Der ausgebrannte Stickel-Auflieger: Der Brand im Engelbergtunnel ist ein großes Thema bei der Belegschaft der Nagolder Spedition. Foto: Simon Granville
Der Lkw-Anhänger, der im Engelbergtunnel bei Leonberg ausgebrannt ist, gehörte der Spedition Stickel aus Nagold. Wie gehen Firma und Belegschaft mit dem folgenschweren Vorfall um?
Der Brand eines Sattelzug-Aufliegers im Engelbergtunnel bei Leonberg vom Dienstagnachmittag hat Folgen – nicht nur für die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer rund um die Stadt. Auch bei der Spedition, für die der Lkw unterwegs war, hat der Vorfall Spuren hinterlassen.
„Der Brand ist selbstverständlich auch innerhalb der Belegschaft ein Thema“, sagt Jochen Freitag, Leiter der Spedition Stickel aus Nagold. Für einen Auftraggeber transportierte der Laster Kühlschränke. „Unsere Mitarbeiter zeigen große Anteilnahme gegenüber den betroffenen Verkehrsteilnehmern. Andererseits haben wir auch Dankesschreiben erhalten, in der sich Verkehrsteilnehmer bei unserem Fahrer bedanken.“
Der nämlich hatte, nachdem er den Brand bemerkt und angehalten hatte, noch die Zugmaschine abgekoppelt und einige Meter weiter in den Tunnel gefahren. „Ihm geht es gut, und er hat den Schock gut verkraftet“, berichtet Jochen Freitag. „Wir sind im Übrigen sehr stolz auf ihn, dass er so besonnen und geistesgegenwärtig reagiert hat.“ So habe er größeren Schaden, beispielsweise durch explodierenden Diesel, in der Tunnelröhre verhindert. „Ereignisse dieser Art führen uns vor Augen, wie wichtig ein verantwortungsbewusster Umgang im täglichen Betrieb ist“, so Freitag weiter.
Engelbergtunnel: Unfall-Lkw war nur mit einer Person besetzt
Er korrigiert bei dieser Gelegenheit auch die Nachrichtenlage: So sei der Lkw entgegen der bisherigen Meldungen – und den Angaben aus Kreisen der Rettungskräfte – nur mit einer Person besetzt gewesen. Der Laster kam aus Rothenburg ob der Tauber und hatte den Stickel-Firmensitz in Nagold als Ziel. „An der Ladestelle holen wir täglich bis zu vier Auflieger mit ‚weißer Ware’ ab, welche wir dann in unserer Region ausliefern“, so Freitag. Der Begriff „weiße Ware“ bezeichnet in der Händlerfachsprache Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Geschirrspüler, Waschmaschinen, Trockner oder Herde.
Bei der Spedition Stickel nimmt man den Vorfall im Engelbergtunnel vom vergangenen Dienstag sehr ernst. „Die Sicherheit unserer Fahrer, unserer Fahrzeuge sowie aller Verkehrsteilnehmer hat für uns höchste Priorität“, betont Freitag. „Selbstverständlich haben wir Prozesse, mit denen wir die Sicherheit unserer Fahrzeugflotte gewährleisten. Wir verfügen am Standort über eine eigene Werkstatt, welche auch als Stützpunkt der Dekra eingetragen ist.“
Schwerer Brand: Nach dem Großeinsatz ist die Weströhre des Engelbergtunnels über Wochen gesperrt. Foto: KS-Images
Die Polizeivermutet einen defekten Reifen als Ursache für das folgenschwere Feuer. Der Speditionsleiter sagt dazu: „Wir haben einen Service- und Wartungsvertrag mit einem Reifenhersteller abgeschlossen.“ Dieser nehme – neben der vorgeschrieben täglichen Abfahrtskontrolle durch die Berufskraftfahrer – quartalsweise eine Bestandsaufnahme der montierten Reifen am kompletten Fuhrpark vor. „Und er ergreift, falls nötig, entsprechende Sofortmaßnahmen.“ Die letzte Prüfung sei 14 Tage vor dem Unfall ohne Auffälligkeiten verlaufen. Der ausgebrannte Auflieger sei exakt drei Jahre alt gewesen.
Zum entstandenen Schaden kann Freitag sagen: „Bei einem Auflieger dieser Art kann man von einem Neupreis von etwa 35 000 Euro netto ansetzen.“ Die Kosten der Ladung würden aktuell vom Auftraggeber zusammengestellt. „Sie liegen nicht vor.“ Ob und in welchem Ausmaß die Versicherung in dem Fall greift, dazu kann der Speditionsleiter aufgrund der laufenden Ermittlungen keine Auskunft erteilen.
Nach Brand im Engelbergtunnel muss die Spedition Stickel umplanen
Was ändert sich für die Spedition nun durch die Sperrung der Weströhre und die zeitaufwendigen Umleitungsstrecken? Schließlich gehört die Autobahn mit dem Engelbergtunnel zu den wichtigsten Verkehrsadern im süddeutschen Raum und verbindet nicht nur den Großraum Stuttgart, sondern ist für die gesamte Region Schwarzwald von hoher Bedeutung. „Daher führt folglich auch ein Großteil unserer Routen täglich durch diesen Abschnitt“, so Freitag.
Und weiter: „Da nun Umleitungen installiert werden über Strecken, welche zuvor schon sehr stark frequentiert waren, verlängern sich die Lenkzeiten aller Berufskraftfahrer deutlich.“ Seine Spedition passe nun die Tourenplanung entsprechend an und versuche, die Auswirkungen für Kunden und Partner so gering wie möglich zu halten. „Gleichzeitig ist es uns wichtig zu betonen, dass Sicherheit für uns höchste Priorität hat.“
Spedition Stickel
Geschichte Das Unternehmen aus Nagold wurde 1936 gegründet und ist ein Familienunternehmen in dritter Generation.
Zahlen Die Spedition hat 112 Mitarbeiter, davon 85 Berufskraftfahrer.