Die fünfte Jahreszeit nähert sich dem Höhepunkt. In Stuttgart ist von Donnerstag an einiges geboten. Das sind die wichtigsten Faschings-Veranstaltungen.
Manche sagen, in Stuttgart habe die Fasnet keine Tradition. Dafür gibt es in der Landeshauptstadt aber eine erkleckliche Anzahl von Fasnets- und Karnevalsvereinen, die Rathäuser stürmen, Garde tanzen, sich Kübelesrennen liefern, im Häs durch die Straßen ziehen und am Aschermittwoch tränenreich ihre Geldbeutel waschen. In der fünften Jahreszeit ist in Stuttgart einiges geboten – vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung, vom Maskenball bis zum Guggenkonzert, vom Straßendapp bis zum großen Umzug. Wir geben eine Übersicht – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Schmotziger Donnerstag, 12. Februar:
Närrischer Wochenmarkt in Stuttgart-Bad Cannstatt: Die Lumpenkapelle spielt auf, die Felben schwingen ihre Ratschen und das Mondlöscherballett die Beine – beim närrischen Wochenmarkt auf dem Cannstatter Marktplatz geht es stets hoch her. Beginn ist um 10 Uhr.
Rathaussturm in Stuttgart-Weilimdorf: Die Weilemer Hörnleshasa hoppeln, pardon – stürmen, an die Macht. Am Schmotzigen um 17.05 Uhr übernehmen die Narren im Weilimdorfer Bezirksrathaus das Kommando. Von 15.30 Uhr an gibt es am Löwen-Markt schon Bewirtung und Musik.
Kübelesrennen in Stuttgart-Bad Cannstatt: Beim Kübelesrennen ist Tempo drin – und nicht nur Cannstatterinnen und Cannstatter wollen sehen, welcher dreirädrige Holzkübel als erstes über die Ziellinie kommt. Entsprechend früh muss da sein, wer einen guten Platz am Cannstatter Marktplatz haben will. Los geht der actionreiche Höhepunkt der Cannstatter Straßenfasnet um 19 Uhr.
Fasnetsfreitag, 13. Februar:
Storchenball in Stuttgart-Zuffenhausen: Wenn andere Stuttgarter Fasnets- und Karnevalsvereine durchschnaufen und Anlauf für den Höhepunkt der tollen Tage nehmen, geben die Schwarzen Störche Vollgas. Traditionell ist der Storchenball am Fasnetsfreitag, wo es anderswo eher ruhig zugeht. Los geht es in der Zuffenhausener Hohensteinschule (Hohensteinstraße 25) um 19.61 Uhr, 20 Uhr nach nicht-närrischer Zeit, der Einlass beginnt um 18.45 Uhr. Der Eintritt kostet 19,99 Euro, die Kartenbestellung geht online unter schwarze-stoerche.de/storchenball/ oder telefonisch unter 0174/7928285. Eine Abendkasse gibt es auch.
Nachtumzug in Stuttgart-Mühlhausen: Es ist der Höhepunkt der Mühlhausener Fasnet – die Donnerhexen machen sich auf zum stimmungsvollen Nachtumzug in den Weinbergen und Straßen Mühlhausens. Um 18.30 Uhr beginnt in den Weinbergen die Aufstellung, um Punkt 19.11 Uhr startet der Umzug. Um zuzuschauen sind drei Euro Eintritt fällig. Anschließend findet in der Turn- und Versammlungshalle in der Arnoldstraße 10 eine Narrenparty statt.
Kostümparty in Stuttgart-Vaihingen: Die Schwarzen Husaren sind ebenfalls in Feierlaune und laden in den Rudi-Häussler-Bürgersaal (Schwabenplatz 3) zur Kostümparty. Ein DJ legt auf, während die Husaren die Nacht vor Faschingssamstag zum Tag machen. Einlass ist um 19.30 Uhr, um 20 Uhr geht’s los. Die Tickets kosten zwölf Euro, es gibt sie online unter schwarze-husaren.de/ticket-shop/.
Fasnetssamstag, 14. Februar:
Straßendapp und Narrensause in Stuttgart-Feuerbach: Der Straßendapp ist der kleine Bruder des großen Fastnachtsumzugs – und deshalb umso netter. Die verschiedensten Häs- und Kostümträger – von den Wolfskehlen bis zu den Waschweibern – schlendern durch den Feuerbacher Ortskern und treiben gutmütigen Schabernack. Los geht es um 10 Uhr, wenn die Glocken der Stadtkirche St. Mauritius läuten. Vom Straßendapp geht es um 13 Uhr gleich weiter ins Bürgerhaus (Stuttgarter Straße 15) zur Narrensause – hier kann man sich dann auch wieder aufwärmen. Der Eintritt ist frei.
