Der Esslinger Bahnhofsvorplatz bleibt ein Streitpunkt: Ein Antrag auf einen Schülerwettbewerb zur Umgestaltung scheitert im Gemeinderatsausschuss. Welche Pläne die Stadt verfolgt.
Der Esslinger Bahnhofsvorplatz ist alles andere als ein Schmuckstück. Zwar hat die Stadt das Areal zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem Einkaufszentrum Das ES vor Jahren mit großem Aufwand neu gestaltet – einladend ist der Platz dadurch nach Meinung vieler aber nicht geworden. Im Rathaus hat man das erkannt und 2022 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Verbesserungsmöglichkeiten suchen soll. Die Verwaltung verweist stets darauf, dass tiefgreifendere Korrekturen nicht möglich seien. Weil die Ratsfraktion von FDP/Volt findet, dass auch kleine Verbesserungen dem Bahnhofsvorplatz guttun könnten, hat sie vor Jahresfrist einen Schülerwettbewerb beantragt, der Anregungen für eine attraktivere Platzgestaltung bringen sollte. Im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz ist die Fraktionsvorsitzende Rena Farquhar nun mit ihrem Vorstoß abgeblitzt.
FDP/Volt hatte angeregt, Esslinger Schulen zu einem Wettbewerb zur Gestaltung der freien Fläche auf dem Bahnhofsplatz einzuladen. Davon versprachen sich Farquhar und ihre Fraktion Vorschläge, wie sich der Platz zu einem „lebendigen, attraktiven und offenen Raum für Bewohner und Besucher“ gestalten ließe – etwa durch Grünflächen, Sitzgelegenheiten, Kunstinstallationen, Sportflächen oder interaktive Elemente.
Antrag auf 30.000 Euro für kreative Schülerideen am Bahnhofsvorplatz
Zusätzlich zum Preisgeld von 3000 Euro wurde ein Budget von 30 000 Euro für die Umsetzung der besten Ideen beantragt. Mit ihrem Blick für moderne, kreative Lösungen könnten junge Menschen zur Belebung und Attraktivität des Platzes beitragen und helfen, aus einer von vielen als Schandfleck empfundenen Fläche einen Lieblingsort zu machen“, betonte Rena Farquhar.
Doch die Stadtverwaltung winkte ab: Der Ansatz der FDP sei zwar „gut gemeint“, befand Baubürgermeister Hans-Georg Sigel. Ein Schülerwettbewerb sei jedoch angesichts der Komplexität der Aufgabe „zu hoch aufgehängt“. Stadtplanungsamtschef Axel Fricke verwies auf zahlreiche Abhängigkeiten wie ein komplexes Leitungsgeflecht und mögliche Altlasten im Untergrund, aber auch auf verkehrliche Anforderungen etwa durch den Zentralen Busbahnhof (ZOB), die zu bedenken seien. Außerdem seien die Planungen der Stadt für Verbesserungen am Bahnhofsvorplatz schon „sehr, sehr weit fortgeschritten“. Deshalb müsse man sich fragen, „ob das der richtige Ort zur richtigen Zeit für einen Schülerwettbewerb ist“. Stattdessen regte Fricke einen Schülerwettbewerb für den geplanten „Stadtteilplatz“ nahe der neuen Hochschule in der Weststadt an. Dieser Standort sei angesichts der einfacheren Rahmenbedingungen „wesentlich besser geeignet als der Bahnhofsplatz“ und eigne sich ideal als Aktions- oder Pop-up-Fläche, um mit Ideen von Schülern zusätzlich bespielt zu werden.
Doch so einfach mochte sich Rena Farquhar im Ausschuss nicht abspeisen lassen: „Besser hätte man unseren Antrag nicht totreden können“, befand die Fraktionschefin von FDP/Volt. Dass die Verwaltung nun auf weit fortgeschrittene Planungen verweise, sei verwunderlich: „Unser Antrag liegt seit einem Jahr vor. Da hätte man sich längst Gedanken machen können, wie man junge Menschen einbeziehen kann.“ Gerade weil der Bahnhofsvorplatz so zentral liege, könne es für Schüler so attraktiv sein, dafür Ideen zu entwickeln: „So kann man junge Menschen an die Stadtplanung heranführen und ihnen zeigen, wie komplex solche Überlegungen sind.“ Dem Gedanken, stattdessen ein Grundstück in der Weststadt in den Fokus zu nehmen, konnte Farquhar wenig abgewinnen: „Wir wollen konkrete Ideen für den Bahnhofsvorplatz und nicht nur irgendeinen Schülerwettbewerb.“
Politiker diskutieren über Alternativen zum Schülerwettbewerb
Tim Hauser (CDU) konnte Farquhars Ärger verstehen, dass ihr Antrag ein Jahr lang auf Eis gelegen hatte und nun von fortgeschrittenen Planungen die Rede ist. Damit seien die Spielräume nun allzu eng. Andreas Fritz (Grüne) sprach von einer „Superidee“ – der Bahnhofsvorplatz sei dafür aber nicht der richtige Ort. Markus Binder, beratendes Ausschussmitglied für die SPD, konnte dem Antrag „einiges abgewinnen“, warnte aber vor „großem Frustrationspotenzial, wenn die Vorschläge nicht umsetzbar sind“. Und Carmen Tittel (Grüne) könnte sich vorstellen, dass der Charlottenplatz ein attraktives Wettbewerbsthema sein könnte.
Am Ende wurde der Antrag von FDP/Volt im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz bei drei Gegenstimmen abgelehnt. Stattdessen wurde die Verwaltung beauftragt, „einen Schülerwettbewerb im Rahmen der Gestaltung des Baublocks E der Neuen Weststadt oder einem ähnlich geeigneten Platz vorzuschlagen“. Außerdem soll sich die Verwaltung Gedanken über ein dafür geeignetes Beteiligungsformat machen.
Handlungsoptionen am Bahnhof
Task Force
Die Esslinger Stadtverwaltung hat im Herbst 2022 ein Projektteam gegründet, um das Bahnhofsquartier zu einem „urbanen Raum für alle“ zu entwickeln. Beteiligt sind das OB-Büro, die Stabsstelle Mobilität, das Citymanagement, das Amt für Soziales, Integration und Sport, das Ordnungsamt, das Stadtplanungsamt, das Tiefbauamt und das Grünflächenamt sowie Institutionen wie der Jugendgemeinderat, die Polizei oder die Freie Wohlfahrtspflege.
Maßnahmen
Drei zentrale Themenbereiche hat die Stadt benannt: die Sozialarbeit im Bahnhofsquartier, die bauliche Gestaltung des Quartiers und die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn. Es geht um Sicherheit und Sauberkeit, um mehr Attraktivität, um Klimaresilienz sowie die Betreuung der einschlägigen Klientel im Bahnhofsbereich. Erste Maßnahmen wurden umgesetzt: So hat die Stadt zu exponierten Zeiten die lange geforderte „mobile Wache“ eingerichtet. Außerdem wurde ein Container-Treffpunkt für „Stammsteher“ eingerichtet – Menschen, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben und sich draußen treffen, auch um gemeinsam Alkohol zu konsumieren.