Ein Lkw-Brand im Engelbergtunnel bei Leonberg hat für großes Aufsehen gesorgt – und Fragen zur Sicherheit aufgeworfen. Was im Ernstfall zu tun ist, erklärt ein Experte.
Wer durch einen langen Tunnel fährt, empfindet dies meist als alltäglich und unspektakulär. An mögliche Gefahren denkt kaum jemand – schließlich sorgen Notausgänge, Notrufsäulen und moderne Sicherheitstechnik für ein Gefühl der Sicherheit. Doch Ausnahmesituationen können jederzeit eintreten. So wie am Dienstag im 2,5 Kilometer langen Leonberger Engelbergtunnel, als ein Lkw-Anhänger in Brand geriet und einen Großeinsatz auslöste mit 386 Einsatzkräften von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und Polizei.
Zwei Personen erlitten schwere Rauchvergiftungen. Insgesamt 35 Menschen seien von dem Feuer „primär betroffen“ gewesen, sagte der Leitende Notarzt Martin Schipplick. Sie hatten den Tunnel zu Fuß verlassen und ihre Fahrzeuge zurückgelassen. Vor Ort wurden sie vom Rettungsdienst kurz untersucht – und hätten die Plätze, an denen sie sich gesammelt hatten, dann selbstständig verlassen. Brandursache könnte nach ersten Erkenntnissen ein defekter Reifen gewesen sein beim mit acht Tonnen Kühlschränken beladenen Auflieger des Sattelzugs.
Der Schock saß tief und der Schreck war bei vielen Menschen groß, die am Dienstag im oder vor dem Engelbergtunnel involviert waren, dessen Weströhre nach dem Feuer noch eine ganze Weile für Reparaturarbeiten gesperrt bleiben wird. Und es kamen natürlich zahlreiche Fragen zur Sicherheit im Tunnel auf: Wie verhalte ich mich richtig, wenn es im Tunnel zu einem Brand kommt? Was kann jeder Verkehrsteilnehmer tun, um Risiken schon im Vorfeld zu verringern? Und welche Schritte sind im Ernstfall entscheidend?
Brand im Engelbergtunnel bei Leonberg: Tipps für den Notfall
Thomas Bräuner, der Abteilungsleiter für Betriebstechnik bei der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest, sagt: „Im Notfall ist es wichtig, als Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu bleiben und einige Regeln zu beachten“. Dass dem Lkw-Brand am Dienstag am Ende alles noch verhältnismäßig glimpflich ausgegangen ist, ist auch der Technik im Engelbergtunnel zu verdanken. Der Tunnel ist mit umfangreicher Sicherheitstechnik ausgestattet. Das fängt an beim Thermoscanner für Gefahrguttransporte, der auf einem Parkplatz etwa einen Kilometer vor dem Nordportal Fahrzeuge auf überhitzte Teile prüfen, aber am Dienstag nicht eingreifen konnte. Zudem gibt es automatischen Brandmelde- und Absperreinrichtungen, die bei einem Brand automatisch den Tunnel sperren können.
„Wenn die Ampeln am Tunnel auf Rot schalten, heißt das, die Verkehrsteilnehmer müssen unbedingt stehenbleiben“, so Thomas Bräuner. Fahrlässig sei es, wenn manch einer noch schnell durchfahre, um einem möglichen Stau zu entgehen. „Wichtig ist es, eine Rettungsgasse zu bilden und den Anweisungen der automatischen Tunnelansage über Lautsprecher zu folgen.“ Verkehrsnachrichten würden im Radio durchgegeben. Um in einem bereits gebildeten Stau Platz für Rettungskräfte zu schaffen, sollte man immer einen gewissen Abstand zum vorderen Fahrzeug halten. So können sich die Einsatzfahrzeuge auch in engen Situationen durchschlängeln.
Engelbergtunnel Leonberg: Experte gibt Einblicke, was im Ernstfall passiert
Im Falle eines Brandes im Tunnel stehen der Verkehrsleitzentrale der Autobahn GmbH Südwest laut Thomas Bräuner verschiedene Alarmwege zur Verfügung. Die Zentrale hat ihren Sitz am Stuttgarter Pragsattel und steuert von dort unter anderem den Verkehr im Leonberger Engelbergtunnel. Sicherheitseinrichtungen sind in beiden Röhren zahlreich vorhanden: Alle 300 Meter gibt es Notrufsäulen sowie gegenüberliegende Notausgänge, die in die jeweils andere, baulich getrennte Tunnelröhre führen. „Sobald ein Feuerlöscher entnommen wird, löst das automatisch einen Alarm bei der Feuerwehrleitstelle aus – genauso wie beim Drücken des Notfallknopfes“, so Bräuner.
Auch die an der Tunneldecke installierten Brandmeldekabel reagieren sofort auf Hitzeentwicklung. Ob ein Feuer noch eigenständig bekämpft werden kann oder ob die Flucht Vorrang hat, müsse stets im Einzelfall entschieden werden. Orientierung bieten dabei beleuchtete Notrufzeichen, die den kürzesten Weg ins Freie weisen. Petra Hentschel, Pressesprecherin der Autobahn GmbH, betont: „Wichtig ist dabei auch, dass man andere Personen nicht allein lässt und ihnen hilft.“ Für die Sicherheit gehandicapter Menschen sei ebenfalls gesorgt: Die Randsteine seien so niedrig, dass auch Rollstuhlfahrende problemlos auf den Fluchtweg gelangen können. Zusätzlich erleichtern Durchgänge zwischen den Fahrbahntrennwänden das Ausweichen in die andere Tunnelröhre.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist erstmals am 1. September 2025 kurz nach dem Brand eines Fahrzeugs im Engelbergtunnel erschienen und wurde am 5. März 2026 nach dem LKW-Brand vom 3. März 2026 aktualisiert.