Kinder-Küblerball in Stuttgart-Bad Cannstatt: Bevor am Abend die großen Kübler im Cannstatter Kursaal (Königsplatz 1) feiern, sind am Nachmittag die Kleinen dran. In diesem Jahr lautet das Motto „Küblerabenteuer im Weltall“. Einlass ist um 13 Uhr, um 13.30 Uhr geht’s los. Die Tickets (die man nur bei Uhren Hoffmann, Marktstraße 36, kaufen kann) kosten für Kinder ab drei fünf Euro, für Erwachsene acht Euro.
Kinderfasching in Stuttgart-West: Tanzmariechen, Kinderschminken und Kostümwettbewerb – die Karnevalsgesellschaft „Zigeunerinsel“* lädt kleine Narren ins Bürgerzentrum West (Bebelstraße 22). Einlass ist um 13 Uhr, das bunte Faschingsprogramm startet um 14 Uhr. Tickets kosten für Kinder zwei, für Erwachsene vier Euro.
Scillamännle-Kinderfasching in Stuttgart-Hofen: Ganz Hofen macht blau – in der Grundschule (Walchenseestraße 15) geht das Scillamännle um. Die Hofener Fasnetsgesellschaft präsentiert ab 14.30 Uhr ein buntes Programm mit Musik und Spielen für kleine Närrinnen und Narren. Karten gibt es an mehreren Vorverkaufsstellen im Ort, sie kosten drei Euro.
MTV-Faschingsparty im Perkins Park in Stuttgart-Nord: Legendär sind die Faschingspartys des MTV Stuttgart. In diesem Jahr steigt die Sause von Stuttgarts größtem Sportverein im Perkins Park. Gespielt werden Faschingshits und Schlager. Die Tickets kosten 15 Euro, an der Abendkasse 17 Euro.
Rössleball in Stuttgart-Feuerbach: Hexentanz und Männerballett, Guggenmusik und Garde – beim Rössleball ist für jeden was dabei, egal ob er persönlich lieber Karneval, Fasnet oder Fasching feiert. In der Feuerbacher Festhalle (Kärtner Straße 48) wird ab 19.11 Uhr gefeiert. Die Ticketpreise beginnen bei 21 Euro, es gibt sie online auf der Homepage des Karnevalsclubs Stuttgarter Rössle: stuttgarter-roessle.de/eintrittskarten.
Möbelwagen-Prunksitzung in Stuttgart-Degerloch: Das Stuttgarter Stadtprinzenpaar gibt sich die Ehre – die Faschingsmajestäten feiern in der Turn- und Versammlungshalle in Degerloch (Albstraße 70). Hier hält die Karnevalsgesellschaft Möbelwagen ab 19.11 Uhr ihre „etwas andere“ Prunksitzung ab – weniger Sitzung, mehr Party. Tickets gibt es ab 35 Euro online.
Küblerball in Stuttgart-Bad Cannstatt: Der Kursaal fest in Narrenhand – wo einst vor über hundert Jahren der erste Küblerball überhaupt stattfand, feiern auch heute noch Felben, Waschweiber, Trotzblech und Mondlöscherballett. Der Einlass beginnt um 19.11 Uhr, los geht’s um 20.01 Uhr. Im Vorverkauf sind die Tickets für 15 Euro zu bekommen (bei Easyticket oder Uhren Hoffmann in der Marktstraße), an der Abendkasse kosten sie 20 Euro.
Scillaball in Stuttgart-Hofen: Ratzfatz ausverkauft waren auch in diesem Jahr die Tickets für den Scillaball, der wie immer ab 19 Uhr in der Grundschule Hofen (Walchenseestraße 15) steigt – eine Abendkasse gibt es leider nicht. Eine gute Party wird es bei dem Ansturm bestimmt. Darauf ein dreifaches „Blüh-auf“!
Fasnetssonntag, 15. Februar:
Kinderfasching in Stuttgart-Feuerbach: Tombola, Tanz und Kostümprämierung – Stuttgarter Rössle und das Stadtorchester Feuerbach laden zum Kinderfasching in die Feuerbacher Festhalle (Kärtner Straße 48). Einlass ist um 13 Uhr, los geht’s mit einem bunten Programm um 14 Uhr.
