Die Sieglestraße in Stuttgart-Feuerbach ist teilweise gesperrt – der Grund ist, dass hier Fernwärme verlegt wird. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
In Feuerbach erweitert die EnBW gerade ihr Fernwärmenetz. Um die Ausbauziele bis 2035 zu erreichen, müsste es zeitgleich 15 Baustellen dieser Art in Stuttgart geben – pro Jahr.
Die Sieglestraße in Stuttgart-Feuerbach liefert eine Ahnung. So wie dort müsste es in der Stadt in den nächsten Jahren an etlichen Stellen aussehen. Die Kreuzung zur Siemensstraße ist gesperrt, auf rund 30 Meter Länge ist die Hälfte der Fahrbahn ein Baustellenschacht. Arbeiter der EnBW verlegen dort gerade Fernwärmeleitungen. Die Rohre sind gut zu erkennen durch ihre dicke, gelbe Isolierung.
Ein paar Schritte weiter, an der Kruppstraße, dasselbe Bild. Wenn die EnBW die Rohre im Herbst 2025 planmäßig anschließt, ist das dortige Fernwärmenetz um rund zwei Kilometer länger. Die Rohre, die sie gerade nahe des Feuerbacher Bahnhofs unter die Straße befördern, sind eine Erweiterung eines Netzes, das vor allem aus dem Kraftwerk Münster mit Wärme versorgt wird.
Siemensstraße in Feuerbach ist 2025 dran
Einen der schwierigsten Abschnitte haben sie sich für die Sommerferien nächstes Jahr vorgenommen: den Lückenschluss an der Siemensstraße, einer stark befahrenen Autostraße. Für den Baustellengraben muss ein Fahrstreifen gesperrt werden.
In Feuerbach wird ein Gewerbegebiet an die Fernwärme angeschlossen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Alles in allem braucht die EnBW für die zwei Kilometer ein gutes Jahr. Um die Ziele der kommunalen Wärmeplanung bis 2035 zu erreichen, müsste es in Stuttgart pro Jahr 15 Baustellen vergleichbarer Größe geben. Laut Stadt müsste das Wärmenetz im Schnitt jährlich um knapp 30 Kilometer wachsen, insgesamt bis 2035 um mehr als 300 Kilometer. Müsste, denn es gibt vieles, was bremst: Mangel an Personal und Material, aber auch schlicht die Tatsache, dass die Stadt nicht überall gleichzeitig aufgegraben werden kann. „Die Stadtgesellschaft muss das auch aushalten“, sagt Marc Jüdes, Fernwärmeexperte bei der EnBW.
Trotzdem werden die Baustellen in der Tendenz zunehmen. Glasfaser, Stromnetz, Wärmenetz, Radnetz – die unterschiedlichen Umbauarbeiten für die Stadt der Zukunft kommen sich inzwischen vielerorts in die Quere. Sie aufeinander abzustimmen wird immer schwerer.
Die Fernwärme-Baustelle in Feuerbach ist aus EnBW-Sicht ein Ausnahmefall: Solange die rechtliche Situation bei der Fernwärme-Konzession nicht geklärt sei, sei ihnen die Hände gebunden. Man konzentriere sich daher derzeit nicht auf den Ausbau, sondern auf die Nachverdichtung im Bestand und die klimafreundliche Energieerzeugung durch die Umstellung von Kraftwerken von Kohle auf Gas und später Wasserstoff.
EnBW investiert hier elf Millionen Euro
In Feuerbach erschien eine Erweiterung aber lohnenswert. Anschlussoptionen haben wird künftig ein Gewerbegebiet, in dem unter anderem Bosch sitzt. Bisher seien noch nicht alle für die Wirtschaftlichkeit nötigen Anschlüsse verkauft, sagt Jüdes. „Es ist nicht so, dass die Investition in die Leitungen bereits zu hundert Prozent abgesichert sind durch verkaufte Wärme.“ Aber er sagt auch, man investiere elf Millionen Euro sicherlich nicht ins Blaue.
Was beim Vermarkten vermutlich nicht gerade hilft: Laut dem Heizspiegel der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online wird Heizen für alle Haushalte im kommenden Winter billiger. Einzige Ausnahme sind Fernwärme-Bezieher. Auf eine Musterwohnung bezogen zahlen sie fast doppelt so viel Betriebskosten wie Wärmepumpen-Betreiber. „Die Vertriebsaktivitäten sind zurzeit tatsächlich schwieriger“, sagt Jüdes von der EnBW. Ans bestehende Fernwärmenetz schließe die EnBW rund 5000 Kilowatt im Jahr an, das entspreche etwa hundert Mehrfamilienhäusern.