eine wie die beim Pokalfinale in Berlin, die zwar bei weitem nicht so groß, dafür aber technisch noch einmal deutlich komplexer war wie die gegen Mönchengladbach, kann die Summe entsprechend steigen.

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