Felben-Festspiel in Stuttgart-Bad Cannstatt: Am Sonntag ruhen sich viele Narren aus und schöpfen Kraft für den Endspurt. Einen Programmpunkt gibt es aber: Am Mühlgrün in Bad Cannstatt spielen die Kübler um 16.30 Uhr kurz vor der Dämmerung ihre Felben-Saga – die Geschichte, wie die Cannstatter zum Spitznamen „Felbenköpfe“ kamen. Danach zieht man zur Cannstatter Stadtkirche, Narrengottesdienst feiern.
Rosenmontag, 16. Februar:
Kinder-Faschingsumzug in Stuttgart-Sillenbuch: Angeführt vom Drachen Drasibu und den Esslinger Guggenmusikern Zogumu ziehen am Rosenmontag die Sillenbucher Kinder vom Bezirksrathaus (Aixheimer Straße 28) über die gesperrte Kirchheimer Straße zum Clara-Zetkin-Haus. Dort gibt es für die kleinen Narren kostenlos Kinderpunsch, Brezeln, Fasnetsküchle und Quarkbällchen - solange der Vorrat reicht. Um die Umwelt zu schonen, wird es keine Einwegbecher geben, jeder bringt seinen Becher selbst mit. Wer Lust hat, kann auf Ponys reiten (1,50 Euro) oder eine Kutschfahrt machen (2 Euro). Im Jugendhaus steigt ab 15 Uhr eine Kinderdisco. Hier werden die coolsten Kostüme mit Büchergutscheinen prämiert. Treffpunkt am Bezirksrathaus um 13 Uhr.
Rathaussturm in Stuttgart-Mühlhausen: Das Palm’sche Schloss in Narrenhand - am Rosenmontag wird in Mühlhausen mit Macht das Rathaus gestürmt. Los geht es um 13.30 Uhr vor dem Bezirksrathaus (Mönchfeldstraße 35). Alle Fasnetszünfte des Stadtbezirks sind dabei - und bekommen beim Stürmen noch Unterstützung von außerhalb. Schlossgeister, Donner-Hexen und die Narrenzunft Eschbachwald aus Mönchfeld zwingen Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann mit viel Schabernack zur Kapitulation.
Kinderfasching in Stuttgart-Birkach: Viele kleine Narren erwartet das Kinder- und Jugendhaus Birkach (Grüninger Str. 18) um 14 Uhr zur Faschingssause. Eingeladen sind alle Kinder im Grundschulalter. Sie erwarten viele lustige Spiele und eine ausgelassene Stimmung bei Faschingsmusik. Die Party geht bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.
Kinderfasching in Stuttgart-Botnang: Beim Botnanger Liederkranz fliegen am Rosenmontag die Löcher aus dem Käse und das Konfetti in die Luft. Die Kinderfaschingsparty in der Liederkranzhalle (Brahmsweg 24) beginnt um 14.33 Uhr (Einlass: 14 Uhr). Geplant sind jede Menge Spiele, die Gardegruppen von den Contactern aus Gerlingen und der „Zigeunerinsel“* sind auch zu Gast. Kinder zahlen einen Euro, Erwachsene zwei Euro Eintritt.
Kinderfasching im Rathaus in Stuttgart-Mitte: Kleine Narren haben im Stuttgarter Rathaus zwischen 14 und 17 Uhr das Sagen. Auf Piraten, Polizistinnen und Clowns zwischen drei und zehn Jahren wartet im Großen Sitzungssaal ein buntes Programm der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen – unter anderem mit einem Gardetanz-Workshop. Der Eintritt ist frei. Anmelden kann man sich bis 9. Februar (Veranstaltungsnummer 260216) auf der Website der Stadt: stuttgart.de/anmeldung‐protokoll
Guggen-Monster-Konzert in Stuttgart-Mitte: Achtung, hier wird es laut und schräg! Verschiedene Guggenmusik-Kapellen spielen ab 18 Uhr auf der Rathaustreppe am Marktplatz. Organisiert wird das Guggen-Monster-Konzert von der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen.
Schnurren in Stuttgart-Bad Cannstatt: Der vielleicht persönlichste, heimeligste und witzigste Programmpunkt der Fasnet in der Sauerwasserstadt – Schnurrgruppen ziehen am Montagabend durch die Cannstatter Kneipen, singen ihre Lieder oder tragen spaßige Gedichte vor und nehmen ganz generell die Gäste auf den Arm. Ab 19.30 Uhr geht’s los – in diesem Jahr unter anderem im Roten Hirsch, der Weinstube Zaiß oder der Sattlerei.
RoMo-Party in Stuttgart-Hofen: Wer für den Scillaball kein Ticket mehr erwischt hat, kann auf der RoMo-Party der Scillamännle abtanzen. Los geht’s um 19 Uhr in der Turnhalle der Grundschule Hofen (Walchenseestraße 15).
