Fauxpas auf Tiktok Steuerzahler verhöhnt? Bayaz-Ressort löscht Video
Um junge Menschen zu erreichen, tummelt sich das Finanzministerium auch auf Tiktok. Nun ist ein Beitrag gründlich daneben gegangen – und hat eine Welle der Empörung ausgelöst.
Um junge Menschen zu erreichen, tummelt sich das Finanzministerium auch auf Tiktok. Nun ist ein Beitrag gründlich daneben gegangen – und hat eine Welle der Empörung ausgelöst.
Für das baden-württembergische Finanzministerium würde sich das junge Publikum, das sich auf Tiktok tummelt, normalerweise nicht interessieren. Doch auch diese Altersgruppe versucht das Ressort von Danyal Bayaz (Grüne) zu erreichen – etwa, um sie für eine Ausbildung in der Finanzverwaltung zu gewinnen.
Auf der umstrittenen chinesischen Videoplattform muss man, um wahrgenommen zu werden, indes ganz anders kommunizieren als auf den traditionellen Kanälen. Neben ernsthaften Clips – etwa zur Haushaltsrede von Bayaz – laufen dort viele lockere, auch selbstironische Kurzvideos rund um Steuer- und Finanzthemen. Wer sich gut unterhalten fühlt, so offenbar das Kalkül, beschäftigt sich vielleicht auch mit der Institution dahinter.
Nun ist ein solcher Versuch gründlich schiefgegangen – und hat dem Ministerium eine Welle der Empörung eingebracht. Als unlängst ein Song des Rappers Kendrick Lamar auf Tiktok „trendete“, versuchten Bayaz‘ Öffentlichkeitsarbeiter mit aufzuspringen. Drei Mitarbeiter tanzten, vermeintlich cool kostümiert, zu der Musik durch die Gänge des Neuen Schlosses: vorneweg eine junge Beamtin, die mit Geldscheinen wedelt, dahinter der Pressechef samt Geldkoffer und ein Kollege. Die Textzeile dazu: „Das Finanzamt auf dem Weg, um Deine Nachzahlung zu holen.“
Was lustig gemeint war, konnte man offenbar auch ganz anders verstehen. Eine Verhöhnung der Steuerzahler sei das, empörten sich Betrachter in den sozialen Medien. Das Eintreiben von Steuerrückständen werde als großer Spaß dargestellt, doch für die Betroffenen sei es oft bitter ernst.
Es setzte, neben einigen lobenden, viele böse Kommentare – und Berichte in Netzportalen wie Nius oder Inside-BW. Ungewollt hatte das Ministerium eine Vorlage geliefert, um mal wieder über den gierigen Staat und dessen herzlose Diener herzuziehen. Die Kritik wurde vielfach geteilt, gegen das Finanzressort braute sich ein wahrer Proteststurm zusammen. „Mehr Verachtung für den Steuerzahler geht nicht“, postete auch AfD-Chefin Alice Weidel und forderte den Rücktritt des Ministers.
Am Ende entschieden sich Bayaz‘ Medienleute, das Video aus dem Netz zu nehmen. „Wir können die Kritik nachvollziehen“, sagte sein Sprecher und bekannte offen: „An der Stelle lagen wir daneben.“ Auf den Tiktok-Auftritt will man auch künftig nicht verzichten, zumal der günstig mit Bordmitteln produziert wird. Doch die Ministerialen wissen nun noch besser, wie gut man dabei aufpassen sollte.
Sogar Bayaz selbst sah sich genötigt, auf die Aufregung zu reagieren. Er habe das Video nicht gekannt, aber der Ton sei „unangemessen“ und die Löschung richtig gewesen, schrieb er auf der Plattform X. Sein Versprechen: „Wir werden künftig noch stärker darauf achten, dass die Kommunikation auch behördlichem Niveau entspricht.“