Fastenbrechen im Ramadan Auch nicht-muslimische Kinder kommen in die Esslinger Moschee

Auch zum gemeinsamen Beten waren die nicht-muslimischen Kinder mit ihren Familien eingeladen. Foto: Markus Brändli

In der Esslinger Moschee sind nicht-muslimische und muslimische Kinder zum Fastenbrechen zusammengekommen. Wie lief das ab?

Esslingen: Sebastian Xanke (xan)

Nicht-muslimische und muslimische Kinder der Esslinger Herder-Grundschule haben erstmals zusammen das Ramadanessen gefeiert. Das interreligiöse Fastenbrechen fand am Donnerstagabend in der Esslinger Moschee statt. „Wir sind Nachbarn. Wir sind Freunde. Unsere Kinder drücken gemeinsam die Schulbank. Ich wünsche mir von Herzen, dass genau das immer bestehen bleibt“, sagte Yasemin Bay, staatlich geprüfte Islamlehrerin an der Herderschule, zu Beginn der Veranstaltung. Seit zwei Jahren organisiert sie das Fastenbrechen für die Kinder – zuerst nur mit muslimischen Schülerinnen und Schülern, nun auch mit nicht-muslimischen Kindern.

 

In einem großen Gemeinschaftsraum der Moschee stehen an diesem Abend lange Tischreihen. 180 Kinder haben sich mit ihren Familien angemeldet. Zwischen den Stühlen rennen die Grundschüler umher, ein kleiner Junge trägt eine große Box vor sich und streckt sie jedem entgegen: Bonbons befinden sich darin. Für später. Denn bevor es ans eigentliche Fastenbrechen geht, gibt es ein Programm.

Fastenbrechen in der Moschee in Esslingen

Zwei Kinder lesen aus dem Koran vor, ein kleiner Kinderchor singt zwei Lieder, stolze Eltern filmen sie dabei. Begeistertes Klatschen. Dann geht es zum Gebet. Für diejenigen, die möchten. Wer nicht möchte, dürfe auch nur zuschauen oder sich schon mal Essen holen, sagt Yasemin Bay. Mehrere nicht-muslimische Eltern mit ihren Kindern nehmen am Gebet teil – manche von weiter weg im Raum, andere treten in die Reihe mit den gläubigen Muslimen. Während die Frauen den Gebetsraum über eine Empore betreten, beten die Männer auf der unteren Ebene. Verbeugen, hinknien, aufrichten, sinnieren, lernen. Und dann: Freude aufs gemeinsame Essen.

„Ich finde es wichtig, dass wir schauen, wie wir miteinander leben“, sagt Margarete Teuscher während sie in der Schlange zur Essensausgabe steht. Teuscher ist Schulleiterin der Herderschule und selbst katholische Religionslehrerin. „Wir wollen unabhängig der verschiedenen Religionen Werte leben: friedvoll, respektvoll, sorgsam mit der Natur. Gemeinsam“, sagt sie. Viele Kinder in der Herderschule seien muslimischen Glaubens, seit ein paar Jahren gibt es deshalb auch islamischen Religionsunterricht. Yasemin Bay sei die erste Islamlehrerin in Esslingen gewesen, sagt Teuscher.

Yasemin Bay ist staatlich geprüfte Islamlehrerin. Foto: Markus Brändli

Christen und Muslime in der Esslinger Moschee

Und auch die will Brücken bauen. „Unterschiede in Herkunft, Sprache oder Kultur sollen uns nicht trennen, sondern Begegnungen ermöglichen“, sagt Bay. Derzeit sei das besonders gut möglich. In diesem Jahr hat die christliche Fastenzeit zufällig zur selben Zeit wie der Ramadan begonnen – am 18. Februar. Eine Seltenheit. „Sowohl für muslimische als auch für die christliche Fastenzeit steht der Verzicht im Mittelpunkt“, erklärt Bay. Dabei gehe es nicht nur um den Verzicht auf Essen, Trinken oder auf ein Hobby. „Wir können uns auch ganz bewusst entscheiden, auf noch tiefgreifendere Dinge zu verzichten. Auf Hass. Auf Spaltung. Auf Streit. Auf Ablehnung.“

Übrigens, so ergänzt es Schulleiterin Teuscher, seien muslimische Kinder auch immer eingeladen, die christlichen Gottesdienste der Schule zu besuchen. Passiert das auch? „Aber natürlich“, sagt Teuscher und lächelt.

Fastenzeit

Ramadan
In diesem Jahr haben der Ramadan und die christliche Fastenzeit zwar gleichzeitig begonnen. Enden werden sie aber an unterschiedlichen Tagen. So feiern Musliminnen und Muslime den Abschluss der Fastenzeit am 19. März, Menschen christlichen Glaubens hören am 4. April mit dem Verzicht auf.

Fastenbrechen im Kreis Esslingen
Im Kreis Esslingen gab es während des Ramadans an verschiedenen Orten interreligiöses Fastenbrechen. In der Esslinger John F. Kennedy Schule trafen sich etwa 40 Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeitende. Im alten Rathaus begrüßte Bürgermeister Yalcin Bayraktar den Gesellschaftsdialog der Religionsgemeinschaften – ein Austauschgremium zwischen den Religionsgemeinschaften und der Stadtverwaltung. Und auch die Kinder- und Jugendarbeit Ostfildern lud zum Fastenbrechen ein.

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