Faschingsdienstag, 17. Februar:
Geizig-Rufen und Kinderumzug in Stuttgart-Bad Cannstatt: Um 12 Uhr beginnt in der Marktstraße in Bad Cannstatt das traditionelle Geizig-Rufen. Was es damit auf sich hat? Eine Horde Kinder – bis zu 800 sagen die Kübler – ziehen, angeführt vom „Geizig“, von Laden zu Laden und rufen „Geizig, geizig, geizig isch der Bäck. Und wenn er net so geizig wär, no gäb er au a paar Brezla her!“ Das lassen sich die Cannstatter Ladenbesitzer natürlich nicht vorwerfen und bedenken die Kinder mit diversen Leckereien. Um 14.30 Uhr steht der bunte Kinderumzug an. Belohnt werden die kleinen Narren um 15 Uhr beim traditionellen „Wurstsegen“ mit einer Roten im Brötchen und vielen Spielstationen auf dem Marktplatz.
Fasnetsumzug in Stuttgart-Hofen: 80 Gruppen mit rund 2000 Teilnehmern haben sich angemeldet – um 13 Uhr beginnt der traditionelle Fasnetsumzug der Scillamännle durch die Straßen und Gassen von Hofen. Der Einlassbändel fürs Publikum kostet drei Euro. Ab 10 Uhr trifft man sich in der Hogamale-Bar im Hinterhof der Gaststätte Ochsen. Auf dem Kelterplatz öffnet das „Narrendorf“ um 11 Uhr.
Großer Faschingsumzug in Stuttgart: Narri Narro! Aus der ganzen Region kommen die Narren zum großen Umzug nach Stuttgart. Los geht er um 14 Uhr. Es ist der Höhepunkt der Faschingszeit. Mehrere tausend Hästräger und Zuschauer werden in der Landeshauptstadt erwartet. Im vergangenen Jahr standen 90.000 an der Strecke. Ausgerichtet wird die Großveranstaltung von der Gesellschaft Möbelwagen.
Brunnengeistversenken in Stuttgart-Bad Cannstatt: Ein symbolischer Abschied von der Fasnet – um 18 Uhr versenken die Kübler ihren Brunnengeist im Jakobsbrunnen. Die barock geschnitzte Holzmaske wird traditionell Anfang Januar aus dem Tiefen der Cannstatter Mineralquellen geholt und am Abend des Faschingsdienstags im Brunnen dem Wasser übergeben.
Kehrausball und Verbrennsäufung in Stuttgart-Bad Cannstatt: Ein echter Narr verabschiedet die Fasnet nur ungern – deshalb steigt um 19 Uhr im Wirtshaus Zur Alten Schmiede (Kühlbrunnengasse 12) noch der Kehrausball der Jungkübler. Währenddessen wird die Strohpuppe des Hesekiel durch Cannstatts Wirtschaften getragen, bevor es im Trauermarsch zum Neckarufer an der Wilhelmsbrücke geht. Hier wird Hesekiel – um ganz sicherzugehen – um Mitternacht verbrannt und ersäuft. Eine Verbrennsäufung sozusagen.
Aschermittwoch, 18 Februar:
Geldbeutel waschen in Stuttgart-Bad Cannstatt: Fasnet ade – und weil’s so schön war, ist der Abschiedsschmerz an Aschermittwoch groß. Um 19 Uhr waschen die Cannstatter Kübler am Erbsenbrunnen in der Marktstraße unter großem Wehklagen ihre Geldbeutel aus.
Heringsessen in Stuttgart-Ost: Auch Blau-Weiß Stuttgart beerdigt den Fasching – mit einem Heringsessen in der Stuttgarter Jugendherberge (Haußmannstraße 27). Los geht’s um 18.30 Uhr.
*Hinweis: „Die Bezeichnungen Zigeuner, Zigeunerin sind diskriminierend“, heißt es im Duden und auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Die gesamte Volksgruppe wird demnach als Sinti und Roma bezeichnet. Beide Institutionen empfehlen zur Vermeidung der Reproduktion diskriminierender Begriffe, die dazu beitragen können, Vorurteile zu verstärken, die Verwendung von diskriminierungssensibler Sprache. Der Stuttgarter Verein „Zigeunerinsel“ verzichtet nach eigener Aussage darauf, sich umzubenennen, weil sie sich 1910 nach den gleichnamigen Siedlungen für ausgegrenzte Menschen benannt haben, um gegen deren Diskriminierung einzutreten.