Stuttgarter Fernsehturm Wahrzeichen und Besuchermagnet – Der Fernsehturm wird 70
70 Jahre hat der Fernsehturm auf dem Buckel. Folgerichtig wird 70 Stunden Geburtstag gefeiert. Als Geschenk bekommt der Turm eine Schönheits-OP.
70 Jahre hat der Fernsehturm auf dem Buckel. Folgerichtig wird 70 Stunden Geburtstag gefeiert. Als Geschenk bekommt der Turm eine Schönheits-OP.
Aller Anfang ist schwer. Man schimpfte über „ein Schandmal“, bruddelte über gefällte Bäume und prophezeite, der Turm werde umfallen. Diese Art zu bauen war ja schließlich ganz neu. Stadträte und Verwaltung zählten gleichfalls zu den Kritikern, Geld gab es keins, der Süddeutsche Rundfunk baute alleine. 4,2 Millionen Mark kostete das bis zur Einweihung am 5. Februar 1956.
So gut waren Rundfunkgebühren selten angelegt. Darin sind sich mittlerweile alle einig. Froh sind sie um den langen Lulatsch vom Bopser, der Wahrzeichen geworden ist, ein Gefühl von Heimat vermittelt, wenn er am Horizont auftaucht. So kommt denn auch Stuttgarts OB Frank Nopper zum offiziellen Empfang, SWR-Intendant Kai Gniffke ist als Hausherr natürlich dabei. Und Ministerin Nicole Razavi als Chefin der obersten Denkmalschutzbehörde und Kuratoriumsvorsitzende der Denkmalstiftung des Landes. Und als solche maßgeblich daran beteiligt, dass der Turm ein Lifting bekommt.
Die nächsten Tage wird man noch nichts merken von den Schönheitsoperationen. Da wird alles aussehen wie immer, wenn von Donnerstag, 0 Uhr, bis Samstag, 22 Uhr, der Turm 70 Stunden am Stück lang offen sein wird für das Publikum. Es gibt Cocktails, Frühstück, zwei Miss-Marple-Filme jeweils um 0.30 Uhr, ein Dinner und eine Party.
Das ganze Jahr über wird gefeiert. Aber es wird auch gebaut. Denn der Beton bröckelt. 217 Meter hoch ist der Fernsehturm, dafür braucht es viel Stahlbeton. Und weil der nun seit 70 Jahren auf Degerlochs Höhen den Turm zusammenhält, hat der Zahn der Zeit am Beton genagt. Er muss saniert werden.
Im vorigen Jahr haben die Arbeiten begonnen, aber man ist nicht fertig geworden. Die Besucher werden das merken, denn sie werden abgeschirmt. Die Gebäude rund um den Turm und der Zugang werden überdacht. Wie ein halber Tunnel werde das aussehen, heißt es beim SWR. Der Turm selbst wird allerdings offen bleiben für Besucher. Da sind ja alle etwas nervös, seit 2013, als Alt-OB Fritz Kuhn überraschend den Turm schloss, weil der Brandschutz nicht ausreichend gewesen sei und es keinen zweiten Rettungsweg gab.
2016 wurde der Turm wieder geöffnet fürs Publikum. Nun steht die nächste Sanierung an. Norbert Warth hat eine Berufsbeschreibung, die so lang ist wie der Turm hoch. Der Hauptabteilungsleiter des Service und Gebäudemanagements des SWR ist dafür zuständig, dass der Turm in ganzer Pracht erhalten bleibt. Damit das auch noch lange so bleibt, werde der Turm engmaschig überwacht, hatte Warth bereits 2025 erklärt. Dabei hatte man die Risse entdeckt. „Wind, Sonne, die Temperaturunterschiede“, dazu die Schwingungen und Bewegungen, setzen dem 135 Meter hohen Betonschaft zu. Spannungen entstehen, er reißt. Dadurch könnten Wasser und Kohlendioxid eindringen, den Stahl angreifen und damit letztlich die Stabilität des Turmes gefährden. Also wird man die Risse schließen und klammern. Im Frühjahr soll es weitergehen, im Sommer soll alles fertig sein.
Es ist bei Weitem nicht die erste Sanierung des Turmes. Die jüngste war die bereits angesprochene, als man die Kabel im Schaft mit Mineralwolle umhüllte, eine bis dato niemals ausprobierte Methode des Brandschutzes. Davor war die Gondel auf Vordermann gebracht worden. 1995 hatte man den Innenschaft saniert, mit Stahlklammern und Betonpflastern. Die Sanierung von 1987 kann man noch gut sehen. Die zwei fast 100 Meter langen Risse hat man mit Injektionen behandelt. Die Streifen kann man gut erkennen. Der Denkmalschutz wollte, dass diese nicht überstrichen werden.
Bei der jetzigen Sanierung gibt es diese Auflage nicht, also wird der Turm hernach rundum mit einer schützenden Schicht eingepinselt. Die Denkmalstiftung des Landes unterstützt die Sanierung 500 000 Euro. Insgesamt wird dies 1,5 Millionen Euro kosten. Eine erkleckliche Summe, die die Stiftung in dieser Höhe zuletzt vor fünf Jahren für die Sanierung des Blauen Turmes in Bad Wimpfen ausgegeben hatte. Insgesamt schüttet die Stiftung knapp zwei Millionen Euro im Jahr aus, meist in kleinen Beträgen an private Bauherren.
Doch der erste Fernsehturm der Welt sei ein Leuchtturm der Ingenieurkunst und künde vom Mut der Altvorderen, so lässt sich die Begründung für die Unterstützung zusammenfassen. Ein technisches Denkmal, das ja auch Weltkulturerbe werden soll. Die Gabe der Stiftung erleichtert auch dem SWR die Sanierung. Der ja immer wieder aufs Neue den Streit um die Höhe der Gebühren führen muss. Da ist auch jeder einzelne Besucher ein Argument.
281.531 Menschen schnupperten 2025 Höhenluft, damit bewegt man sich auf dem Niveau von 2009. Absolutes Rekordjahr der jüngeren Vergangenheit war 2016. Im Jahr der Wiedereröffnung kamen 529.524 Menschen. Dann bremsten die Corona-Jahre, seitdem bewegt man sich auf einem Niveau unterhalb von 300.000 Besucherinnen und Besuchern. Im Jubiläumsjahr könnten es durchaus wieder mehr werden, hofft man beim SWR. Veranstaltungen gibt es zuhauf. Und man kann ja auch einfach vorbeikommen, um zu gucken und zu gratulieren.
Jubiläum
Die ersten Feierlichkeiten finden vom Donnerstag, 5. Februar, bis Samstag, 7. Februar, statt. Infos und Tickets über www.fernsehturm-stuttgart.de.