550 Gäste, darunter Winfried Kretschmann, Muhterem Aras und Eric Gauthier, feiern im Wizemann den 80. Geburtstag der Stuttgarter Zeitung – mit Lob, Musik und persönlichen Geschichten.
Es gibt ein Ritual im Hause Nopper. Morgens gegen 6.30 Uhr eilt der Ehemann oder die Ehefrau zum Briefkasten, um die Stuttgarter Zeitung herauszuholen. Die Lektüre gehört für das Paar zum Frühstück wie der Kaffee. Nur dann kann der Tag gut beginnen, wenn der Stuttgarter OB Frank Nopper bereits daheim die wichtigsten Artikel gelesen hat, also gut vorbereitet gegen acht Uhr im Rathaus ankommt.
Als ihn Anfang der Woche eine Dienstreise zum Deutschen Städtetag nach Potsdam führte, wo er übernachten musste, rief ihn seine Ehefrau Gudrun Nopper früh morgens an. „Ich hab’ ihm die Schlagzeilen aus dem Stuttgart-Teil vorgelesen“, erzählt sie. Schon als Schüler habe er jeden Tag mit dem Blick in die StZ begonnen. „Damals war der Sportteil mein erstes Ziel“, verrät der OB, der keinen Hehl daraus macht, dass er sich vor allem dem gedruckten Blatt verbunden fühlt.
Der Geburtstag der Stuttgarter Zeitung ist auch ein Fest für die Pressefreiheit
Geschichten und Anekdoten rund um die Stuttgarter Zeitung gibt es viele – die werden am Mittwochabend im Wizemann ausgetauscht, mal amüsant, mal anerkennend. Etwa 550 Leserinnen und Leser, darunter prominente Gäste von Ministerpräsident Winfried Kretschmann bis zur Influencerin Yules, von Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller bis zur Landtagspräsidentin Muhterem Aras, feiern den 80. Geburtstag des renommierten Blattes – in einer ehemaligen Fabrik, die „Geschichte atmet“, wie der Leitende Redakteur Jan Sellner sagt, der mit Eva-Maria Manz durch den Abend führt.
Der Beifall des Publikums ist stark. Der gut gelaunte Ministerpräsident und die ebenso schlagfertige Trumpf-Chefin (beide duzen sich) sorgen immer wieder für Lacher. Als Kretschmann einen Hustenanfall bekommt, sagt er: „Soll jetzt keiner glauben, dass ich am Ende bin.“
Die Stimmung ist gut und passt zu einem 80. Geburtstag, bei dem nach so langer Zeit immer auch Dankbarkeit mitschwingt. Die Gäste in den voll besetzten Reihen werden bestens unterhalten, oft auch zum Nachdenken angeregt und sind gefesselt in der einzigartigen Atmosphäre der Eventlocation Wizemann, in der topmoderne Ton- und Lichttechnik auf rauen Industriecharme trifft.
Ballettstar Eric Gauthier bringt das Publikum zum Tanzen
Das Stuttgarter Kammerorchester spielt fulminant – der Beifall ist stürmisch. Mit Witz und Charme bringt Ballettstar Eric Gauthier das Publikum zum Tanzen (auch Kretschmann, Aras und Nopper hüpfen mir) und berichtet, dass er nächste Woche mit Gauthier Dance bei drei Shows in Rom auftritt.
Es ist auch ein Fest für die Pressefreiheit, für journalistische Qualität, die angesichts von Fake-News in den sozialen Medien immer wichtiger wird. An diesem Abend ist viel Lob für die journalistische Arbeit aus dem Pressehaus Stuttgart in nicht immer einfachen Zeiten zu hören. OB Nopper etwa schätzt, wie die StZ ihre „freie und unabhängige Berichterstattung“ stets mit „großem Herzen für unsere wunderbare Stadt“ verfolge.
StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs verweist auf die „größte Transformation der Mediengeschichte“, der sich die Redaktion „mit ganzer Kraft“ stelle. „Wir brennen für diese Aufgabe“, sagt er. Die StZ wolle eine „starke Stimme, eine Plattform für Ideen, Debatten und Vielfalt“ sein.
Bei der Party legt DJ 909on808 alias David Harari auf
Auf den offiziellen Teil mit Talk und Bühnenprogramm folgt die Party, bei der ein Star der House-Szene bis Mitternacht auflegt: Der gebürtige Kolumbianer David Harari tritt unter dem Künstlernamen 909on808 auf.
Die Zahlen sind für die Fans von elektronischen Musik eine große Nummer: 909 und 808 beziehen sich auf zwei legendäre Drum-Machines des japanischen Herstellers Roland, die seit den 1980er Jahren, also noch vor der Digitalisierung, Hip-Hop, Trap, Electro und House entscheidend geprägt haben. Tradition vereint sich mit der Zukunft – was für die elektronischen Musik gilt, gilt auch für die Redaktion, die mit Print und Online hohe Ansprüche an sich selbst stellt.
VfB-Marketing-Chef Rouven Kasper sagt: „Die StZ ist für den Verein ein wichtiges Leitmedium“
80 Jahre Stuttgarter Zeitung – dieser runde Geburtstag schreibt Stadt- und Pressegeschichte. Am 18. September 1945, also vier Monate nach Kriegsende, ist die erste Ausgabe im Tagblatt-Turm gedruckt worden. Die Redaktion mit ihrem liberalen Herausgeber Josef Eberle wollte nach dem Nationalsozialismus einen unabhängigen Journalismus in die Stadt zurückholen, nicht länger sollten die Artikel von oben dirigiert und einseitig gefärbt sein. Der 18. September 1945 war in Stuttgart also die Geburtsstunde der Pressefreiheit nach dem Krieg.
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien sind im Wizemann reichlich vertreten – aber auch aus dem Sport, also aus jenem Bereich, dem die erste Zeitungsliebe des Stuttgarter OB galt. VfB-Chef Alexander Wehrle und VfB-Marketing-Chef Rouven Kasper sind Zeitungsfans. Die StZ sei „für den Verein, für Baden-Württemberg und weit darüber hinaus ein wichtiges Leitmedium“, sagt Wehrle. Und Kasper meint: Die Zeitung verleihe der Stadt und der Region „bundesweite Relevanz und Wahrnehmung, was für den Lebens- und Wirtschaftsraum enorm wichtig“ sei.
Was der Mercedes-Chef über die Stuttgarter Zeitung sagt
Dickes Lob kommt auch von Mercedes-Chef Ola Källenius (per Video-Einspielung): Die Stuttgarter Zeitung stehe für „höchsten Qualitätsstandard, Liebe zum Detail, innovative Ideen und hohe Reichweite“, sagt er. Dies klinge gerade so, „als würde ich ein Auto mit Stern beschreiben“. Auch der 90-jährige Leser Hans-Jürgen Beltz ist voll des Lobes: Seit 70 Jahren ist er Abonnent der Stuttgarter Zeitung und sagt: „Die Zeitung wird immer noch besser!“
Ministerpräsident Winfried Kretschmann findet, dass die Stuttgarter Zeitung „das Weltgeschehen sehr gut mit dem Baden-Württemberg-Blick beleuchtet“. Und Ulrike Groos, der Leiterin des Kunstmuseums, gefällt es, dass die Zeitung die Stadt im Blick habe und in die Welt weiterdenke – dies sei „fast so wie bei uns im Haus“. Eine Zeitung wie die Stadt – wenn das keine Ehre ist!