Feiern im Kino, Razzien, Kult-DJs Sechs legendäre Clubs, die Stuttgart nie vergessen wird

Früher bekannt als Oz, später umgebaut zum Aer-Club. In dem Keller am Kronprinzplatz fanden viele Partys statt. Foto: StZN

Während das Partyschiff Fridas Pier sein vierjähriges Bestehen feiert, mussten in den vergangenen Jahren viele Clubs schließen. Hier gab es die wildesten Techno-Partys.

Volontäre: Frederik Herrmann (hef)

Der Party-Kutter Fridas Pier hat Geburtstag: Seit nunmehr vier Jahren wird auf dem ehemaligen Frachtkahn Wilhelm Knipscheer am Neckar gefeiert. Früher transportierte das Schiff Kies und Kohle, heute tanzt man dort auf mehreren Floors über und unter Deck.

 

Ob Sven Väth oder lokale Newcomer – auf Fridas Pier haben schon viele Künstler aufgelegt. Regelmäßig findet hier auch die sexpositive Partyreihe Kinky Galore statt. Das Schiff ist längst ein fester Bestandteil der Stuttgarter Clubszene geworden.

Doch das Party-Boot ist nicht die einzige außergewöhnliche Location, die Stuttgart zu bieten hat. Viele Clubs haben die Stadt geprägt, sind aber inzwischen Geschichte. Zeit für einen Blick zurück auf sechs legendäre Clubs aus der Landeshauptstadt.

1. Studio Amore – Zwischenlösung mit Stil

Als Zwischennutzung vorgesehen, gingen die Betreiber Max Benzing und Janusch Munkwitz davon aus, ein halbes Jahr die Räume des früheren Luxushotels Hotel am Schlossgarten am Bahnhof als Club zu nutzen. Daraus wurden zweieinhalb Jahre.

In stilvoller Kulisse mit Sechziger-Jahre-Charme, viel dunklem Holz, Ledersofas und pompösen Kronleuchtern fanden hier Clubnächte mit international bekannten DJs statt. Im Juni wurde hier zum letzten Mal gefeiert. 60 DJs legten dort für 49 Stunden auf drei Floors auf.

2. Club Toy – die Afterhour-Legende

Versteckt zwischen Königsstraße und Hirschstraße lag der Eingang zum Club Toy. 1986 als Roxy eröffnet, wurde er zehn Jahre später zum Toy umgebaut.

Ob Techno oder Hip-Hop – das Toy war für viele Genres offen, berühmt war der Laden aber vor allem für seine legendären Afterhours: Von 6 Uhr morgens bis 15 Uhr konnte hier weitergefeiert werden. 2023 musste der Club schließen, weil das Gebäude abgerissen werden sollte.

3. Rocker 33 – Technoclub am Hauptbahnhof

Kaum ein Club hat die Stadt so geprägt wie das Rocker 33. 2005 gestartet im Kronprinzbau, zog er später in die frühere Bahndirektion H7 am Hauptbahnhof und fand 2011 eine neue Heimat im Filmhaus.

Doch auch hier war bald Schluss. 2012 wurde der Mietvertrag gekündigt, 2014 folgte die letzte Party. Zwar gab es noch die Reihe Rocker in Exile in den Wagenhallen, doch kurz darauf kam die Insolvenz.

2018 widmete das StadtPalais dem „Vorzeigeclub“ eine eigene Ausstellung und beschrieb den Club als „kultureller Mikrokosmos“, von dem eine besondere Magie ausging.

4. Zollamt – Subkultur zwischen Schrottplatz und Spielwiese

Von 2000 bis 2016 war der Club Zollamt in Bad Cannstatt ein Hotspot für Subkultur. Auf dem weitläufigen Areal konnten sich Gäste verlieren und in umgebauten Containern und Zugwaggons feiern. Der Charme: irgendwo zwischen Schrottplatz und Spielwiese - ein Biotop für Subkultur.

Neben Partys fanden dort auch Konzerte und Lesungen statt. 2016 musste der Club wegen Streitigkeiten mit den Anwohnern schließen. Nach wie vor finden auf dem ehemaligen Güterbahnhof, heute bekannt als Kulturinsel, regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt.

5. Ciné Colibri – Feiern im alten Kinosaal

Zwischen König- und Kronprinzenstraße befand sich ein Kino. 2003 verwandelte sich der Saal in den Club Ciné Colibri. Dort legten Szenegrößen wie Monika Kruse, Matthias Tanzmann, Loco Dice und Luciano auf.

Zur Abschlussparty 2007 stand Paul Kalkbrenner an den Decks – nur ein halbes Jahr später gelang ihm mit Berlin Calling der Durchbruch.

6. Oz – Früheres Zentrum der Techno-Szene

Wer in Stuttgart in den Achtziger- und Neunziger-Jahren feiern war, erinnert sich sicher an das Oz am Kronprinzplatz. 1980 von Werner „Sloggi“ Find eröffnet, traten dort Bands wie The Cure oder Depeche Mode auf. Später entwickelte sich der Kellerclub zum Zentrum der aufkommenden Techno-Szene mit DJs wie Sven Väth.

Mitte der Neunziger-Jahre kam es zu einer groß angelegten Razzia. Unter dem DJ-Pult soll die Polizei mehrere Gramm Kokain gefunden haben. Kurz darauf musste das Oz schließen. Nachfolger waren der P-Club und später der Aer Club, der 2019 ebenfalls sein Ende fand. Seitdem befindet sich der Club Mica in den Räumen, welcher bis heute besteht.

Clubkultur im ständigen Wandel

Ob Fridas Pier, Studio Amore oder das legendäre Oz – Stuttgarts Nachtleben ist geprägt vom ständigen Wandel. Routine kennt es nicht. Vielleicht ist es auch genau das, was Clubkultur ausmacht. Veränderung, die Suche nach dem Unbekannten und immer wieder neue Räume, neue Musik und neue Menschen.

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