Um 20.30 Uhr an einem Donnerstag geht der Alarm bei der Rettungsstelle ein: Brandgeruch in einem Mehrfamilienhaus in der Mörikestraße in Affalterbach. Die Feuerwehr macht sich sofort auf den Weg – doch kurz vor dem Einsatzort muss der Fahrer in die Eisen steigen. „Die Autos dort standen so eng, dass wir mit dem großen Löschfahrzeug fast nicht durchgekommen wären“, erinnert sich Sascha Hänig. Ab da geht es also nur noch im Schneckentempo voran, um das lastwagengroße Fahrzeug irgendwie durch das Nadelöhr zu bekommen.
„Die Autos werden nicht weniger“
In diesem Fall hatte die Verzögerung glücklicherweise keine Auswirkungen. An einem neu eingebauten Herd war ein Kabel durchgeschmort, das den Geruch verursacht hatte, berichtet der Kommandant. „Wir haben den Herd ausgebaut, andernfalls hätte das tatsächlich zu einem Feuer führen können.“ In einem echten Brandfall, bei dem es oft auf jede Minute ankommt, hätte die Parksituation aber schwere Folgen nach sich ziehen können.
Der Kreisbrandmeister Andy Dorroch kennt die Problematik, die ihm zufolge alle Kommunen im Landkreis betrifft, nur zu gut. „Mein Eindruck ist, dass es sich über die vergangenen Jahre sogar noch verschlimmert hat. Das kann aber auch meine subjektive Wahrnehmung sein.“ Parkflächen nähmen gefühlt eher ab, „trotzdem werden die Autos nicht weniger“. Er zeigt daher Verständnis für die Schwierigkeiten der Fahrzeughalter, die ihr Auto schließlich irgendwo abstellen müssten. „Oft denken sie sich auch gar nichts dabei, wenn sie sich dann einfach irgendwo hinstellen.“ Das ändere aber nichts an dem Umstand, dass diese Falschparker mit dem Leben anderer Menschen spielten.
„Wenn jemand zu Schaden kommt, weil man einen Rettungsweg zugeparkt hat, ist das auch kein Kavaliersdelikt, sondern potenziell eine Straftat“, erklärt der Kreisbrandmeister. Und das betrifft nicht nur diejenigen, die in offiziellen Feuerwehrzufahrten stehen. Wer am Straßenrand parkt, muss dafür Sorge tragen, dass mindestens 3,05 Meter Fahrbahnfläche frei bleiben, sodass auch große Wagen wie Löschfahrzeuge durchkommen. Auch das Parken in Kurven erschwert die Situation für diese Fahrzeuge erheblich und ist ebenfalls verboten.
Kreisbrandmeister appelliert an Autofahrer
Aber was passiert eigentlich, wenn ein Auto tatsächlich mal den Weg zu einem Einsatz komplett versperrt? „Wir können versuchen, es wegzuschieben, aber wenn das nicht geht, haben wir verloren“, erklärt Andy Dorroch. Die einzige Alternative lautet, das Löschfahrzeug stehen zu lassen und mitsamt Schläuchen und Ausrüstung zu Fuß zu gehen, was aufwändig ist und Zeit kostet. „Wenn wir aber die Drehleiter brauchen, die direkt vor dem Haus stehen muss, geht selbst das nicht mehr.“
Andy Dorroch appelliert daher an die Betreffenden für mehr Umsicht. „Bisher ist bei uns noch nichts ganz Schlimmes passiert, so ehrlich muss man sein.“ Aber so weit müsse man es schließlich nicht kommen lassen. „Ich finde, dass jeder, der den Führerschein macht, mindestens einmal auch einen Lastwagen fahren sollte“, sagt er. „Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was das überhaupt bedeutet.“